Manchmal kann eine Busfahrt ganz schön einsam sein, wenn nur ein Platz besetzt ist - der des Fahrers. Die Erfahrung macht häufiger Kurt Müller,

RWE: Einsamkeit des "Kutschers" bei Auswärtsfahrten

Kurt Müller: "Fahre gerne, bis ich 80 Jahre alt bin"

og
28. September 2007, 09:45 Uhr

Manchmal kann eine Busfahrt ganz schön einsam sein, wenn nur ein Platz besetzt ist - der des Fahrers. Die Erfahrung macht häufiger Kurt Müller, "Kutscher" von Rot-Weiss Essen, wenn er beim Auswärtsspiel mit dem vollgepackten Gefährt vorprescht, das Team sinnvollerweise - wie nach Babelsberg oder Union Berlin - mit dem Zug nachkommt. "Ich fahre seit über 33 Jahren", grinst Müller, der ziemlich in sich ruht - kein Wunder mit knackigen 63 Jährchen. "Ein Mitspracherecht bei den Aufstellungen haben wir aber nicht", kommentiert Müller amüsiert.

Vor und nach dem Match ist es im Bus ziemlich ruhig, gewissermaßen eine Idylle, vor allen Dingen nach Niederlagen. "Einige der Jungs schauen schon einmal einen Film, wir haben einen Fernseher mit digitalem Empfang, ansonsten schleppen sie alle ihre Laptops mit sich herum." Vor drei Jahrzehnten war das noch anders: Da wurde auf den Fahrten, als nicht nur der Kader drin saß, auch schon einmal mit Karten gezockt - nicht um Erdnüsse. "Es hat sich so einiges geändert", nickt Müller, der das nicht bestätigt, "nur der Jürgen Grundheber ist von früher noch dabei." Der Mann ist fest "verwurzelt" und trägt den Titel "Obmann".

Müller erinnert sich gerne zurück: "Wir hatten früher viel Spaß." Es gab die typischen Figuren, die das Club-Leben prägten. "Der Willi Lippens war eine echte Pflaume", schmunzelt Müller, "ein unglaublich lustiger Vogel." Heute sind die Charaktere der Akteure anders. Müller: "Es kann aber niemand wirklich sagen, früher war alles besser." Einfach anders. Mit Team-Betreuer Marcel Müller übernimmt Müller das Be- und Endladen vor der Abfahrt und nach der Ankuft. Müller: "Da schleppen wir schon einmal knapp eine Tonne an Klamotten."

"Oldie" Müller ist gebürtiger Essener, genau wie die gesamte Familie. Und Müller ist - natürlich - auch Fan, wie auch seine Frau Christa. "Bei 80 Prozent der Matches bin ich dabei", legt sich der Herr der Autobahnen nachdrücklich fest, "meine Frau ist oft bei Heimspielen im Stadion." Bei Auswärtsfahrten muss die bessere Hälfte geduldig warten, da ist Müller - wie betont - oft einsam. Aber gut drauf: "Wenn es nach mir geht, fahre ich die Jungs gerne durch die Lande, bis ich 80 Jahre alt bin." Geblitzt wurde er auch schon. "Allerdings nicht, weil wir zu schnell waren."

Sondern weil durch eine Waage festgestellt wurde, dass der Bus ein Gewicht erreichte, "das für einen LKW galt." Kein Wunder, wenn man einmal begutachtet, was Müller und Müller - die kein Verwandschaftsverhälnis pflegen - so alles in den Kofferraum wuchten. Bei Auswärtsfahrten in Liga zwei war auch immer der Medienbeauftragte Daniel Mucha dabei, der dann beim Ausladen half. "Was soll ich bis zum Schluss im Team-Hotel. Beim Gastspiel in München gegen 1860 München fuhren wir zur Allianz-Arena, wenn man dort alles aus dem Bus holt, ist man bis zur Kabine noch richtig lange unterwegs." Und nassgeschwitzt.

Autor: og

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren