Der KFC Uerdingen hat sich mit Andre Pawlak einen echten Aufstiegsexperten ans Land gezogen.

KFC unter Pawlak

Ruhe und Kontinuität statt große Sprüche

Krystian Wozniak
25. Mai 2016, 11:37 Uhr
Foto: Deutzmann

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Der KFC Uerdingen hat sich mit Andre Pawlak einen echten Aufstiegsexperten ans Land gezogen.

Der 45-Jährige, der schon mit der SG Wattenscheid 09 und SSVg Velbert in die Regionalliga aufstieg, hat den Krefeldern nach reiflicher Überlegung den Zuschlag gegeben und einen Einjahresvertrag (plus Option im Aufstiegsfall) unterschrieben. An Pawlak war nach Informationen dieser Redaktion auch der Regionalligist Rot Weiss Ahlen dran. Warum sich der Familienvater und Lehrer für den KFC entschied und was es unter seiner Führung in Uerdingen nicht mehr geben wird, erklärt er im großen RevierSport-Interview.

Andre Pawlak, irgendwie passt die Konstellation Pawlak und Uerdingen nicht zusammen. Sie sind ein seriöser Arbeiter und der KFC war in den letzten Jahren immer ein zuverlässiger Klub für Negativ-Schlagzeilen. Hatten Sie keine Bauchschmerzen, dieses Angebot anzunehmen?
Als die Anfrage des KFC Uerdingen erfolgte, habe ich mich geehrt gefühlt. Das ist ein großer Traditionsklub. Klar ist aber auch, dass ich auch mitbekommen habe, wie es in den letzten Jahren beim KFC abging. Es war für meine Trainerkollegen kein sicherer Job. Ich habe mir das reiflich überlegt. Die Gespräche mit Nikolas Weinhart, Mikhail Ponomarev und Andreas Galland dauerten insgesamt auch drei Wochen. Als sehr angenehm empfand ich, dass es in den Unterhaltungen nicht ums Geld ging. Das haben wir zum Schluss geklärt. Ich habe einen guten Beruf als Lehrer und werde diesen auch weiterhin ausüben. Ich bin auf das Gehalt vom KFC nicht angewiesen. Deshalb habe ich andere Dinge in den Vordergrund gestellt. Diese wurden mit letztendlich zugesichert und so erhielt der Verein auch meinen Zuschlag.

Es wird ein Prämiensystem geben, auf welches ich Einfluss habe. Wenn wir erfolgreich sind, dann kann man auch etwas Geld verdienen. Nur so kann es gehen - vor allem in der Oberliga
Andre Pawlak

Um welche Dinge ging es in den Gesprächen?
Wir haben uns über viele Dinge unterhalten. Priorität hatte die Philosophie, die geplante Ausrichtung des Vereins. Und da decken sich unsere Gedanken. Ich war noch nie als großer Sprücheklopfer bekannt. Ich arbeite gerne kontinuierlich und in einem ruhigen Umfeld. Es soll ein langfristiges Projekt sein. Hier ist vieles möglich. Der Verein hat schon zum Teil sehr gute Strukturen. Darauf muss man aufbauen.

Ich kann nur sagen, dass ich noch nicht mit Herrn Lakis gesprochen habe. Ich würde ihn aber gerne mal kennenlernen
Andre Pawlak

Das Stadion ist marode und die Mannschaft hinter der Mannschaft steht auch noch nicht. Da gibt es noch einige Dinge zu tun...
Definitiv. Wir haben ein legendäres Stadion, welches seinen Charme hat. Wir werden jetzt in den Katakomben mal etwas streichen. Der alte Presseraum wird im Sommer zu einem Freizeitraum umgebaut. Damit die Spieler sich in den freien Stunden mal am Kicker oder an der Dartscheibe beschäftigen können. Solche Dinge sind mir auch sehr wichtig. Man braucht einen Raum zum Rückzug. Aber natürlich haben wir noch viel Arbeit vor uns. Wir haben beispielsweise noch keinen Physiotherapeuten, denn Christian Andre wird uns wohl verlassen. Das sind Sachen, die geklärt werden müssen. Ich freue mich, dass Markus Braasch mir auch in Uerdingen als Co-Trainer zur Verfügung stehen wird. Auch Gerd Gotsche wird zum Funktionsteam als wichtiges Bindeglied zwischen der U19 und erster Mannschaft dazugehören. Christian Ovelhey, mit dem ich schon in Wattenscheid zusammengearbeitet habe, würde ich gerne als Torwarttrainer verpflichten.

Den Namen Lakis haben Sie bisher nicht erwähnt. Ist der Präsident überhaupt noch ein aktives Mitglied im Verein?
Das ist eine Frage, die andere beantworten müssen. Ich kann nur sagen, dass ich noch nicht mit Herrn Lakis gesprochen habe. Ich würde ihn aber gerne mal kennen lernen.

