Pro & Contra

Dürfen Fans die Mannschaft beschimpfen?

24. Februar 2019, 18:46 Uhr

Foto: Firo

Bei Fußball-Bundesligist Schalke 04 liegen die Nerven blank. Die 0:3-Klatsche beim FSV Mainz 05 brachte das Fass für einen Teil der rund 5000 mitgereisten Anhänger zum Überlaufen.

Nach dem Abpfiff kam es zu unschönen Szenen und heftigen Anfeindungen. Unsere Redakteure Krystian Wozniak und Thomas Tartemann haben diskutiert: Dürfen sich Fans so etwas erlauben?


Pro (von Krystian Wozniak):
Vorweg: Natürlich dürfen die Fans keine Feuerzeuge, Bierbecher oder andere Gegenstände in Richtung der eigenen Spieler werfen - möge die erbrachte Leistung noch so unterirdisch sein. Das Werfen von Gegenständen ist ein absolutes No-Go! Aber: Die Fans dürfen ihre Mannschaft nach dem Spiel gnadenlos auspfeifen und ihren Unmut, Ärger oder Frust in Pfiffen, Gesängen und Schmährufen gegen das eigene Team kundtun. Das müssen die Bundesliga-Millionäre aushalten können - ob auf Schalke oder anderswo.
 
Die Profis lassen sich nach Siegen auch sehr gerne feiern und tanzen auf dem Rasen mit der Sieges-Humba oder lassen die Welle vor der Kurve steigen. Auf der anderen Seite gehört es sich gegenüber den Fans, ob auswärts oder daheim, sich nach Niederlagen zu stellen. Notfalls auch in die Kurve zu gehen und zu diskutieren. Nur so kann man Fannähe aufbauen und den Leuten, die viel Geld für Heim- und Auswärtsspiele sowie Klub-Utensilien zahlen, Identifikation mit den Vereinsfarben zeigen.

Contra (von Thomas Tartemann):
Die Profis von Schalke 04 mussten in Mainz einen schweren Gang antreten. Der obligatorische Gang in die Kurve wurde von einer Schimpfkanonade begleitet. So weit, so gut. Dass nach unterirdischen Leistungen „Wir wollen euch kämpfen sehen“-Rufe aufkommen, liegt in der Natur der Sache. Nur: Eigentlich müssten die Anhänger skandieren: „Wir wollen euch spielen sehen.“ Mit Fußball hat das, was Schalkes Balltreter Woche für Woche auf dem Rasen zeigen, nämlich nicht im Entferntesten etwas zu tun.

Unmutsäußerungen sind absolut legitim, aber der Fan entrichtet mit dem Bezahlen des Eintrittsgelds nicht automatisch eine Pöbelgebühr, die es erlaubt, Fußballer zu vogelwilden Personen zu machen und komplett durchzubeleidigen. Sobald die Beschimpfungen ehrabschneidend werden und die Schmerzgrenze der Diffamierungen überschritten wird, hört der Spaß auf. Anstatt Bierbecher auf Spieler zu schleudern, kann Unmut auch kreativ geäußert werden. Wie zum Beispiel vor zwei Jahren zum Schalker Saisonabschluss in Ingolstadt. „Wir danken der Mannschaft, dass sie uns auch in dieser Saison so zahlreich hinterhergereist ist“, prangte auf einem Banner der S04-Fans. Trifft mitten ins Herz, ist witzig und tut im Gegensatz zu einem Bierbecher nur innerlich weh.

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28.02.2019 - 06:53 - Spieko

Auch ich stimme all dem Geschriebenem zu.
Trainer und Spieler bekommen Traumgehälter.Aber verdienen sie es??
Der Verein zahlt sie und so sollten sie alle sich mal bewegen und in die Pötte kommen,sich bwegen und für den Verein auf dem Platz alles geben.DT sollte gehen,sonst geht es noch tiefer in den Abgrund.

