Mit großen Hoffnungen war Mathias Abel im Sommer 2006 von Mainz 05 nach Schalke gekommen.

Schalke: Abel will weg - nach Dortmund oder Hoffenheim?

Zwei Jahre und zehn Minuten

hb
22. Mai 2008, 15:38 Uhr

Mit großen Hoffnungen war Mathias Abel im Sommer 2006 von Mainz 05 nach Schalke gekommen.

Schon zwölf Monate zuvor wurde der bis 2010 gültige Vierjahresvertrag unterschrieben. Die Bemühungen, den Verteidiger gegen Ablöse schon ein Jahr eher zu holen, scheiterten aber. In den zurückliegenden zwei Jahren kam der 26-Jährige auf Schalke lediglich in einem einzigen Bundesligaspiel (2:0 gegen Wolfsburg am 25.9.06) für zehn Minuten zum Einsatz. In der vergangenen Saison wurde er für ein halbes Jahr an den Hamburger SV ausgeliehen.

Als er nach Schalke zurückkehrte, zog er sich zu Beginn dieser Serie einen Kreuzbandriss zu. Obwohl er in der Rekordzeit von nur fünf Monaten wieder auf dem Platz stand, spielte er in den Planungen von Ex-Trainer Mirko Slomka erneut keine Rolle und kam auch unter dem Interimsduo Mike Büskens/Youri Mulder nicht mehr zum Einsatz. Klar, dass ein Spieler wie er, den selbst regelmäßige Trainingskiebitze schon mal versehentlich als Neuzugang vermuten, seine Zukunft nicht mehr in Gelsenkirchen sieht.

Mathias Abel, ist Ihr Spind in der Schalker Kabine schon leer?
Ich habe am Sonntag, als wir uns zum letzten Mal mit der Mannschaft getroffen haben, viele Sachen mitgenommen, die ich Bekannten und Freunden schenken werde. Aber es ist noch etwas da.

Wird man Sie denn am 1. Juli zum Trainingsstart wieder auf Schalke sehen?
Ich denke eher nicht. Die Saison ist wirklich nicht gut für mich gelaufen, obwohl ich nach der Verletzung relativ schnell zurück war. Hier laufen einige Dinge, die man als Spieler nicht beeinflussen kann. Deswegen ist es wohl besser, wenn ich gehe.
Was meinen Sie damit, hatten Sie mit irgendwem Ärger?

Nein, ich bin eigentlich ein umgänglicher Typ. Aber wenn du so gar keine Chance siehst, dann machst du dir schon Gedanken. Als ich nach dem Kreuzbandriss fit und wieder voll im Mannschaftstraining war, sagte Mirko Slomka mir nur, dass ich aber überraschend schnell wieder zurück sei. Das war alles. Viele Spieler sind zu mir gekommen und haben mich gefragt, ob ich mit dem Trainer Krach hätte, weil ich gar keine Rolle mehr gespielt habe.

Mussten Sie nicht damit rechnen, als Sie von Mainz kamen und Leute wie Marcelo Bordon und Mladen Krstajic vor sich hatten?
Schalke ist ein Spitzenverein, die Konkurrenz im Kader ist natürlich groß. Klar, dass verdiente Spieler einen Bonus haben, aber wenn man gar keine Chance sieht? Bei meiner Verpflichtung waren eben noch andere Leute in der Verantwortung, Rudi Assauer als Manager und Ralf Rangnick als Trainer. Slomka hat mir dann das Gefühl gegeben, dass er mich nicht geholt hat.
Nun kommt wieder ein neuer Coach, Fred Rutten. Dem könnten Sie jetzt beweisen, dass Schalke nicht nur ein großes Missverständnis oder ein Irrtum war!
So würde ich das nicht ausdrücken. Es waren keine zwei verlorenen Jahre, denn ich habe auf Schalke eine Menge gelernt, auch wenn ich die meiste Zeit auf der Bank oder der Tribüne gesessen habe.

Was zum Beispiel?
Der Fanaufstand, der Presseboykott, das sind Dinge, die man in einem anderen Verein normalerweise nicht erlebt. Und die Situation, fast gar nicht zu spielen, hat mich reifer gemacht. Das kannte ich vorher nicht. Mit Rutten habe ich noch nicht gesprochen, daher weiß ich nicht, ob er mit mir plant. Aber ich habe mich natürlich mit Andy Müller über meine Situation unterhalten und er versteht, dass ich spielen will. Ich bin im allerbesten Fußballeralter und möchte wieder zeigen, was in mir steckt.

Sie könnten auch Ihren Vertrag aussitzen!
Das ist nicht meine Art. Falls ich keinen neuen Verein finden sollte, wäre das für mich nur die letzte Option.
Warum hat Hamburg Sie nach dem halben Jahr Ausleihe nicht gekauft?
Da war ich zwar zunächst Stammspieler, aber gegen Ende der Serie hatte ich zweimal einen Muskelfaserriss. Außerdem sind zu der Zeit einige vorher verletzte Abwehrleute wie Vincent Kompany und Guy Demel, die damals hinten gespielt habe, zurückgekommen. Auch das Gesamtpaket mit Ablöse plus Gehalt passte den HSV-Verantwortlichen nicht ins Konzept, daher bin ich zurück nach Schalke.

Dann gab es ein Angebot der TSG Hoffenheim.
Es gab Gespräche, aber letzten Endes hat es an verschiedenen Punkten gehakt, allerdings nicht am Geld. Wenn ein Mann wie Dietmar Hopp einen Spieler will, dann scheitert es nicht daran.

Ist der Bundesliga-Aufsteiger nun wieder ein Thema?
Im Moment gibt es keinen Kontakt nach Hoffenheim.

Im Schalker Jahrbuch haben Sie Jürgen Klopp als den Trainer genannt, der Sie als Fußballer am meisten geprägt hat. Telefonieren Sie noch gelegentlich mit ihm und würden Sie ihm eventuell nach Dortmund folgen?

Der Draht zu Kloppo ist leider eingeschlafen und nach Dortmund gibt es auch keinen Kontakt. So viel ich weiß, haben die auch gerade einen Verteidiger verpflichtet und noch einen Franzosen an der Angel, oder? Also, es gibt ein paar Interessenten, aber konkret ist noch nichts.

Sie kommen aus Kaiserslautern. Wäre der FCK nach dem Klassenerhalt in der Zweiten Liga auch eine Alternative?
Mein persönlicher Plan ist schon, dass ich noch einmal im Leben für den FCK auflaufen möchte, aber eher am Ende meiner Karriere. Ich bin in Kaiserslautern geboren und habe im Club zehn Jahre in der Jugend gespielt. Meine Familie wohnt dort und auch die meiner Frau, deswegen fahren wir in diesen Tagen dorthin, ehe es in den Urlaub geht. Mitte Juni kommen wir zurück, vielleicht hat sich bis dahin ja schon etwas ergeben.

Autor: hb

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