Es wurde hitzig debattiert. Nicht immer sachlich, aber angesichts der sportlichen Situation größtenteils auch verständlich. Bei einer Aussprache mit den eigenen Fans, die den Verein leben, war dies eine Tatsache auf die man sich im Voraus einstellen musste. Die Themen Stadionneubau sowie der Ausstieg von Hauptsponsor EVONIK fanden nur wenig bis gar keine Berücksichtigung.

RWE: Hitzige Aussprache zwischen Fans und Spielern

Zwischen Emotionalität und Sachlichkeit

sk
21. Februar 2008, 12:17 Uhr

Es wurde hitzig debattiert. Nicht immer sachlich, aber angesichts der sportlichen Situation größtenteils auch verständlich. Bei einer Aussprache mit den eigenen Fans, die den Verein leben, war dies eine Tatsache auf die man sich im Voraus einstellen musste. Die Themen Stadionneubau sowie der Ausstieg von Hauptsponsor EVONIK fanden nur wenig bis gar keine Berücksichtigung.

Als um viertel nach sieben gestern Abend Pressesprecher Daniel Mucha zum Mikrofon griff, hatten sich rund 300 Fans im VIP-Zelt an der Hafenstraße versammelt. Was viele der Anwesenden nicht wussten: ursprünglich war das Gespräch nur als reine Stimmungsdiskussion gedacht. Kapitän Stefan Lorenz war diese besonders im Pokalkracher gegen den Hamburger SV aufgefallen und hatte daraufhin beim Verein eine Aussprache mit den Fans angeregt.

Und es hätte sich wahrscheinlich auch alles nur um dieses Thema gedreht, hätten die Essener am vergangenen Wochenende in Ahlen gewonnen. Doch das Abrutschen aus den Qualifikationsplätzen für die neue Dritte Liga sorgte für Zündstoff. Und anstatt über die Stimmung zu diskutieren, wurde erwartungsgemäß gleich die sportliche Misere von den Fans ins Visier genommen.

Schon die erste Frage eines rot-weissen Anhänger spaltete das eigene Lager. Die Frage, warum Mittelfeldspieler Tim Erfen nach seinen zuletzt schlechten Leistungen auf dem Platz, weiterhin den Weg in die Startformation finden würde, wurde sowohl mit Applaus wie auch mit Buh-Rufen bedacht. Die nur zum Teil sachliche Kritik („Kann der überhaupt drei Meter geradeaus laufen?“) wurde nach einem kurzen Klärungsversuch von Stefan Lorenz von Erfen selbst aufgegriffen. Dessen Verteidigungsversuch sorgte bei einigen Fans für erhitzte Gemüter, so dass die Ordner an diesem Abend das erste Mal aus ihren Ecken hervortreten mussten und beschwichtigend auf die Anhänger einwirken mussten.

Auch Heiko Bonan stand – nicht überraschend – in der Kritik. Der Trainer fand bei seinen Antworten allerdings nicht immer den richtig Ton, wirkte hin und wieder ziemlich patzig. Umgekehrt sorgten aber die Fragen mancher Fans auch unter den Gleichgesinnten teilweise für Lacher und Kopfschütteln.

Die meiste Zeit war es jedoch eine Mischung aus der angestrebten Stimmungsdiskussion und der sportlichen Lage. Die Fans sahen ihren Standpunkt darin vertreten, dass der „Funke vom Platz auf die Ränge überspringen“ müsse. Die Spieler, allen voran Kapitän Stefan Lorenz, sahen es genau umgekehrt. Sie wollen vom Publikum angepeitscht werden, um noch mal die letzten Reserven frei zu machen.

Auch der Stadionneubau und der Ausstieg des Hauptsponsors EVONIK wurde von Seiten der Anhänger angeschnitten. Geschäftsführer Nico Schäfer gab nur kurz zu Protokoll, dass in den letzten 10 Jahren, seitdem er beim Verein ist, Rot-Weiss noch nie eine Saison begonnen hat, ohne einen Trikotsponsor auf der Brust. Dies würde auch in der kommenden Spielzeit nicht der Fall sein. Dann bat er die Anwesenden wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen.

Nach dieser offenen Diskussionsrunde (aus den anvisierten 20 Minuten wurde eine dreiviertel Stunde) verteilten sich alle Beteiligten an die Stehtische. Der wohl fruchtbarste Teil des Abends. Nachdem im ersten Teil sich Spieler und Fans noch im Abstand von drei Metern gegenüberstanden, konnten sie an den Tischen ihre Meinungen von Angesicht zu Angesicht vermitteln. Der Ton wurde gleich entspannter. Und auch wenn Kompromisse eher die Seltenheiten waren, so war diese Aussprache am Ende doch der erste Schritt in die richtige Richtung.

Autor: sk

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