RWE führt souverän die NRW-Liga an. Trotz des sportlichen Erfolgs bleiben viele Fragen offen. der Verein geht durch wirtschaftlich schwere Zeiten.

RWE: Zehn Fragen

Etat wird um 20 Prozent erhöht

Aaron Knopp
01. April 2011, 11:27 Uhr

RWE führt souverän die NRW-Liga an. Trotz des sportlichen Erfolgs bleiben viele Fragen offen. der Verein geht durch wirtschaftlich schwere Zeiten.

Zu den zehn wichtigsten Fragen gibt es hier alle Antworten.

Gelingt RWE auch der wirtschaftliche Aufstieg?

Noch drei Siege braucht Rot-Weiss Essen, um theoretische Restzweifel auszuräumen. Noch ein Remis drauf, um nicht aufs Torverhältnis angewiesen zu sein, dann darf Aufstieg gefeiert werden. Spätestens. Mögliche Patzer des abgeschlagenen Verfolgers Fortuna Köln sind in dieser Rechnung natürlich nicht berücksichtigt. Kurzum: Das Team von Waldemar Wrobel müsste schon Historisches bewerkstelligen, um diese Ausgangsposition noch zu verspielen. Nun befindet sich der Verein jedoch noch immer in einem laufenden Planinsolvenzverfahren. Nur ein scheinbarer Widerspruch. Bereits am 15. März hat der Verein die technisch-organisatorischen Lizenzunterlagen beim DFB eingereicht. Am Mittwoch lieferte der 1. Vorsitzende, Dr. Michael Welling, die wirtschaftlichen Unterlagen in Frankfurt ab.

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Der Verband prüft die Angaben ausschließlich darauf, ob der Verein finanziell in der Lage ist, die Regionalliga-Saison zu Ende zu spielen. Das Planinsolvenzverfahren hat darauf keinen Einfluss. Allerdings muss das Verfahren bis zum Beginn der kommenden Saison abgeschlossen sein. In den nächsten Tagen soll der Insolvenzverwalter den Insolvenzplan beim Essener Amtsgericht einreichen. Dann liegt es an der Gläubigerversammlung, dem Plan zuzustimmen, was als wahrscheinlich gilt. Anschließend könnte RWE schuldenfrei in die neue Saison starten. Aber eine schwarze Null bedeutet eben auch zunächst einmal kein Guthaben.

Wird der Etat in der Regionalliga trotzdem erhöht?

Ja. In der laufenden Saison hat der Verein einen Etat von 2 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe deckt jedoch die gesamten Kosten: Von der zweiten Mannschaft über die Jugendabteilung bis hin zum Waschpulver für die Reinigung der Trikots. Für die kommende Saison erhöhen sich nicht nur Fahrtkosten oder Abgaben für die Berufsgenossenschaft. Auch die Mannschaft soll punktuell verstärkt werden. Der Etat wird daher um etwa 20 Prozent erhöht. Mehr gibt es nur für den Fall, dass zusätzliche Sponsorengelder fließen.

Bleibt die Mannschaft zusammen?

Das Grundgerüst steht bereits, obwohl der Großteil zunächst nur einen Vertrag für die laufende Saison unterzeichnet hatte. Einige Leistungsträger haben ihr Arbeitspapier bereits verlängert, weitere werden folgen. Kapitän Timo Brauer ist mit genügend Talent gesegnet, um es höherklassig zu versuchen. Dank des Aufstiegs wird er Rot-Weiss Essen aber mindestens noch eine weitere Saison die Treue halten. Schwer wird es für eine Reihe von Ergänzungsspielern, die kaum zum Zuge gekommen sind. Reservisten wie etwa Christopher Bartsch, Julian Stöhr, Tim Wiederhold oder Victor Huschka werden in der Regionalliga noch seltener zum Zug kommen. Daher wird es auch einige Abgänge zu verzeichnen geben.

Wer kommt dazu?

Kasse statt Klasse hat sich als Erfolgsrezept bewährt und soll auch vor den anstehenden Verhandlungen die Direktive sein. Eckpfeiler wie Alexander Thamm, Dennis Lamczyk und Timo Brauer bildeteten die Eckpfeiler der Mannschaft und erfüllten die Erwartungen zu 100 Prozent. Umsichtig sollen wenige gezielte Zugänge verpflichtet werden, um die Qualität in der Breite zu erhöhen und nach dem Leuchtturmprinzip auch die Qualität ihrer Mannschaft verbessern. Bedarf besteht auf mehreren Positionen. In der Offensive verteilte die Mannschaft die Last des Toreschießens auf mehrere Schultern. Erfolgreichster Torschütze ist mit Brauer jedoch ein Mittelfeldrecke. Sieben seiner neun Saisontore erzielte der Kapitän aber vom Elfmeterpunkt. Bislang ging es auch ohne echten Goalgetter. Ein spielstarker Stürmer, der für 10 bis 15 Tore gut ist und als Gegenpart zu den kantigen Wandstürmern Lukas Lenz und Benedikt Koep fungiert, würde den Essenern gut zu Gesicht stehen. Dahinter dürften Back-ups für die Rechts- und Innenverteidigerposition oben auf der Prioritätenliste stehen. Alternativen für die Außenbahnen und das zentrale Mittelfeld könnten den Konkurrenzkampf beleben. Auf der Torwartposition dürfte sich nichts ändern.

