Weltmeisterschaft

1:2 gegen Schweden - Doppeltes Aus für DFB-Frauen

Björn Goldmann
29. Juni 2019, 20:49 Uhr
Foto: dpa

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Für das deutsche Team ist nach dem 1:2 gegen Schweden die Weltmeisterschaft in Frankreich beendet. Mannschaft verpasst auch Olympiaqualifikation.

Sie blickten ungläubig zur Anzeigetafel, als könnten sie es selbst kaum fassen. Deutschland 1, Schweden 2 stand dort. Sie trösteten sich gegenseitig, lagen sich enttäuscht in den Armen. Die Blicke leer, die Körpersprache zeigte pure Enttäuschung. Die deutschen Fußballerinnen sind im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich gescheitert. Statt am Mittwoch im Halbfinale in Lyon gegen die Niederlande zu spielen, wird das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nun zurück nach Deutschland fliegen. Die WM ist vorbei, und auch der Traum von Olympia ist futsch. Mit dem Halbfinaleinzug wäre die Qualifikation für die Sommerspiele in Tokio geschafft gewesen. Nur die drei besten europäischen Teams der WM erhalten kommendes Jahr die Starterlaubnis. Gespielt wird also ohne den Titelverteidiger.

Auch Einsatz von Dzsenifer Marozsan half nicht

Knapp zwei Stunden zuvor: Kurz vor dem Spiel hatte auch das große Rätseln ein Ende. Fast eine komplette Woche lang konnte sich das deutsche Team in Rennes auf die Partie vorbereiten, fast eine Woche lang lautete die Frage, ob Dzsenifer Marozsan spielen würde. Jene 27-jährige Regisseurin des deutschen Spiels, die den Auftaktsieg gegen China im selben Stadion vor drei Wochen mit einem gebrochenen Zeh bezahlt hatte. Doch die Antwort lieferte die Vorabmeldung der Startaufstellung: Marozsan war nicht dabei, sie blieb zunächst als Joker auf der Bank. Im Vergleich zum Achtelfinale gegen Nigeria gab es aber zwei Veränderungen: Die Mittelfeldspielerinnen Melanie Leupolz und Verena Schweers standen nicht in der Startelf, dafür Carolin Simon und erstmals die Dinslakenerin Linda Dallmann von der SGS Essen. Gespielt wurde im 4-2-3-1-System, bei dem Kapitänin Alexandra Popp statt als Sturmspitze diesmal langfristig im defensiven Mittelfeld eingesetzt wurde.

Eine Hitzeschlacht

Weit über 30 Grad herrschten auch in den Abendstunden noch auf dem Rasen des Stadions in der Bretagne, aber das deutsche Team startete cool. Die quirlige Linda Dallmann riss mit ihrer Schnelligkeit und Passsicherheit Lücken, gleich mehrfach war sie an guten Kombinationen beteiligt. Die erste wirkliche Chance gab es in der sechsten Minute, doch der Freistoß von Lina Magull war leichte Beute für Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl. Dennoch: Das deutsche Team war motivierter, präsenter. Schwedens erste Chance war ein Konter durch Sofia Jakobsson, den Deutschlands Torhüterin Almuth Schult mit dem linken Fuß noch entschärfen konnte (13.). Dann aber feierte das Team von Martina Voss-Tecklenburg: Fehlpass im schwedischen Strafraum, Sara Däbritz leitete den Ball geistesgegenwärtig auf Lina Magull, die die Kugel formschön per Seitfallzieher einnetzte. 1:0 in der 16. Minute.

Kurz darauf hätte Lea Schüller mit einem Kopfball gar erhöhen können (19.), doch es kam, wie es im Fußball nun mal so kommt, wenn die Chancen nicht genutzt werden: Konter der Schwedinnen durch einen Befreiungsschlag von Linda Sembrant, der Ball flog über Deutschlands Abwehrchefin Marina Hegering hinweg vor die Füße von Sofia Jakobsson, die sich nicht lumpen ließ. Almuth Schult brachten noch einen Fuß an den Ball, doch konnte sie den Ausgleich nicht verhindern (22.). Es war ihr erstes Gegentor in diesem Turnier.

