Man stelle sich einmal vor, ein Torhüter bugsiert den Ball in einem Spiel in der 90. Minute zum spielentscheidenen 0:1 ins eigene Netz.

VfL Bochum

Luthe erzielt klassisches Eigentor

06. Dezember 2015, 18:25 Uhr
Foto: firo

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Man stelle sich einmal vor, ein Torhüter bugsiert den Ball in einem Spiel in der 90. Minute zum spielentscheidenen 0:1 ins eigene Netz.

Genau so ein klassisches Eigentor ist Andreas Luthe über Nacht gelungen - nur ohne Rasen und Ball. Der Anfang der Geschichte ist denkbar einfach. Ein Torwart erhält nach dem Abschlusstraining von seinem Coach die Nachricht, dass er diesmal aus verschiedenen Gründen nicht dabei ist. Ein Vorgang, der sich auf den Plätzen der Welt fast täglich wiederholt.

Doch was danach passiert, erhält nun im Fußballgeschäft der unbegrenzten Möglichkeiten eine neue Dimension. Am Abend daheim setzte sich Bochums Eigengewächs vor den PC und verbreitete seine Demission via Facebook und Twitter. Er argumentiert sogar mit einer Statistik eines Fußball-Fachblattes und sagt, dass ihm die Begründung des Trainers nicht ausreicht.

Dass sich so etwas in Zeiten der sozialen Medien wie ein Lauffeuer verbreitet, hat der Keeper dabei wohl wissentlich übersehen. Als die ersten Reaktionen der User bei ihm eingingen, hat er den Tweet schnellstmöglich gelöscht. Doch nicht schnell genug. Denn längst machte seine Aussage die Runde. Wenig überrascht es eigentlich, dass ausgerechnet Ex-Trainer Peter Neururer, der noch zur Wochenmitte in der Boulevardpresse seine Liebe zu Trainer, Mannschaft und Verein verbal artikuliert hatte, im Internet für die weitere Verbreitung sorgte. Der Rest ist schnell erzählt.

Im Hinblick auf das so wichtige Heimspiel reagierten die Verantwortlichen zunächst gar nicht, ließen Luthe im Kader und äußerten sich nach dem Faux-Pas des Schlussmanns auch nach dem Match äußerst besonnen. Selbst Trainer Gertjan Verbeek überspielte seinen innerlichen Ärger und stellte fest: „Dass ein Spieler über seine Nichtberücksichtigung enttäuscht ist, finde ich gut. Seine Ausführungen waren aus seiner Sicht in Ordnung, aber es geht natürlich weder die Art und Weise, noch der Zeitpunkt.“

Und deshalb dürfte Luthe zu Wochenbeginn sicherlich einen Gesprächstermin mit seinem Coach und mit Sportvorstand Christrian Hochstätter haben. Im Mannschaftskreis dürfte es auch nicht gut angekommen sein, dass vor einem derart wichtigen Spiel völlig unnötige Kriegsschauplätze abseits des Rasens geschaffen wurden. Luthe, der eigentlich für seine Sachlichkeit auf dem Rasen und abseits des Spielfeldes bekannt ist, der sich stets um Ausgleich bemüht und der noch an dieser Stelle vor Wochenfrist den gutem Teamgeist beschwor, hat sich merklich vergaloppiert. Immerhin hat er nach den ersten Reaktionen seinen Tweet gelöscht und zurückgerudert.

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