"Was ist Heimat"? Diskussionsabend mit Altintop geplant

Schalker Fanmeile soll offiziell eingeweiht werden

04. April 2009, 08:55 Uhr

"Was ist Heimat?" Für die meisten Menschen der Ort, an dem sie geboren wurden, aufgewachsen sind und dem sie daher verbunden sind. Die Schalker Fan-Initiative hat sich diesem Thema im Oktober 2008 anlässlich der 9. FARE-Aktionswoche mit einer viel beachteten Aktion angenähert.

Auf einem von Ini-Mitglied Svetlana Melhorn entworfenen Plakat sind zwei Jugendliche vor der Kulisse des ehemaligen Bergwerks Consolidation zu sehen: Tolga, ein türkischstämmiger Jugendlicher im Galatasaray-Trikot und Steven, ein deutschstämmiger im S04-Trikot. Beide sind, wie die Überschrift deutlich macht "Geboren in Gelsenkirchen".

Möglichst noch im April soll bei einem Diskussionsabend der Zwiespalt, in dem sich die in der Schalke-Stadt geborenen Menschen mit Migrationshintergrund stehen, aufgegriffen werden. Und wer könnte besser für diese Zerrissenheit stehen als Halil Altintop? Der S04-Stürmer ist in Gelsenkirchen geboren und fand über die Vorortklubs SW Süd und TuS Rotthausen den Weg zum FC Schalke. Als er vor vier Jahren vor der Wahl stand, für sein Geburtsland oder dem Land seiner Eltern aufzulaufen, entschied er sich aber wie sein Zwillingsbruder Hamit für die Türkei und gegen Deutschland.

"Ist Heimat der Ort, in dem wir wohnen, oder kann man es an seinem Fußballklub festmachen?", fragt Dr. Susanne Franke. "Gerade im Fußball lassen sich gesellschaftliche Einstellungen und Entwicklungen wie bei einem Seismographen ablesen", weiß die 1. Vorsitzende der Schalker Fan-Ini. "Schon an der Farbe der Fußballtrikots lässt sich zuweilen erkennen, ob und in welchem Umfang Integration gelungen ist, ob der Wohnort wirklich eine Heimat geworden ist."
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Galatasaray-Fan Tolga ist eben auch Schalke durchaus zugeneigt. Doch neben vielen anderen "ausländischen" Trikots fallen im Stadtbild vor allem die Trikots von Galatasaray, Fenerbahce, Trabzonspor und Co. ins Auge. "Wir wollen keineswegs den moralischen Zeigefinger erheben und darauf pochen, dass jeder Gelsenkirchener unbedingt und ausschließlich Schalke-Fan sein muss", erläutert der 2. Vorsitzende Sven Schneider, "aber wir haben den Eindruck, dass sich beide Seiten über die Motivation, dieses oder jenes Trikot anzuziehen, weitgehend anschweigen".

Genau das will die Fan-Ini mit der Unterstützung des FC Schalke 04, des Schalker Fan-Club Verbands, des Fanprojekts Gelsenkirchen, des Supporters Clubs und der Ultras Gelsenkirchen ändern. Im offiziellen S04-Forum des Tausend-Freunde-Clubs wurde seit der Vorstellung der Aktion vor einem halben Jahr rege über "Was ist Heimat" diskutiert. "Nun möchten wir gerne einen Teil der Beiträge öffentlich vorstellen", hofft Franke auch auf die finanzielle Unterstützung durch ein Gelsenkirchener Unternehmen oder Institution.

Mit Altintop als prominentem Gast der Runde sollte das gelingen. Und wenn dann auch noch Vertreter des TuS Rotthausen mit am Tisch sitzen, dürften auf beiden Seiten die Heimatgefühle nicht zu kurz kommen.

Den Begriff Heimat haben die wichtigsten Schalker Fanorganisationen aber noch auch auf eine andere Weise definiert. Schon seit längerer Zeit herrscht in der Schalker Fanszene Einigkeit darin, dass der historische Stadtteil Schalke langsam stirbt. Hohe Arbeitslosenzahlen, die fortschreitende Stadtflucht, hohe Lärm- und Feinstaubbelästigungen - vor allem aber das "links liegen lassen" der altehrwürdigen und denkmalgeschützten Kampfbahn Glückauf durch den Verein zu Gunsten des Schalker Feldes, sorgen dafür, dass die Geburtstätte des Schalker Kreisels, der Geburtsort von Tradition, Mythos, Geschichte und Geschichten immer mehr zum Nebenschauplatz verkommt.

Im Dezember 2008 tauchte daher in dem Fanzine "Schalke unser" zum ersten Mal der Begriff "Schalker Fanmeile" auf. Diese beginnt an dem Fanladen der Schalker Fan-Initiative in der Hansemannstraße und führt über die Kurt-Schumacher-Straße zur Arena. Stationen auf dem Weg in den Norden sind die Treffpunkte des Schalker Fan-Club Verbands, des Supportersclubs und der Ultras Gelsenkirchen.

Erster Halt ist das ehemalige "Haus Kitzhöfer", heute "Anno 1904" (www.anno1904.de) an der Kurt-Schumacher-Straße 106. Im Herzen von "Schalke-Nord" haben die 900 "Sups" ihr Vereinslokal aufgeschlagen. Schräg gegenüber ist die Fan-Kneipe "Auf Schalke" in der früheren Gaststätte "Wellhausen" längst eine Institution für alle Königsblauen geworden. Die Ultras hingegen finden sich vor Heimspielen in den Räumlichkeiten des Gelsenkirchener Fanprojekts in der Glückauf-Kampfbahn ein. Dort, am früheren Haupteingang der Spielstätte, befindet sich nach wie vor das "Haus Bosch" - und die Kneipe der GE-Szene.

Auf einer Länge von knapp 0404 Metern sind nun (fast) alle großen Schalker Fanorganisationen, Fangruppierungen und Fanvertretungen mit einem eigenen Zuhause anzutreffen. "Ob und wann die 'Schalker Fanmeile' auch offiziell als Stadtmarke anerkannt wird, können wir jetzt noch nicht sagen. Wichtig ist aber für uns Fans, dass wir uns hier wieder auf unsere Wurzeln besinnen", betont Franke.

Sie lebt aus beruflichen Gründen inzwischen in Köln. Heimat aber ist und bleibt für sie Gelsenkirchen - und Schalke.

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