25.02.2019 - 19:54 - Juan1

Ich stimme allen Vorpostern zu- Aber wer ist den schuld, dass so ein Kick zu tage kommt. Meiner Meinung nach
N U R der ahnungslose DT. Fussball spielt sich am Spielfeld ab nicht in einem Hörsaal. Man muss selbst solche Situationen als Spieler oder als Trainer erlebt haben, dann hat man auch Lösungen parat.und wenn Spieler wie von unserem Herrn T nur mit Glacehandschuhen angefasst werden, dann machen sie das was sie jetzt tun oder nicht tun.
Und mit der Demontage von Höwedes, Naldo und Fährmann hat alles angefangen. Jetzt hat er dieKabine verloren.
Logische Schlussfolgerung mit ihm geht es mit unserer Mannschaft weiter bergab.
Trotz allem
Glück auf

25.02.2019 - 15:43 - RWO-Oldie

Meine Haltung dazu ist ein klares JA.
Als Fan eines Vereins und erst recht als Mitglied hat man verdammt noch mal das Recht Spieler zu kritisieren und auszupfeifen. Die Frage allein stellt schon dar, wie sich der Fußball mittlerweile gewandelt hat.

Liebe Spieler, Trainer, Funktionäre, Journalisten und Pseudo-Experten - eine Frage: Welche Berechtigung habt ihr eigentlich, dass ihr mehr Geld verdient als 99 % der Fans?
Die Antwort ist: Weil wir Fans in der Summe das Spiel und vor allem unseren Verein lieben und bereit sind einen Teil unsere Gehälter für unseren Verein und unserem Hobby zu investieren. Keiner von Euch kann diese Liebe auch nur ansatzweise nachvollziehen. Ihr kommt daher, holt die Kohle ab und last Euch natürlich mit aller Liebe feiern - wenn der Erfolg da ist.
Leider vergesste ihr aber häufig Eure verdammte Pflicht: Für den Verein, seine Mitglieder und Fans alles - wirklich alle zu geben. Ohne Gejammere, ohne Sonderstatus, ohne Allüren - nur dafür und wirklich nur dafür habt ihr ansatzweise eure Honorare verdient.

Es geht nicht darum Druck aufzubauen. Ihr wisst gar nicht, welchen emotionaler Druck bei den Fans durch euer Versagen aufbgebaut wird.
Wer bei welchem Verein auch immer einen Vertrag unterschreiben kann, egal für wie viele Millionen, der hat damit seinen Ar.... an die Fans verkauft. Und den hat er sich gefälligst für die Fans aufzureißen. Wer das nicht will oder kann, der sollte eben nicht Fußballprofi werden. Es gibt auch andere schöne Berufe. Fragt mal die Fans.

25.02.2019 - 12:38 - easybyter

Die Fans haben das gute Recht, ihren Unmut kund zu tun, denn was Schalke in Mainz geboten hat, war einfach unter aller Sau. Alles, was die Truppe gegen City ausgezeichnet hat, war gegen Mainz wie weggeblasen. Wenn man sieht, wie einfach die ihre Tore erzielen konnten, dann grenzt das für mich schon an Arbeitsverweigerung und ist ein Indiz dafür, dass es intern in der Truppe nicht stimmt. Zu primitiven Pöbeleien allerdings hat niemand das Recht und das Werfen von Gegenständen ist auch total abzulehnen. Gegen Pfiffe oder Sprüche wie "Wir wollen Euch kämpfen sehen" hingegen ist nichts einzuwenden. Verlieren kann man immer, aber wenn man so verliert, dann hat man den Unmut einfach verdient. Mir tun nur die wenigen Spieler leid, die sich jedes Spiel bedingungslos reinhängen, kein Wunder, wenn die auch bald sagen, dann eben nicht. Und so leid es mir tut, ich bin kein Mensch, der immer gleich danach ruft, den Trainer zu entlassen, Tedesco schafft es momentan nicht, der Mannschaft die Mentalität zu vermitteln, die man braucht, um in der Bundesliga zu gewinnen. Er muss liefern oder mit Heidel zusammen gehen. Heidel hat einfach Charakter, er sitzt seinen Vertrag nicht aus, sondern geht, weil er nicht mehr das Vertrauen der Verantwortlichen spürt. Alle Achtung und alles Gute für seine Zukunft.

25.02.2019 - 10:57 - Gemare

Wie soll man diese Truppe verstehen,die in der Lage war einer Mannschaft wie Man City einen Klasse Kampf zu bieten,und dann gegen Mainz nichts ,aber auch gar nichts dagegen zu setzen??
Ich kann die Wut der Angereissten Fans verstehen ! Ich glaube nicht ,das allen Spielern das so geht.

