Kommentar

Warum ein Schalke-Abschied keinen Sinn macht

Thomas Tartemann
22. Januar 2019, 12:50 Uhr

Foto: firo

Ralf Fährmann wurde von Alexander Nübel zunächst verdrängt. Dennoch sollte er sich dem Konkurrenzkampf bei Schalke 04 stellen. Ein Kommentar.

Ob Ralf Fährmann in den Tagen nach der Entscheidung, dass er bei Fußball-Bundesligist Schalke 04 nicht mehr die Nummer eins ist, gut schlafen konnte, ist nicht überliefert. Dass die Situation am ehrgeizigen Fährmann brutal nagt, versteht sich allerdings von selbst. Langjährige Weggefährten beschreiben den Schlussmann als besessen, trainingsfleißig, enorm fokussiert. Fährmann, der in Chemnitz aufwuchs und als 14-Jähriger in die Schalker Knappenschmiede wechselte, hat sich seinen Status bei den Königsblauen über Jahre mühsam erarbeitet. Fährmann lebt Schalke 04, in seinen Adern fließt königsblaues Blut.

Abneigung gegen Borussia Dortmund

Er macht aus seiner Abneigung gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund keinen Hehl. Auch deswegen ist er beim Großteil der Schalker Fans äußerst beliebt. Und er ist der Letzte, der es aus der alten Talent-Riege um Benedikt Höwedes und Co. nach oben gepackt hat und heute noch stolz das Schalke-Logo auf der Brust trägt. Weil er auf Schalke nicht an Manuel Neuer vorbeikam, wechselte er 2009 zu Eintracht Frankfurt und ließ sich extra eine Rückkehr-Klausel einbauen. 2011 war Fährmann wieder zurück.


Doch dann gibt es noch den anderen Fährmann. Den Torwart, der seine Abschläge mit großem Streueffekt über das Spielfeld verteilt. Den Schlussmann, der wie beim 3:1 in Stuttgart völlig unkontrolliert den Ball in die Füße eines Gegenspielers passt. Und den Keeper, der beim Testspiel gegen den belgischen Erstligisten KRC Genk erneut einen Ball vertändelte.

Fährmann hat die Argumente, warum ihn Trainer Tedesco zum Rückrundenstart gegen Wolfsburg auf die Bank gesetzt hat, selbst geliefert. Er ist nicht alleine schuld, warum es bei Schalke 04 in der Hinrunde so schlecht gelaufen ist. Fährmann ist ein kleiner Mosaikstein im großen Ganzen, das die Sportliche Leitung analysiert hat.

Nübel gehört sowieso die Zukunft

Für den 30 Jahre alten Kapitän ist die Situation jetzt komplett ungewohnt. Das letzte Mal saß Fährmann vor vier Jahren draußen. Allerdings auf der Tribüne. Eine Kreuzbandverletzung kostete ihn neun Spiele. Damals spielte Fabian Giefer für ihn, dem Riesen-Talent nachgesagt wurde. Jetzt ist Fährmann fit und sieht von der Bank aus, wie der junge Konkurrent Alexander Nübel im Tor steht. Dem U-21-Nationaltorwart soll auf Schalke sowieso irgendwann mal die Zukunft gehören.


Dass Ralf Fährmann jetzt kampflos aufgibt und seine Zelte bei seiner großen Liebe Schalke überhastet abbricht, entspricht nicht seinem Naturell. Zum einen verlässt ein König nur im äußersten Notfall sein Reich. Zum anderen: Wo soll er hin? Der Torwartmarkt ist ohnehin eng. Und im Winter noch viel enger. Fährmann bleibt nur eine Chance: Hervorragend zu trainieren, Nübel zu pushen und gleichzeitig unter Druck zu setzen, sich als Teamplayer zu beweisen und darauf zu hoffen, dass seine Chance wiederkommt. 

Autor: Thomas Tartemann

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23.01.2019 - 00:00 - Alles für Schalke

Mit 30 macht es keinen Sinn, an fußballersichen Fähigkeiten zu arbeiten. Das bekommt man da nicht mehr in den Griff. Ralle hat seine Stärken, Nübel auch. Wir haben zwei gute Torhüter und es muss sich nur mal einer verletzen (was keiner hofft) und dann sieht die welt wieder ganz anders aus.

Ralle, beiss Dich durch! Bleib notfalls auch als Nummer 2. Die Mannschaft und das Umfeld brauchen Dich!

22.01.2019 - 19:14 - Libuda63

Wenn man sich die ersten 18 Spielen ansieht, ohne Färbung, war das jetzt die Lösung aller Schalker Probleme, dass Fährmann nicht mehr die Nummer eins ist? Eins der größeren Probleme auf Schalke ist eher der, der Fährmann auf
die Bank gesetzt hat

22.01.2019 - 14:05 - yayabinx

Jetzt komm ich mit meiner These. Ich sage Fährmann gehört die Zukunft. Was ich bisher von Alex Nübel gesehen habe, ist der nicht lange auf Schalke die Nummer 1. Dann kommen die großen Vereine und wedeln mit den Geldscheinen. Und Ratzfatz ist der Fährmann wieder im Tor. Er muss aber dringend an seinen fußballerischen Defiziten arbeiten. Sonst kommt wieder einer aus der Knappenschmiede an ihm vorbei. Auf der Linie und in der Strafraumbeherrschung ist Fährmann erstklassig. Glückauf.