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Kann man den KFC mit ihren vorherigen Stationen vergleichen?
Ich denke, dass Uerdingen noch einmal eine größere Nummer als Velbert oder Wattenscheid ist. Als ich an der Lohrheide angefangen habe, gab es gar keine Strukturen. Ich musste mit Marco Ostermann alles alleine machen. Wir haben aber peu-a-peu etwas aufgebaut und eine Mannschaft zusammengestellt, die sich mit dem Verein, dem Umfeld identifiziert hat. Wir haben eine tolle neue Stimmung geschaffen. Das werde ich auch in Uerdingen versuchen auf die Beine zu stellen.

Werden Sie den Job beim KFC in Vollzeit ausüben?
Nein. Ich werde weiter an der Schule unterrichten. Meiner Meinung nach reichen auch fünf bis sechs Einheiten in der Woche in der Oberliga völlig aus. Einen Tag in der Woche habe ich frei, so dass man da auch mal vormittags trainieren kann. Für die Spieler, die vormittags öfter Zeit haben, wird Timo Achenbach da sein. Er macht seine Trainerscheine und so kann er Erfahrung sammeln. Das haben wir schon besprochen.

Wie wird der zukünftige KFC-Kader aussehen?
Acht Spieler haben schon ihre Verträge verlängert. Ahmet Taner und Fabio Fahrian liegen Angebote vor. Jetzt sind sie am Zug. Zudem werden vier A-Jugendliche zum Kader gehören. Ich plane mit rund zehn Neuzugängen. Wir wollen vor allem in der Offensive etwas machen und Akteure holen, die unser Spiel beschleunigen. Das habe ich in der aktuellen Saison beim KFC vermisst.

Wird es unter Ihnen auch große Namen wie Ailton oder Mo Idrissou geben?
Das kann ich ausschließen. In Uerdingen hat man jetzt wohl auch erkannt, dass man keine Meistermannschaft zusammenkaufen kann. Das können vielleicht der FC Bayern oder RB Leipzig machen, aber bei allem Respekt nicht der KFC. Ich werde Spieler verpflichten, die auch hier spielen wollen. Sie sollen den KFC als große Chance sehen und nicht als Plan B oder C. Ich hatte schon solche Gespräche und die waren kurz. Diese Jungs interessieren mich nicht. Ich weiß, wie schwer die Oberliga ist und da braucht man eine entsprechende Mentalität. Wir brauchen starke Charaktere und eine gute Qualität. Die Spieler muss man begeistern, sie mitnehmen, auch wenn das natürlich nicht immer einfach ist. Viele fragen mich dann, ob die Versprechungen, die der Verein macht, auch noch in Monaten eingehalten werden. Das habe ich mir von Herrn Ponomarev zusichern lassen und erkläre es auch den potentiellen Neuzugängen. Klar ist, dass ich da sehr viel Überzeugungsarbeit leisten muss.

Waren die Abgänge wie Silvio Pagano, Giannis Alexiou, Florian Abel und Co. mit Ihnen schon besprochen? Und was wird aus Mo Idrissou, der ja noch einen Vertrag bis 2017 besitzt?
Die Abgänge waren mit mir besprochen. Bei Idrissou ist noch keine Entscheidung gefallen. Wir werden ein Gespräch führen.

Sie sind nicht nur Trainer, sondern auch Manager. Wie gefällt Ihnen das neue Amt?
Ich habe das sportliche Sagen und das gefällt mir sehr gut. Es ändert sich nicht viel zu meinen vorherigen Jobs - nur das ich jetzt auch die Verträge aushandele. Früher habe ich auch mit den Spielern gesprochen, andere haben aber die Verträge ausgehandelt. Ich weiß, welches Budget mir zur Verfügung gestellt wird und muss mich in dem entsprechenden Rahmen bewegen. Es wird ein Prämiensystem geben, auf welches ich Einfluss habe. Wenn wir erfolgreich sind, dann kann man auch etwas Geld verdienen. Nur so kann es gehen - vor allem in der Oberliga.

Die sollen den KFC in die Regionalliga führen...
Ja, der Regionalliga-Aufstieg ist das Ziel. Darüber brauchen wir nicht zu reden. Ich werde das aber auch nicht immer wiederholen. Wir haben im Verein vereinbart, keine Sprüche zu klopfen. Wir brauchen Ruhe und Kontinuität. Verein, Team und Fans müssen an einem Strang ziehen. Das müssen wir alles erst hinbekommen und den ersten Schritt vor dem zweiten machen. Jetzt versuchen wir eine gute Mannschaft zusammenzustellen, eine sehr gute Vorbereitung zu absolvieren und dann in die Saison zu starten.

Autor: Krystian Wozniak

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