Sie können nicht zusammenkommen: Schalke und Dortmund, das ist die ganz große Politik. Die scheinbar ewige Geschichte schwarz-gelber und königsblauer Befindlichkeiten geht in die nächste Runde. RevierSport wollte vor dem kommenden Derby die zwei offiziellen Fan-Clubs aus der jeweils falschen Stadt, den

Ganz große Politik: Borussen grillen nicht in Dortmund

Durch RS geplante Annäherung von S04- und BVB-Fans platzte

sb
09. August 2007, 16:07 Uhr

Sie können nicht zusammenkommen: Schalke und Dortmund, das ist die ganz große Politik. Die scheinbar ewige Geschichte schwarz-gelber und königsblauer Befindlichkeiten geht in die nächste Runde. RevierSport wollte vor dem kommenden Derby die zwei offiziellen Fan-Clubs aus der jeweils falschen Stadt, den "BVB-Fan-Club Gelsenkirchen" und den "Blau-Weißen Stachel" aus Dortmund, zum freundschaftlichen Kick auf neutralem Grund in Essen zusammenholen. Am Anfang stand die Idee, am Ende die Ernüchterung. Der gescheiterte Versuch, die Anhänger zum gemeinsamen Kick im goalfever-Center zu bewegen, zeigt, wie groß die Empfindsamkeiten auf beiden Seiten immer noch sind. Und wie wichtig eine gute Deeskalationsarbeit ist. Dabei bestand in beiden Fan-Clubs grundsätzlich die Bereitschaft, den historischen Schritt zu wagen.

Man hatte sich trotz Sicherheitsbedenken in beiden Lagern ("Was ist, wenn das die Hooligans mitbekommen?") sogar schon auf einen konkreten Termin in der Fußballhalle in Essen-Altenessen verständigen können. Schalke sagte kurzfristig ab, der Borussen-Stolz war verletzt.

Das Ersatzangebot von Stachel-Chef Ralf Barsmann zum gemeinsamen Grillen in Dortmund-Oestrich schlugen die BVB-Fans um Berth Reifenrath aus. "Wir fahren doch nicht nach Dortmund", entgegnete der in Gelsenkirchen wohnende Borusse. Natürlich nicht. Was will man erwarten? Wenn sich schon die Verantwortlichen um den Austragungsort ihrer Friedensgespräche (man einigte sich bekanntlich auf Unna) gezankt haben, warum sollten sich die Fans dann anders verhalten? Also musste ein neue Lösung her. Unverhofft bot sich mit dem Benefizspiel der Traditionsmannschaften beider Vereine in Erkenschwick erneut ein gutes Pflaster für ein Treffen. Plötzlich jedoch war der Ansprechpartner der S04-Anhänger aus Dortmund per Telefon nicht mehr zu erreichen.

Letztlich, so schien es, waren beide froh, dass der Kelch an ihnen vorüber gegangen ist. "Dortmunder sind auch Menschen" erklärt Barsmann im Brustton voller Überzeugung. Schließlich könne er sich mit seinem Gartennachbarn in der schicken Reihenhaussiedlung im Vorort der Westfalenmetropole "ganz normal unterhalten". Abgesehen davon, dass der, als er einzog und die Barsmann'sche S04-Fahne sah, sicherheitshalber erst mal einen BVB-Wimpel an den Zaun gehängt habe, sei der ganz okay. Wahrscheinlich wird er auch auf Mietminderung oder Kaupfpreis-Reduzierung geklagt haben. Das alles versteht Barsmann. "Aber in den Signal-Iduna Park fahre ich nicht mehr. Uns hat man im Vorjahr Schals und Mützen geklaut. Mit gebrochener Nase wollte ich dann doch nicht zur Arbeit gehen", haben er persönlich und seine Fan-Club Mitglieder ganz bittere Erfahrungen gemacht.

Ähnliches gibt es auch aus der eigentlichen Schalker Heimat zu berichten. "Wir wollten spielen. Aber vielleicht war die Zeit dafür noch nicht reif. Als BVB-Fan kannst du dich zurzeit in Gelsenkirchen nicht auf die Straße trauen. Da schlägt dir der Hass offen entgegen", sagt "Berty" Reifenrath. Der Nachbar? Na, klar: "Die sind alle nett. Man kennt und respektiert sich." Aber aus der Nähe der Arena sei er dennoch vorsichtshalber in ein angenehmeres Wohnviertel gezogen.

Barsmann und Reifenrath sehnen sich nach ein wenig Normalität im Umgang miteinander. "1997 habe ich auf dem Dortmunder Friedensplatz mit meinem UEFA-Cup Sieger T-Shirt mit den Borussen den Champions League Erfolg gefeiert. Das wäre heute undenkbar. Wir müssen langsam wieder zu einem normalen Umgang kommen. So macht Fußball keinen Spaß", sagt der im Emsland aufgewachsene Schalke-Fan aus Dortmund. Ähnlich ergeht es dem Exil-Borussen: "Dass wir Schalke die Meisterschaft geklaut haben, war das Geilste, was hätte passieren können. Aber deswegen muss ich keinen Menschen schlagen. Diese unsägliche Entwicklung muss gestoppt werden."
Sie hätten mit ihren Fan-Clubs ein Zeichen setzen können.

Autor: sb

Kommentieren