Fatihspor, Osmanlispor, Sarajewo Bosna oder Club Futebol St. Antonio - in Dortmund sind solche Namen seit Jahrzehnten so selbstverständlich wie bereichernd.

Kultureller Hintergrund

Nach der Euphorie folgt der Sturz

Felix Guth
17. Januar 2008, 14:00 Uhr

Fatihspor, Osmanlispor, Sarajewo Bosna oder Club Futebol St. Antonio - in Dortmund sind solche Namen seit Jahrzehnten so selbstverständlich wie bereichernd.

Rund ein Drittel der über 60 Klubs in der größten Stadt Westfalens wurden vor dem Hintergrund einer anderen Herkunftskultur gegründet. Türkei, Bosnien, Marokko, Portugal – Dortmunds Fußball ist international wie das gesamte Ruhrgebiet. Sportlich läuft es allerdings alles andere als rund.

Denn betrachtet man die aktuelle Situation rein sportlich, ist es um die deutschen Vereine mit den besonderen Namen nicht gut bestellt. In Dortmund spielt kein Verein oberhalb der Kreisliga. Revierweit ist die Bezirksliga zumeist Endstation. In der Region ist Niederrhein-Landesligist Galatasaray Mülheim der einzige erfolgreiche „Leuchtturm“.

Bei vielen Vereinen stand vor dem Absturz die Euphorie. Denn auch in Dortmund gab es diese „Leuchttürme“. Den SC Fatihspor zum Beispiel, Ende der Neunziger Jahre sogar kurz in der Landesliga zu Gast, oder die Bezirksligisten SC Osmanlispor und Sportunion. „Aber eine kontinuierliche Entwicklung hat kaum ein Verein hinbekommen“, sagt Jürgen Grondziewski, Vorsitzender des Fußballkreis Dortmund.

Der SC Osmanlispor aus dem Stadtteil Mengede steckt mitten in dieser schwierigen Phase. Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga droht der Klub in die Kreisliga B durchgereicht zu werden. „Als wir damals in die Bezirksliga gekommen sind, hatten wir einen guten Kader“, berichtet Aslan Güler, der nach acht Jahren als erster Vorsitzender sein Amt Ende Januar niederlegen wird. „Aber dann wurden für unsere besten Spieler Summen geboten, bei denen wir nicht mithalten konnten.“ Mit Dieter Anders soll ein neuer Trainer den Abstieg verhindern. Von einem „tiefen Fall“ will Aslan Güler nichts wissen. „Das Potenzial ist da und der Verein ist gut aufgestellt“, sagt er. Davon kann beim SC Fatihspor und Sportunion nicht die Rede sein: Weit entfernt von ihren Glanzzeiten stehen sie zur Winterpause im Kreisliga-B-Mittelfeld.

„In Dortmund gibt es so viele gute türkische Fußballer, die sich aber in zehn Vereine aufteilen. Man ist nicht in der Lage, das vielleicht mal in einem großen Klub zu bündeln“, sagt Aslan Güler. Der Kreisvorsitzende Jürgen Grondziewski zweifelt am Sinn einer solchen Sammel-Fusion: „Ich weiß nicht, ob das etwas bewegen könnte. Es würden wieder Nachfolgevereine entstehen, die den Groß-Klub wieder klein machen.“

Fehlende Sponsorengelder sind ein weiteres Hindernis auf dem Weg nach oben. „Viele Große gibt es nicht. Und deutsche Unternehmen braucht man gar nicht anzusprechen“, sagt Güler. Für ihn ein weiteres Argument pro türkischer Einheitsverein. "Aber jeder möchte in seiner gewohnten Umgebung bleiben."

Unabhängig vom sportlichen Erfolg besitzen ausländische Sportvereine wie Osmanlispor für Aslan Güler einen unverzichtbaren pädagogischen Wert. „Wir holen die Jugend von der Straße. Bei uns gibt es keinen Alkohol und keine Zockerei.“ Zugleich entstehen im ganzen Stadtgebiet immer wieder neue Vereine. Erst im Sommer meldeten sich Balikesirspor und Yamanspor neu im Spielbetrieb an. Türkspor Dortmund hat verbandsweit als einziger türkischer Klub eine Damen-Mannschaft.

Dort, wo Schwierigkeiten mit rechtlichen Regelungen oder aber auch der Disziplin auf dem Sportplatz entstehen, ist der Kreis gefragt. „Wir versuchen im Vorfeld viele Probleme zu verhindern, indem wir mit den Vorständen reden“, sagt Grondziewski. Er appelliert aber auch an die Vereine, die Angebote des Verbands besser anzunehmen. „Es ist ärgerlich, wie viele Vereine nicht erscheinen, wenn wir unsere regelmäßigen Regionaltagungen durchführen“, sagt er.

Von ausländerfeindlichen Vorurteilen bleiben die Vereine im Alltag leider nicht verschont. "Es gibt immer Bekloppte", meint Aslan Güler. Da sei es bei allem guten Zureden für die Spieler häufig schwierig, ruhig zu bleiben. "Ein Deutscher hört vielleicht weg, wenn jemand etwas über seine Mutter sagt, ein Türke aber nicht."

Autor: Felix Guth

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