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RWO-Boss über Abschied und Viertliga-Probleme

10. Januar 2019, 14:47 Uhr

Foto: Christoph Wojtyczka

Beim Viertligisten Rot-Weiß Oberhausen wird der Vorstand im Sommer sein Amt niederlegen. Wir sprachen mit RWO-Präsident Hajo Sommers über die Nachfolge, die Zukunft der Regionalliga und die Probleme in Herkenrath, Wuppertal und Wattenscheid. 

Im Sommer wird der Vorstand mit Ihnen, Thorsten Binder und Herbert Jöring seine Arbeit beenden. Verspüren Sie schon etwas Wehmut?
Nein, bisher nicht. Wehmut kommt nicht auf, die Hektik ist so groß hier, da bleibt keine Zeit. 


Was macht denn die Suche nach einem neuen Vorstand?
Laut unserer Satzung müssen wir bis zum 1. März eine Nachfolge präsentieren. Ich bin guten Mutes, dass es Leute geben wird, die weitermachen werden. Derzeit sind wir auf der Suche nach Personen, die Lust haben, einen unglaublich geilen Viertligisten zu führen. 

In der Regionalliga gibt es aktuell große Probleme. Herkenrath, Wuppertal und Wattenscheid haben finanzielle Schwierigkeiten. Wie bewerten Sie das aus der Ferne?
Als 60-jähriger Ruhrgebietler bekomme ich erstmal Pipi in den Augen. Ich bin zu alt, um mich nicht daran erinnern zu können, dass Wuppertal und Wattenscheid mal großes Kino gespielt haben – wie wir übrigens auch. Damals, als Fußball noch Fußball war. Ich kann es nachvollziehen, dass die drei Vereine sich so verhalten wie sie es derzeit tun. Ich behaupte, dass bis auf zwei oder drei Vereine in der vierten Liga alle anderen auch nicht besser dastehen. Die Regionalliga liegt irgendwo zwischen dem Profi- und dem Amateurbereich. Wenn das so weiter geht, ist es der Tod der vierten Liga. 

Ein Risiko mit Maß muss man eingehen, um in dieser Liga ambitioniert spielen zu können, oder?
Ich behaupte, dass wir alle ein Risiko eingehen. Die Aufsteiger, die in der Liga bleiben wollen und die Teams, die oben mitspielen müssen, solange wie möglich, um für die Zuschauer überhaupt noch interessant zu sein. Unter normalen Bedingungen würden wir alle solch ein Risiko nicht eingehen. 

Also sprechen wir über ein generelles Strukturproblem der vierten Liga?
Ja, die Aufstiegsregelung, bei der man als Meister in eine Relegation muss, ist nur ein Teil des Problems. Das Problem ist doch das: Es gibt immer ein oder zwei Vereine, die gesund sind und ein Risiko eingehen können – ohne sich direkt selber von hinten zu erschießen. Für den Rest ist meistens in der Winterpause klar – das war es, es geht nur noch um die goldene Ananas. Wir haben aktuell das Glück, dass wir auf Platz drei sind und theoretisch noch eine Chance haben oben anzugreifen. Vermutlich wird sich das gleich im ersten Spiel gegen Viktoria Köln entscheiden, ob das weiter so sein wird.

Was bedeutet das im Klartext?
So geht es nicht. Wattenscheid hat schon länger Probleme. Jetzt Wuppertal. Vielleicht kann man in dieser Liga vier Jahre ambitioniert überleben. Aber irgendwann ist es gut. 


Wird es dann irgendwann ein abgestuftes Niveau geben, wo man viertklassig einen Boden findet?
Das wird nicht gehen, wenn ein Klub die Ambitionen hat aufzusteigen. Gleichzeitig gibt es Zweitvertretungen der Profiklubs – das sind Millionentruppen – die aufsteigen dürfen. Das geht einfach nicht. Diese Liga ist das Niemandsland zwischen Geld und kompletter Armut. 

Ab Sommer sind Sie nicht mehr in der Verantwortung. Was trauen Sie RWO unter den aktuellen Bedingungen zukünftig zu?
Wir haben zuletzt etwas abgespeckt. Der Etat der ersten Mannschaft ist in diesem Jahr geringer als in der letzten Spielzeit. Es wird immer wieder den Versuch geben, dauerhaft etwas aufzubauen, um oben anzuklopfen. Aber es ist frustrierend, wenn immer früh in einer Saison klar ist, es gibt nichts mehr zu holen. Es gibt auch keinen Trostpreis, wenn man Zweiter geworden ist, der dann die Leute noch ins Stadion lockt. 

