Bert van Marwijk hat die Anlaufschwierigkeiten bei Borussia Dortmund überwunden und kann sich nun sogar ein längerfristiges Engagement beim westfälischen Traditionsverein vorstellen.

Van Marwijk hat Glück beim BVB gefunden

12. Mai 2005, 12:51 Uhr

Bert van Marwijk hat die Anlaufschwierigkeiten bei Borussia Dortmund überwunden und kann sich nun sogar ein längerfristiges Engagement beim westfälischen Traditionsverein vorstellen.

In der Hinrunde stand Bert van Marwijk als Trainer von Borussia Dortmund unter Dauerbeschuss, in der Rückrunde führte der Niederländer die "Schwarz-Gelben" bis in den UI-Cup. Auch persönlich hat "BvM" nun augenscheinlich sein Glück beim zuletzt krisengeschüttelten BVB gefunden und kann sich sogar vorstellen, über das Jahr 2006 hinaus in Dunstkreis des Westfalenstadions zu arbeiten. Unmittelbar nach der Saison sollen Gespräche über die Zukunft des Trainers beim sechsmaligen deutschen Meister geführt werden.

"Borussia ist ein Verein, bei dem ich jeden Tag mit Freude arbeite, auch in schlechten Zeiten", sagte der 52-Jährige in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). Van Marwijk verweist dabei auf seine bisherigen Trainerstationen. "Ich war vier Jahre bei Feyenoord und damit der Trainer, der am längsten in Rotterdam war. In Sittard war ich drei Jahre, da wollten sie mich gerne noch fünf weitere Jahre behalten", berichtete der BVB-Coach und ergänzte: "Wenn ich das Gefühl hätte, ich würde die Mannschaft nicht mehr erreichen, es passt nicht, oder vom Vorstand kommt jemand zum Trainingsplatz und sagt "Das ist nicht gut, was du da machst", dann steige ich in mein Auto und fahr nach Hause. So einfach ist das."

Werden jede Sekunde an das Derby erinnert

Doch davon ist der von den Fans gefeierte van Marwijk derzeit weit entfernt. Der "Idealist und Realist" bereitet seine seit sieben Spielen unbesiegte Mannschaft auf die beiden letzten Saison-Begegnungen vor und freut sich auf das Derby am Samstag bei Schalke 04. "Wir werden jede Sekunde des Tages daran erinnert. Das ist etwas ganz Besonderes und hat nichts mit der Tabelle zu tun. Es ist jetzt ein Zufall, dass Schalke die Punkte ganz dringend benötigt und wir sie auch noch gebrauchen können. Das ist das Schöne an diesem Spiel", meinte van Marwijk.

49 Punkte - davon 31 seit der Winterpause - hat die Borussia nach einigen Startproblemen in der Hinrunde mit zahlreichen Verletzungen und den Turbulenzen um die drohende Insolvenz geholt. Doch inzwischen ist Ruhe beim BVB eingekehrt, "der Verein hat wieder Struktur, das gibt ein positives Gefühl für die Leute im und um den Verein", zudem "haben wir auch eine ganz andere Austrahlung bekommen". Van Marwijk: "Keiner schreit oder schreibt mehr "Scheiß Millionäre". Jetzt spielt eine Mannschaft mit jungen Spielern, darunter viele deutsche aus dem eigenen Nachwuchs, erfrischend auf."

Für die neue Saison wurden bereits der Schweizer Nationalspieler Philipp Degen, Ebi Smolarek, Delron Buckley und Torhüter Bernd Meier verpflichtet, acht Spieler werden definitiv den Verein verlassen. Auf die Frage, welche Ziele mit dem runderneuerten Kader in der kommenden Saison anvisiert werden können, antwortete van Marwijk: "Wer mich kennt, der weiß, es ist ein hohes Ziel. Aber darüber reden wir in der Kabine. In der Öffentlichkeit muss man den Druck ein bisschen wegnehmen. Die Mannschaft ist noch so jung, man kann nicht mehr erwarten als dieses Jahr. Man muss realistisch bleiben."

UI-Cup als Chance - "Ist alles Kopfsache"

Die Chancen im UI-Cup - sollte bei vier Punkten Rückstand auf Platz sechs nicht doch noch der überraschende Sprung in den UEFA-Cup gelingen - sieht der Dortmunder Coach nicht so schlecht wie im vergangenen Jahr, als man gleich am RC Genk scheiterte. "Es ist auch eine Sache des Kopfes. Wenn man das ganze Jahr Fünfter oder Sechster war und landet dann nur im UI-Cup, ist das schlechter, als wenn man diesen Wettbewerb erreicht und das als Belohnung empfindet."

Derzeit müsste der BVB als Tabellenachter bereits in der zweiten Runde in den Wettbewerb einsteigen. Deshalb ist Platz sieben und der Start in Runde drei das realistische Ziel beim Saisonfinale am 21. Mai. Für die Schwarz-Gelben geht es folglich in Schalke unter anderem um einen zehn Tage längeren Sommerurlaub. Dazu van Marwijk: "Ich hoffe, dass alle Spieler vier Wochen Urlaub machen können, und dass wir alle mit frischer Kraft anfangen können, dann sehe ich zuversichtlich dem UI-Cup entgegen."

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