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So erklärt der SV Rödinghausen den Drittliga-Verzicht

Foto: Thorsten Tillmann

Das Portal "Liga-Drei.de" war es, dass am Dienstag um 13.56 Uhr eine Hammer-Meldung in die Welt setzte: Regionalliga-West-Spitzenreiter SV Rödinghausen verzichtet auf die Drittliga-Lizenz. Mittlerweile hat der Klub die Meldung und den Verzicht bestätigt.

"Ich bin froh, dass wir alle gemeinsam rechtzeitig zu einer Entscheidung gekommen sind, die dem SV Rödinghausen eine nachhaltige und gesunde Zukunft sichern wird. Wir haben die Anforderungen des DFB bis ins letzte Detail geprüft, gerechnet, diskutiert und sind zum Entschluss gekommen: Wir werden die Lizenz für Liga 3 nicht beantragen", erklärt Geschäftsführer Alexander Müller.

Müller war es, der eigentlich schon seit der vergangenen Saison für einen Antrag auf die Drittliga-Lizenz kämpfte und den SV Rödinghausen weiter professionalisieren wollte. Noch im Winter sagte er gegenüber RevierSport, dass ein Verkauf von Top-Torjäger Simon Engelmann nicht zur Debatte stehe, weil man doch seinen besten Mann nicht "verscherbeln" werde. "Wir brauchen Simon für den Aufstiegskampf", betonte Müller. Engelmann hatte nach unseren Informationen mehrere Angebote aus der 3. Liga vorliegen.

Nun rudert Müller zurück und versteht die Entscheidung des Vereins - zumindest offiziell. "Ich persönlich finde diese Entscheidung, auch wenn sie unglaublich schwer fällt, richtig und gut. So kann sich der Verein weiter entwickeln. Wir haben jetzt Raum, um gesund und nachhaltig weiter zu wachsen. Und darauf freue ich mich“, fasst Müller, der Geschäftsführer des SV Rödinghausen, in einem Statement auf der SVR-Homepage die finale Entscheidung zusammen.

Schock für Trainer und Mannschaft

Einfach war diese Entscheidung nicht, sagt Müller. Vor allem Trainer und Mannschaft als Herz des Vereins haben alles für Platz eins gegeben. Und im ersten Moment hat die neue Situation selbstverständlich alle geschmerzt, erklärt Müller: "Wir haben Enrico Maaßen und die Jungs am heutigen Donnerstag informiert. Meine Tür war und ist immer offen. Absolute Transparenz ist mir wichtig. Deshalb war die Enttäuschung zwar allgegenwärtig, aber was daraus folgte, das war erste Liga! Alle verstehen und akzeptieren diesen Schritt. Alle tragen das mit. Und wir sind uns sicher, dass wir eines Tages ganz andere Gespräche führen werden."

Die DFB-Auflagen zur Lizensierung sprechen eine recht klare Sprache. Platz für mindestens 10.001 Zuschauer, Rasenheizung, TV Studio, ein Stellplatz für die Übertragungswagen von mindestens 400 qm, großzügige Toilettenanlagen, neue Parkplätze, das sind nur einige der vielen Anforderungen. Ein Umbau des derzeitigen Stadions ist nicht möglich, die Realisation eines Neubaus – und nur durch einen solchen wären die Bedingungen langfristig zu erfüllen - ist weder wirtschaftlich noch nachhaltig.

"Der DFB stellt die Anforderungen für die 3. Liga bei sämtlichen Vereinen auf eine Stufe, egal, ob du jetzt in Duisburg, München oder Rödinghausen spielst. Die Heimspiele stattdessen in Bielefeld, Osnabrück oder Lotte auszutragen, ist für uns keine wirkliche Option, unsere Heimat ist hier in Rödinghausen und die Verbundenheit mit unserer Region und unseren Fans hier vor Ort ist uns sehr wichtig", erklärt Müller.

Trotz der Entscheidung will der SV Rödinghausen jetzt keinesfalls den Verein "dichtmachen" oder dergleichen. "Wir wollen jeden Spieler besser machen. Wir wollen fördern, so wie bisher auch. Unser Verein darf auch in Zukunft eine Art Qualitätszentrum für den Fußball sein. Wir wollen auch in Zukunft zu den Topmannschaften der Regionalliga zählen und uns möglichst für den DFB-Pokal qualifizieren", betont Müller.

Finkemeier-Familie uneinig

Nach RevierSport-Informationen war sich am Ende des Tages die Familie Finkemier, von der der SV Rödingahusen gesponsert wird, uneinig. Horst Finkemeier (80), ehemals Chef von Deutschlands zweitgrößtem Küchen-Hersteller „Häcker“ mit mehr als 1.500 Mitarbeitern und einem Umsatz in dreistelliger Millionen-Höhe, wollte sich nach Infos dieser Redaktion den Profitraum mit dem SV Rödinghausen erfüllen.

Doch sein Sohn Jochen, der seit wenigen Jahren die Geschäftsführung des Familien-Unternehmens übernommen hatte, ist zwar Fußball-Fan, aber teilt nicht die Meinung seines Vaters, den SV Rödinghausen unbedingt im Profifußball sehen zu müssen. Ihm, der als Zahlenmensch gilt, ist der Aufstieg in die 3. Liga schlichtweg nicht rentabel und (noch) zu teuer.

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