Bundestrainerin reagiert

Es musste etwas passieren, und die Bundestrainerin reagierte. Zu Beginn der zweiten Halbzeit kam Dzsenifer Marozsan. Und nur eine Minute später führte Schweden 2:1. Es war nicht der Fehler der gerade eingewechselten Starspielerin, das nicht. Die Schwedinnen hatten sich aber sofort zum deutschen Tor gearbeitet, den Kopfball von Fidolina Rolfo faustete Schult noch weg, doch landete der Ball genau vor den Füßen von Stina Blackstenius. Frühe Ernüchterung im zweiten Durchgang, die man dem deutschen Spiel auch in den Folgeminuten anmerkte. Die Kombinationen verpufften, das deutsche Team kam kaum zu nennenswerten Chancen. Lena Oberdorf, das 17-jährige Wunderkind, kam für Lea Schüller (70.). letzte Versuche der Bundestrainerin, dieser Partie neue Impulse zu verleihen. Es brachte nichts, zu ideenlos agierte das deutsche Team in den letzten Minuten dieser kräftezehrenden Hitzeschlacht vor 25.301 Zuschauern, Schweden hätte gar noch erhöhen können. Schlusspfiff, Enttäuschung. Die WM ist für Deutschland beendet.

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30.06.2019 - 13:15 - hoelwil

Leider ist Frau Voss-Tecklenburg taktisch eine Anfängerin.Popp muss vorne drin bleiben um Bälle auf Schüller zu verlängern und die Abseitslinie hoch zu halten.So konnte Fischer weit aufrücken und die Spielräume für die Deutschen Frauen eng gestalten. Das war schon der KO fürs deutsche Spiel. Maroszan darfst du dann nie bringen, sondern nur jemand der Topfit ist. Jetzt sind die Damen erst mal 4 Jahre "out of order". Die Leistungen gegen China und Spanien waren schon schlecht , so das auch für die nächsten jahre nicht viel Hoffnung besteht.

30.06.2019 - 11:49 - F.C.Knüppeldick

@ RWE 1

Hrubesch wollte glaube ich aufhören

@ UNVEU

Sehe ich auch so.Da fehlen auch richtig starke Spielerinnen-Persönlichkeiten.Eine Frau Maroszan war bei der EM in Holland schon schlecht und auch keine Führungspersönlichkeit gewesen.Wenn ich dann schon höre-gibt die Binde ab.Bin ich ein Typ und ein Anführer-oder bin ich es nicht ? Ich will nicht klugscheißen-aber ich wußte es schon vorher.Die Sache mit dem Zehenbruch-so was geht nie gut bei einem Turnier,wenn man dann reinkommt,wenn die Felle davonschwimmen.Ich hätte sie auch nicht mehr eingesetzt.Ihre Leistung war auch dementsprechend.Und Gwinn und Bühl sind einfach noch zu grün für die N11.Man muß es nüchtern betrachten-die Frauennationalelf gehört nicht mehr zur Weltspitze!!!

30.06.2019 - 10:55 - RWE1

Es ist sehr traurig wieviel beklopte Postenjäger wie Grindel es im DFB gibt. Warum hat Herr Hrubesch die Mannschaft nicht bis in WM geführt. Der hatte diese Mannschaft nach dem Jones-Debakel wieder in die Erfolgsspur gebracht. Nun sind wir mindestens 4 Jahre hinter der Weltspitze.

30.06.2019 - 08:09 - UNVEU

Im Spielaufbau zu behäbig - zu viele Passfehler - keine überraschenden Ideen nach vorne - irgendwie total leicht aus zu rechnen und dementsprechend sehr harmlos - seid dem Ende von Silvia Neid als National Trainerin kein erkennbares System mehr - leider auch keine Spielerinnen wie eine Birgit Prinz vor der sich alle Gegner gefürchtet haben

30.06.2019 - 00:21 - F.C.Knüppeldick

Ich hab mir alle Spiele mal angeschaut und muß,Sorry sagen,dass ich weder eine Hierachie in der Mannschaft noch ein System erkannt habe.Das war vieles auf Zufall ausgelegt.Die Spiele gegen China und Spanien hätte man auch verlieren können.Nigeria im Achtelfinale war ein unterirdischer Gegner.Andere Nationen wie England,die mir sehr gut gefallen haben,haben uns überholt.Auch gegen Frankreich und gegen die USA wäre Feierabend gewesen.Vielleicht wäre man gegen Holland weiter gekommen,die teilweise auch total unterirdiisch gespielt haben und auch keine Bindung im Spiel hatten,die haben aber eine Hierachie und Spielerinnen drin,die manchmal ihre Klasse aufblitzen lassen-auch das kann dann noch reichen.Außerdem hat Oranje die besten Fans der Welt und die 3 besten Trompetenspieler.Das hat was-die sind Weltklasse!!!