OL Westfalen

Zwischen Tetris und "Hey Jude"

22. Mai 2015, 09:53 Uhr
Foto: Ketzer

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Von wegen Sicherheitsspiel! Der letzte Besuch des SV Lippstadt beim VfB Hüls war ein einziges liebevolles Abschiedsgeschenk an den "ewigen Oberligisten".

Eins vorweg: Natürlich blieb es nicht komplett ruhig. Ein wenig Palaver gab es vor dem Spiel um die Positionierung der Fan-Gruppen. Die SVL-Ultras hatten die freie Platzwahl genutzt und sich unweit der Hülser "Chemiekeulen" ein schattiges Plätzchen unter dem Tribünendach gesichert. Schließlich schallt es unter dem Blechverschlag einfach besser. Ein paar kleinere Pöbeleien am Einlass - Fußball eben.

Danach aber füllte der Verein mitsamt seiner treuen Anhängerschaft mit Leben, was 2007 in der Saison des Abstiegs des VfB auf einem Banner der Lippstädter Ultras prangte: "Oberliga ohne VfB ist wie Bier ohne Schaum".

Zu der Zeit, als es in Marl schon einmal bergab ging, war Daniel Farke Mittelstürmer und knallte den Hülsern regelmäßig die Hütte voll. Nun - nach sechs Jahren im Amt und mit der Entscheidung, den Verein am Saisonende zu verlassen - gehörte es zu seiner letzten Amtshandlung bei einem Besuch im Stadion am Badeweiher, dem sicheren Oberliga-Absteiger die besten Wünsche mit auf den Weg zu geben. "Ich wünsche der gesamten VfB-Familie für die kurz- und mittelfristige Zukunft alles Gute", sagte er aufrichtig nach der Pressekonferenz und erntete dafür ebenso ehrlichen Applaus.

Da stand die Hülser Gemeinde noch unter dem Eindruck der 1:4-Niederlage. Und dessen, was sich auf der Sitzplatz-Tribüne abgespielt hatte. Sogar VfB-Stadionsprecher Carsten Schwarma bedankte sich über die Lautsprecher-Anlage für den grandiosen Support der SVL-Ultras. Ein Repertoire von einem guten Dutzend kreativer Schlachtgesänge und eine unglaubliche Stimmgewalt der reisefreudigen Anhängerschar hatten für reichlich Respekt gesorgt. Von umgedichteter Tetris-Mucke bis zum Beatles-Evergreen "Hey Jude" war alles dabei. Gänsehaut am Badeweiher - wahrscheinlich für lange, lange Zeit das letzte Mal. Vom sportlichen Auftritt ganz ab: Der SVL führte jegliche im Vorfeld gehegte Sorgen der VfB-Verantwortlichen ad absurdum.

Kurzum: Die beiden Klubs werden sich künftig schmerzlich vermissen. Die Mannschaft von Daniel Farke hätte den Abschiedsschmerz viel angenehmer gestalten können. Wären da nicht die ersten sechs Spieltage gewesen, wären die 08er nun ganz oben mit am Start. Nach der eindrucksvollen Serie von 16 Spielen ohne Niederlagen beißen sie sich in Lippstadt sicher derzeit selbst in den Allerwertesten. Was den Social Media-Beauftragten aber nicht davon abhielt, den Abschied vom Badeweiher mit einer Prise Humor zu würzen. Denn bei allem Schmerz: Die drei Punkte, die der SVL mit den Bus nehmen durfte, waren da schon richtig aufgehoben. Wären sie auf dem Konto des VfB gelandet, hätte das auch keinen Schaum auf das Bier gezaubert...

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