25.02.2019 - 10:45 - rwebvb

Mal vereinsunabhängig gesehen: Jeder Fan hat glaube ich das recht, die Mannschaft auszupfeifen etc. Gegenstände werfen geht allerdings gar nicht. Hat eigentlich ein Profi mal darüber nachgedacht, das ein normal Verdiener richtig schwer malocht und nicht mal ansatzweise an ein Jahresgehalt eines Profis kommt? Man opfert seine Freizeit durch einer lange Auswärtsreise, gibt reichlich Kohle dafür aus und muß dann ein absolutes Gurkenspiel sehen. Das Leute dann den Kaffee aufhaben, ist doch mehr als klar. Wir bringen Leistung täglich in unseren Jobs und dann haben wir meines Erachtens auch das absolute recht, das wir unseren Unmut auch kundtun. Wenn die Spieler sagen, das sie Verständnis dafür haben, dann sollten sie auch Taten durch gute Leistungen bringen. Ansonsten klingt das sehr unglaubwürdig gegenüber dem Zuschauer. Man kann sicherlich mal ein schechtes Spiel verzeihen, aber wenn dauerhaft Scheixxe gespielt wird, dann dürfen und müssen wir vielleicht unseren Unmut äußern. Wenn ein Publikum gewünscht wird, das die Fresse hält, dann sollte man das Stadion mit Pappfiguren füllen und die Stimmung und den Applaus vom Tonband abspielen lassen. Nur mal so eine Idee.

25.02.2019 - 02:50 - SuSler

Bitte nicht den Reschke holen. Bitte nicht. Und zum Thema : Natürlich dürfen sie buhen, pfeifen und schimpfen, nach einer solchen Vorstellung.

24.02.2019 - 23:57 - Bayerischschalke

Becher und Feuerzeuge werfen, Beleidigungen, sind absolut nicht in Ordnung. Ich habe das am Fernseher nicht gesehen und daher auch nicht gezählt. Es waren ca. 4 -5 Tausend Fans dabei, Respekt, haben die alle etwas geworfen? Oder waren es nur ein paar, denen man eh nicht helfen kann? Wie schon gesagt, ich habe es nicht gesehen. Obwohl, den einen, oder anderen Becher hätte ich in den letzten 3 Jahren auch schon mal gern in den Fernseher geworfen. Hab ich natürlich nicht, der Fernseher war zu teuer.
Der Großteil der Fans hat doch richtig gute Ideen, wie die im Artikel genannte Aktion mit dem hinterherreisen, oder Vielen Dank für nichts. Vielleicht sollten einmal nur 20 - 30 Tausend Zuschauer zu einem Heimspiel kommen. Da würde der Baum einmal so richtig brennen.

24.02.2019 - 21:13 - MaiHei

Natürlich dürfen keine Gegenstände fliegen.
Ansonsten darf der inzwischen "durchgeplagte" Schalker ruhig mal deutliche Worte wählen, um Dampf abzulassen.
Was die alles investieren (speziell auswärts) und aktuell dafür "zurückbekommen", steht in einem ganz schlimmen Missverhältnis...

24.02.2019 - 20:25 - paulchen

Nein, es wird nur Klatschvieh geduldet. Und Eventfans.
Ernsthaft, Herr Tartemann?

Wenn im Theater die Inszenierung grauenhaft, die Sänger Dilettanten sind und das Orchester von vorne bis hinten schräg spielt, dann darf auch gepfiffen oder gebuht werden. Das soll also im Stadion nicht erlaubt sein? Wenn ein absolut grauenhafter Fußball geboten wird ohne einen Hauch von Spielkunst und nun gestern auch noch zur Hilflosigkeit Lustlosigkeit dazu kam, selbst dann soll niemand seinen Unmut äußern dürfen?

Es geht nicht um Beleidigungen oder fliegende Gegenstände, das ist indiskutabel. Aber Schimpfen, selbstverständlich! Jubeln wird ja auch gerne mitgenommen...

24.02.2019 - 19:41 - Bobsen04

Ja, dürfen sie......