Wird nun wieder das Vollprofitum eingeführt?

Nein. Ein Großteil der Spieler absolviert neben dem Fußball eine Ausbildung oder ein Studium. Der Verein hat den Spielern zugesichert, dies auch in Zukunft zu fördern. Der sportliche Erfolg soll der Ausbildung nicht im Weg stehen. Schon jetzt bittet Wrobel fünfmal in der Woche zum Training. Eine weitere Einheit ließe sich problemlos in den Wochenplan integrieren. Zum Vergleich: Selbst der designierte Deutsche Meister Borussia Dortmund absolviert nicht mehr als sechs bis sieben Einheiten. Wrobel, der hauptberuflich als Ausbilder bei der Polizei tätig ist, kann auf der Arbeit kürzer treten.
RWE bleibt Tabellenführer
zurück

Wie lautet das Saisonziel in der Regionalliga?

Offiziell geht es nur um den Klassenerhalt, auch wenn der Verein mit einem soliden Mittelfeldplatz liebäugelt, um sich schnellstmöglich eventueller Abstiegssorgen zu entledigen. Um Druck von der Mannschaft zu nehmen und dem neuen Vereinsimage zu entsprechen, wird mit Sicherheit kein Vereinsvertreter eine offensive Kampfansage verlautbaren.

Ist der Klassenerhalt realistisch?

Uneingeschränkt ja. Die NRW-Liga läuft in der kommenden Saison aus. Profiteur könnten die Regionalligisten werden, da durch die Ligenreform möglicherweise kein sportlicher Absteiger ermittelt wird. Vor diesem Hintergrund könnte sich die Mannschaft ohne Druck entwickeln. Doch auch ohne Freilos sollte der Mannschaft der Klassenerhalt gelingen. Spieler wie Thamm, Lamczyk, Brauer oder Holger Lemke haben schon bewiesen, dass sie dieser Klasse gewachsen sind. Zudem ist der Großteil der Spieler mit seiner Entwicklung noch nicht am Ende und hat noch Luft nach oben. Da die Sportliche Leitung bei den anstehenden Verpflichtungen jedoch auch vorwiegend auf junge Spieler setzten will, wird RWE allerdings Zeit benötigen, um sich zu akklimatisieren.

Wann kommt das neue Stadion?

Die Vorarbeiten sind erledigt, die Baustraße und alle Leitungen sind gelegt. Nun beginnen die eigentlichen Bauarbeiten für die neue Arena. Die Saison 2012/13 soll der Verein in der neuen Spielstätte beginnen. Anschließend wird das Georg-Melches-Stadion abgerissen und die letzte Tribüne errichtet.

Mit wie vielen Zuschauern rechnet der Verein?

2500 Fans hat RWE für diese Saison veranschlagt, 6690 kamen im Schnitt zu den zwölf Heimspielen. Zum Vergleich: Preußen Münster, Spitzenreiter und Zuschauerkrösus der Regionalliga, begrüßt durchschnittlich 4217 Fans. Allerdings wird es schwer, diesen Zuspruch in der Regionalliga zu halten. In der Vorsaison kamen etwa nur 5956 Zuschauer ins Georg-Melches-Stadion. Zum einen fallen attraktive Gegner weg - allein das Derby gegen den ETB sahen 12519 Menschen - zudem ist Aufstieg attraktiver als Mittelfeld. Dennoch hat die Mannschaft großen Kredit bei den Anhängern und den harten Kern, der in der NRW-Liga auch auswärts stets mitreiste, noch enger zusammengeschweißt. Den aktuellen Schnitt beizubehalten, ist dennoch ein ambitioniertes Vorhaben. Kalkulieren wird der Verein ohnehin wieder bewusst vorsichtig.

Wann kann RWE wieder höherklassig Fuß fassen?

Es scheint tatsächlich, als sei die Zeit großspuriger Ambitionen vorbei. Die Insolvenz hat dem Verein zwangsläufig Bescheidenheit auferlegt. Auch in Zukunft ist Genügsamkeit Trumpf. RWE startet bei Null und es ist offenbar mehr als ein Lippenbekenntnis, künftig konservativ zu wirtschaften. Dennoch bleibt das schlummernde Potenzial. Das Stadion wird nun defitiniv gebaut und die vergleichsweise komfortable finanzielle Situation kommt potenziellen Sponsoren entgegen. Bis auf diesem fruchtbaren Boden wieder etwas heranwächst, müssen Fans und Verein jedoch Geduld beweisen und mit Sicherheit Rückschlage hinnehmen. Ob Anspruchsdenken oder bloß heimlich gehegter Traum: Die Rückkehr in den Profifußball kann in den nächsten Jahren nur das Ziel sein. RWE hat die Chance, zumindest in die 3. Liga zurückzukehren. Dazu bedarf es jedoch eines langen Atems.

Autor: Aaron Knopp

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