Fortuna Köln ist der etwas andere Vereine. Warum das so ist, erklärt Trainer Uwe Koschinat im folgenden Interview.

Fortuna Köln

Vereinsstruktur ist "Glück und Segen"

Krystian Wozniak
24. Februar 2016, 09:29 Uhr
Foto: Firo

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Fortuna Köln ist der etwas andere Vereine. Warum das so ist, erklärt Trainer Uwe Koschinat im folgenden Interview.

Der Drittligist wurde vor der Saison von vielen vermeintlichen Experten als klarer Abstiegskandidat bezeichnet. Lange dümpelte die Fortuna, die vor zwei Jahren aus der Regionalliga West in die 3. Liga aufgestiegen war, auch im Tabellenkeller herum. Nach zwölf Spieltagen standen gerade einmal zwei Siege zu Buche. Doch spätestens zur Rückrunde zeigte die Fortuna ihr besseres Gesicht. Mit vier Siegen starteten die Rot-Weißen ins Pflichtspieljahr 2016. Manch einer träumte schon von der 2. Bundesliga. Immerhin liegt die Fortuna aktuell nur sieben Punkte hinter einem Aufstiegsplatz zurück und hat zehn Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsrang.

Uwe Koschinat, dürfen die Fortuna-Fans vom Aufstieg träumen?
Träumen darf man immer. Aber wir sind da realistisch und wissen, mit welchem Ziel wir in die Saison gegangen sind. Das war und ist der Klassenerhalt. Hierfür müssen wir noch einige Punkte holen. Wir standen in der Hinrunde lange unten und waren sogar Tabellenletzter. Da werden wir jetzt nicht anfangen zu spinnen.

Wie erklären Sie sich die positive Entwicklung der Mannschaft?
Wir haben zu Beginn der Saison einige böse Erlebnisse gehabt und Spiele mit 1:5 oder 0:3 verloren. Am Ende ist alles ein Lernprozess. Am Anfang haben wir viele Gegentore kassiert. Das ist nicht mehr der Fall. Insgesamt pflegen wir einen attraktiven Fußball. Das sieht man auch an unserer Torbilanz von 43:44 Treffern. Unsere Spiele sind nie langweilig. Wir spielen immer Hopp oder Top.

Gutes Stichwort: Trotz des attraktiven Fußballs kommen selten mehr als 1500 bis 2000 Fortuna-Fans ins Südstadion. Woran liegt das?
In Köln steht der FC über allem. Das war so und wird immer so bleiben. Es interessieren sich aber sehr viele Menschen für die Fortuna. Sie kommen aber nicht ins Stadion. Die Fans wollen auch Komfort haben. Solange wir im alten Südstadion spielen und keine moderne Arena mit überdachten Stehplätzen, Tribünen nahe des Spielfeldes erhalten, wird sich das auch nicht ändern. Bei den Sponsoren sehen wir schon, was bessere Bedingungen bringen. Wir haben ein VIP-Zelt aufgebaut, welches sehr von unseren Gönnern angenommen wird. Damit die Menschen ins Stadion kommen, muss man ihnen etwas bieten - abgesehen von sportlichen Argumenten. Aber es gibt auch Vorteile bei dem geringen aktiven Fan-Interesse.

Wie meinen Sie das?
Wenn es hier schlecht läuft, kann anders als bei vielen anderen Klubs in Ruhe weiter arbeiten. Hier bekommt nicht den Druck von außen so zu spüren als woanders. Die mediale Wahrnehmung ist auch geringer. Wir sind hier ein familiärer Verein mit wenigen Entscheidungsträgern. Hier gibt es Michael W. Schwetje als Kopf der Geschäftsführung und meine Person für den Sportlichen Bereich. Diese Struktur ist für mich eine Art Glück und Segen. Ich kann in Ruhe arbeiten und sportlich gesehen, alle Entscheidungen treffen. Es gibt keinen Sportdirektor, mit dem ich alles absprechen muss. Ich bin Trainer und Sportlicher Leiter in einem.

Was macht die 3. Liga für Fortuna Köln so reizvoll?
Die ganzen Ost-Klubs sind einfach nur phänomenal. Im Osten ist der Fußball förmlich greifbar. Da bestimmt ein Verein die ganze Stadt. Da herrscht eine Riesen-Euphorie. Sei es in Magdeburg, Dresden, Aue, Rostock, Halle oder Erfurt. Hier wird Fortuna Köln auch anders wahrgenommen als im Westen. Es macht einfach riesen Spaß vor 15.000 Zuschauern in Magdeburg, Rostock, Halle oder mindestens 20.000 Besuchern in Dresden zu spielen. Die 3. Liga ist durch die Ost-Klubs so attraktiv! Hier wird der Fußball richtig gelebt.

Ist für Fortuna Köln in den nächsten Jahren der Aufstieg in die 2. Bundesliga realistisch?
Das ist erst einmal nicht unser Ziel. Wir sind in diese Saison neben Sonnenhof Großaspach und Magdeburg mit dem kleinsten Etat in die Serie gegangen. Sollten wir den Klassenerhalt schaffen, wäre das ein Erfolg. Dann müssen wir in naher Zukunft es schaffen, uns zu konsolidieren. Wir können nicht von einer Person abhängig machen. Der Verein muss sich selbst tragen. Das alles hat Vorrang.

Sie haben bei der Fortuna einen Vertrag bis zum Sommer 2018. Was macht für Sie den Reiz dieser Arbeit aus?
Wie schon gesagt: Ich kann hier sportliche Entscheidungen selbst treffen und das ist ein großer Vorteil. Dieses Arbeiten möchte ich eigentlich nicht mehr missen. Ich bin bei den finalen Vertragsgesprächen mit den Spielern nicht mehr dabei, aber weiß vorher natürlich in welchem Korridor ich mich bewegen darf und kann. Das Traineramt mit dem des Sportlichen Leiters zu verbinden, macht mir große Freude und erfüllt mich. Mittlerweile sind wir mit der Familie in Köln heimisch geworden und auch hierher gezogen. Das alles hat nur Sinn gemacht, weil ich meinen Vertrag über einen größeren Zeitraum verlängert habe. Wir haben hier noch einiges vor. Ich freue mich auf die Zukunft mit der Fortuna.

Autor: Krystian Wozniak

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