Fazit: Es ist nicht einfach.
Es ist immer schwieriger geworden, es wird weiter schwieriger werden. Es gibt Ende Januar erneut eine Zusammenkunft zum Thema Zukunft des Amateurfußballs und der Regionalliga-Reform. Wir sind gespannt. Es ist doch so. Wird dort nichts für die vierte Liga geschafft, wie zum Beispiel ein irgendwie geartetes Bonbon für den Zweiten und Dritten, dann ist die Messe gelesen. Wir haben es letztes Jahr erlebt. Wir hatten die Stimmung hochgehalten durch die Pokalhoffnungen. Die finanzielle Situation, die man derzeit beim WSV oder in Wattenscheid erlebt, betrifft 80 Prozent der Liga. Die Klubs sind nicht pleite, aber alle kommen nur mit Hängen und Würgen durch. 
Autor: Christian Brausch 

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11.01.2019 - 15:25 - Jünther, Jötz und Jürgen

Hagemann! Kommst du wirklich aus Krefeld Uerdingen?

Wie lächerlich und peinlich sind dann deine Kommentare? Schreibst hier von liquiden und gewinnstrebenden Vereinen. Was schreibst du? Wo kämen wir dahin! ,, Das gehört zu den Grundregeln unseres Gesellschaftssystems.´´Wo kommt das Geld her, womit ihr euren Verein finanziert? Aus einem Land wo Grundrechte mit Füßen getreten werden - schöne Doppelmoral , aber wen interssierts. Du bist ganz großes Kino.

11.01.2019 - 11:12 - Jünther, Jötz und Jürgen

Das ist eben der Irrtum den viele begehen. Einen Fußballverein nur noch aus marktpolitschen Gesetzmäßigkeiten zu betrachten. In diesem Etat sind eben auch 100´000,00 für reine Jugendarbeit kalkuliert. Dies wird ein normaler Betrieb kaum aufbringen. Oder was ist mit dem Breitensaport in diesen Vereinen. Es ist wie es ist. Man sieht an diesen Aussagen und Einstellungen wie verquert die Denke einiger in Wirklichkeit ist.
Betriebswirtschaftliche Kriterien, fertig. So einfach ist die Sache nicht, um wieder auf Herrn Sommer zu kommen.
Seit Jahren gibt es eben Bestrebungen, die Profiabt. bzw. die 1. Mannschaften in eigene Gesellschaften auszulagern. Oder aber Anteilsmehrheiten am Verein zu erhalten. Bestes Beispiel :Hannover 96 mit Herrn Kind.
Dies spaltet die Fanlandschaft in 2 Parteien. Schöne Fußballwelt 2019.

Wir sind aber guter Dinge das die Emotion an Tradition und Verein es möglich macht, dass der Wuppertaler SV auch weiterhin besteht. Emotion, in welcher Spalte der Bilanz gehört dieser Begriff eigentlich?

Jetzt mal 15 Min darüber nachdeken, Viertelstunde? Schafft man locker.

11.01.2019 - 08:35 - Hagemeister

Wo kämen wir denn hin, wenn jedes Unternehmen das Marktsegment, in dem es sich bewegt, für eigene wirtschaftliche Schwierigkeiten verantwortlich machen kann ?
Es gibt doch genügend Fussballclubs, die mit Gewinn arbeiten oder die investieren und liquide bleiben.
Es tut mir leid, aber diejenigen, die nicht klarkommen und mehr ausgeben als sie einnehmen und zahlungsunfähig werden, gehören aussortiert. Das gehört zu den Grundregeln unseres Gesellschaftssystems.
Tradition hin oder her.

