Rot-Weiss Essens Vereinsboss Michael Welling empfindet die anhaltende Kritik an Sportchef Winkler als Nebenkriegs-Schauplatz und appelliert an alle.

RWE-Boss Welling

Winkler-Diskussion ist "selbstzerstörerisch"

Ralf Wilhelm
04. April 2016, 19:16 Uhr
Foto: Michael Gohl

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Rot-Weiss Essens Vereinsboss Michael Welling empfindet die anhaltende Kritik an Sportchef Winkler als Nebenkriegs-Schauplatz und appelliert an alle.

Keine neuen Wasserstandsmeldungen von der Hafenstraße, auch am Tag eins nach der Freistellung von Chefcoach Jan Siewert ist der Stand der Dinge, dass interimsweise sein Assistent Stefan Lorenz und Torwarttrainer Manuel Lenz die Übungseinheiten am Dienstag leiten werden. Die Verhandlungen mit dem potenziellen Nachfolger Sven Demandt sind noch in vollem Gange. Damit sind die Diskussionen im Umfeld aber noch nicht erledigt.

Dass ausgerechnet Sportdirektor Andreas Winkler, der sich für die Verpflichtung des Trainerschein-Kollegen seinerzeit stark gemacht hatte, auch diesem „die Papiere“ übergab, halten manche für einen schlechten Witz. Vor allem die Fans, die dem Sportdirektor nach einigen unglücklichen Aussagen in der Vergangenheit unversöhnlich gegenüber stehen. „Siewert, nimm den Winkler mit“, höhnte es am Samstag aus der Westkurve. Selbst so besonnene Zeitgenossen wie Uwe Strootmann, Verfasser des allseits geschätzten RWE-Blogs „Im Schatten der Tribüne“, findet in seinem jüngsten Werk klare Worte: „Erstaunlich allerdings, dass die Demission des Trainers von Andreas Winkler kommentiert wurde, der verantwortlich dafür steht, dass kaum einer mehr weiß, wer aktuell überhaupt so alles bei RWE unter Vertrag steht“, heißt es da.

Hinterher können sie meinetwegen auch ‘Welling raus’ rufen, aber in dieser Scheißsituation kann es nur um den Verein gehen
Michael Welling

Die An- und Verkaufspolitik des sportlich Verantwortlichen bietet immer wieder Angriffspunkte, manchmal schießt die Kritik aber übers Ziel hinaus und wird unfair: Dass sich die Winterneuzugänge Emre Yesilova, Kai Druschky und Stefan Thelen kurz nach der Verpflichtung in den Langzeit-Krankenstand verabschiedet haben, das kann man Winkler nun wirklich nicht anlasten.

Gleichwohl sind andere Neuverpflichtungen inzwischen längst wieder durch den Hinterausgang verschwunden und auch bei den Leistungsträgern vor der Saison bleibt als echter Gewinn nur der Kapitän, Moritz Fritz, hängen. Ansonsten: Die, die sich momentan durch großen kämpferischen Einsatz gegen den Abstieg stemmen, sind die alt bewährten Kräfte aus der, nun ja, Fascher/Harttgen-Ära. Auch die Ausbeute der Winter-Nachbesserungen fällt bescheiden aus. Als echten Zugewinn für die Anfangself hat sich nur Andreas Ivan bislang dargestellt.

Wer Vereinsboss Michael Welling einen Adrenalin-Schub verpassen will, muss ihn nur um ein Zwischenzeugnis für seinen sportlichen Angestellten bitten. Der Vereinsvorsitzende findet die Diskussionen im Dunstkreis des Vereins, die sich hochziehen bis in diverse Ratskreise, „extremst müßig“. Einmal dabei, redet er sich förmlich in Rage: „Wir befinden uns acht Spieltage vor Schluss in akuter Abstiegsgefahr, und da finde ich solche Diskussionen wenig hilfreich, ja, ich würde sogar sagen, sie sind kontraproduktiv und selbstzerstörerisch.“

Welling appelliert hingegen, „alle Kräfte zu bündeln und die Nebenkriegs-Schauplätze sein zu lassen.“ Wobei er der Kritik nicht endgültig ausweichen will, nur aktuell helfe sie überhaupt nicht weiter. „Hinterher können sie meinetwegen auch ‘Welling raus’ rufen, aber in dieser Scheißsituation kann es nur um den Verein gehen.“

Autor: Ralf Wilhelm

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