Sportverbot

Offener Brief von Mülheimer Amateurklub erreicht über 250.000 Menschen

02. November 2020, 17:35 Uhr
Die Spielstätte des TSV Heimaterde. Foto: Martin Möller

Die Spielstätte des TSV Heimaterde. Foto: Martin Möller

Bis mindestens Ende November ist Amateursport pandemiebedingt untersagt. Die Jugendabteilung des TSV Heimaterde verfasste einen offenen Brief, der ein großes Echo auf Facebook nach sich zog.

Das vergangene Woche entschiedene Verbot von Amateursport bis mindestens Ende November hat viele Vereine und Aktive hart getroffen. Das beweist unter anderem die Reaktion des TSV Heimaterde. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet drückt der Jugendvorstand des Mülheimer Fußballklubs seinen Unmut gegenüber der Beschlüsse aus - und erhielt dafür viel Zuspruch auf Facebook.

„Ich kann die Notwendigkeit, die Corona-Pandemie zu bekämpfen, absolut nachvollziehen und unterstütze Sie grundsätzlich in Ihrem Vorhaben“, schreibt der Verfasser. „Mit einigen Maßnahmen schießen Sie jedoch über das Ziel hinaus. Dazu zählt im Besonderen auch das oben genannte Verbot des Amateursports.“

TSV-Jugendvorstand: Amateursport-Verbot ist unverhältnismäßig

Dieses hält der Jugendvorstand des TSV für unverhältnismäßig: „Im Bereich der Schulen halten Sie die Ansteckungsgefahr für gering. Aber eine Kinder- und Jugendmannschaft, die maximal aus 15 Personen besteht und sich unter freiem Himmel bewegt, stellt im Gegensatz dazu ein epidemiologisches Risiko dar?“, heißt es. „Sie haben diesen Kindern und Jugendlichen die Erlaubnis entzogen, ihr Hobby, das aus gesundheitlichen und sozialen Gründen sehr wichtig ist, auszuüben. Und das, obwohl sie sich draußen auf einer Fläche bewegen würden, die deutlich größer ist als ein Klassenraum.“

Es gehe darum, so der Verein, Kindern und Jugendlichen ein Umfeld anzubieten, „in dem sie sich auspowern können, in dem sie jedoch zugleich Kontakte pflegen und Sozialverhalten erlernen können. Viele Jugendliche nutzen diese Angebote als Alternative, da sie ansonsten viel Zeit mit ‚abhängen‘ verbringen würden.“

Brief auf Facebook tausende Male geteilt

Zeitweiligen Einschränkungen im Spiel- und Trainingsbetrieb - etwa in Form von Geisterspielen oder einer Sperrung von Umkleide- und Duschräumen - stünde der Jugendvorstand offen gegenüber. Doch den Amateursport gänzlich lahmzulegen - das geht den Mülheimern entschieden zu weit: „Ich fordere Sie auf, Ihre Entscheidung zu überdenken und mindestens den Trainingsbetrieb für Sport auf Sportfreianlagen unter Beachtung der genannten Parameter umgehend wieder zu ermöglichen.“

Dass der TSV mit seiner Ansicht nicht alleine dasteht, zeigen die Reaktionen auf den bei Facebook geteilten Brief. Der am Freitag veröffentlichte Beitrag wurde bis Montagnachmittag über 3000-mal geteilt. In rund 350 Kommentaren äußerten sich zahlreiche Jugendtrainer und Vereinsfunktionäre, die den Inhalt des Schreibens unterstützten. Wie auf einem Screenshot des Vereins zu sehen ist, hatte Heimaterde bereits am Samstag knapp 280.000 Personen mit dem Post erreicht - eventuell ja auch die eigentlichen Adressaten des Briefes.

Kommentieren

10.11.2020 - 10:15 - asaph

Geht's noch! ? Ich kann ohne Probleme ohne Vereinssport leben und viele Kinder auch!

02.11.2020 - 17:56 - Kuk

Wenn Öffnungen anstehen, sollte als eine der ersten Maßnahmen Kinder in ihren Kameraden, möglichst aus der gleichen Klasse oder KiTa-Gruppe wieder Sport treiben dürfen,
vielleicht auch mal in kleineren Gruppen.

Was ist das denn für ein Vergleich mit den Schulen ?
Vor einigen Monaten waren wir (fast) alle der Meinung, dass Schulen als letztes geschlossen werden dürfen.