11.01.2019 - 06:42 - Ruppinho1954

Ich finde es richtig das der WSV nach Patz 3 in der letzten Saison nun versucht hat ganz oben mitzuspielen um der Regionalliga auf Nimmerwiedersehen zu sagen.
Die allermeisten Spieler wurden ja nicht umsonst mit 1jahres Verträgen ausgestattet.
Sekt oder Selters .
Jetzt gibt es leider Selters was viele Gründe hat.
Der WSV liegt mit einem Spiel weniger 15 Punkte hinter V.Köln.
Mindestens 12 Punkte wurden wirklich leichtfertig und völlig unnötig verdattelt.
Ich weiß nicht wie viele Spiele des WSV in die Woche verschoben wurden , das kostet selbstverständlich Zuschauer.
Dann die Querelen der Fans untereinander und die Geschichte mit den Ultras und den Stadionverboten.
Nicht wenige werden auch die warme Halle und den Erfolg des BHC vorgezogen haben.
Eines ist auch klar: Niemand interessiert sich für Mittelmäßigkeit und eine Saison ohne Ambitionen.
Was soll man dem Vorstand also großartig vorwerfen ?
Ärmel hoch krempeln , Mund abwischen und weitermachen.
Jede Krise ist auch eine Chance.
Es ist nicht schlimm hinzufallen , nur dann nicht mehr aufzustehen !

10.01.2019 - 22:39 - Jünther, Jötz und Jürgen

Sehr geehrter Herr Hagemeister,
wenn man sich intensiver mit der Regionalliga beschäftigen würde, sich mit jetzigen Gesetzmäßigkeiten im Fußball auskennt, würde die Aussagen von Herrn Sommer zu 100 % nachvollziehen.
Ihre Stellungnahme ,, Niemand wird gezwungen Geld auszugeben´´ will ich mal gleichsetzen mit ,, Niemand wird gezwungen einen Mord oder Selbstmord zu begehen´´ und ist nicht zielführend, die Probleme der Regionalliga bundesweit darzustellen.
Für Sponsoren, Fans und Investoren ist man nur interssant, wenn man Ambitionen hat. Ambitionen um um den Aufstieg zu spielen. Gehe ich in die Saison ohne diese , verlieren auch die Zuschauer nach einiger Zeit die Lust.
Das sind die Gesetzmäßigkeiten.
Die Rechnung des WSV hätte gut ausgehen können, selbst dann, wenn man den Platz an der Sonne heute nicht inne hätte. Dies wurde von Seiten des Vorstands bereits in aller Breite erörtert. Auch könnte ein Weiterkommen im Pokal die jetzige Situation verbessern. Nochmal, der Etat zu Beginn der Saison wurde nicht unrealistisch aufgebläht. Es hängt manchmal an wenigen Spielen in einer Saison - ob die Kalkulation ausgeht oder nicht.

10.01.2019 - 20:33 - Lokutus

@ Hagemeister

Genau darum gehts doch. Mit Hängen und Würgen wird die Liga finanziell gerade so überstanden. Wenn man ambitioniert sein WILL, muss man eben
ein kontrolliertes (gibts das ?) Risiko gehen oder ab der Winterpause ist Essig und die Zuschauer bleiben weg. Dann geht die Spirale nach unten. In der Momentanen Situation überlebt man in der Regio nur, nach oben streben ist nur möglich, wenn man einen "Scheich" hat oder die II. eines Bundesligisten ist. Und gerade diese Scheichs sind dem DFB auch wieder ein Dorn im Auge. Trotzdem sorgt er mit der derzeitigen Situation dafür, dass kein grösseres Interesse an der Regio aufkommen kann !

10.01.2019 - 17:54 - Hagemeister

mal schön den Ball flach halten, Herr Sommer.

kein Club wird gezwungen, mehr Geld auszugeben, als er einnimmt.

10.01.2019 - 17:48 - Red-lumpi

@ memax

@Frankyboy51: Haben sie dich schon angesprochen? Machst du es? Komm schon, Vorstand ist doch dein Ding!

Ich glaube, da wird sein Pfleger nicht mitspielen.....

10.01.2019 - 17:24 - memax

@Frankyboy51: Haben sie dich schon angesprochen? Machst du es? Komm schon, Vorstand ist doch dein Ding!

10.01.2019 - 16:44 - Jünther, Jötz und Jürgen

Hallo Herr Sommer,
wir sind drei Sportsfreunde des Regionalliga-Fußballs - 3. Liga geht auch noch. Gerade Sie haben in den vergangen
Jahrzehnten immer für klare Kante gesorgt, egal ob um den eigenen Verein ging, ob es um den Fußball an sich aber auch gesellschaftspolitisch. ns hätte mal intersssiert wie Sie ..... Fragen steht unten.
Ihnen wünschen wir alles Gute für die Zukunft.

10.01.2019 - 16:40 - Jünther, Jötz und Jürgen

Lieber Re4Sport.
Eine Frage hat uns gefehlt. Was hält Herr Sommer vom Modell KFC Uerdingen?
Ist das zukunftsweisend, beispielhaft auch für andere Vereine?