Das Spieljahr 2015 ist vorbei und die Stimmung unter den Fans von Rot-Weiss Essen scheint den Tiefpunkt erreicht zu haben.

Interview

"RWE existiert nur noch durch seine Fans"

15. Dezember 2015, 11:51 Uhr
Foto: Tillmann / privat

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Das Spieljahr 2015 ist vorbei und die Stimmung unter den Fans von Rot-Weiss Essen scheint den Tiefpunkt erreicht zu haben.

Nachdem die Mannschaft zum Abschluss eine 2:0-Führung beim SC Wiedenbrück noch verspielte und kurz vor dem Abpfiff das 2:2 kassierte, brauchte Trainer Jan Siewert eine ganze Weile, um die aufgebrachten Anhänger zu beruhigen. Zu Beginn der Winterpause ist die Atmosphäre im Verhältnis von Verein und Fans frostig. Es ist daher an der Zeit, einen RWE-Fan zu Wort kommen zu lassen, der sich besonders viele Gedanken über seinen Verein macht. Uwe Strootmann schreibt in seinem Blog "Im Schatten der Tribüne" seit 2006 über seinen Lieblingsverein. RevierSport fragte ihn nach seiner Sicht der Dinge. Hier sind seine Antworten:

Uwe Strootmann, wann war die Stimmung unter den RWE-Fans das letzte Mal so schlecht?
Wenn man ehrlich ist, dann erleben wir Ende 2015 atmosphärisch den Tiefpunkt mit unserem Verein. Viele Abstiege boten immer noch Hoffnung, tolle Abstiegskämpfe, Höhen und Tiefen. Die wirtschaftlichen Probleme ließen uns zusammenrücken, und selbst Lübeck 2008 kam mit einer solchen Wucht der Überraschung, so dass das Entsetzen schon einige Wochen später zu Saisonbeginn in Liga Vier in ein trotziges "Jetzt erst Recht" umschlug. Nun aber nähert sich die Stimmung bisweilen einer Gleichgültigkeit dem Geschehen auf dem Rasen gegenüber. Einmal abgesehen vom Pokalerfolg gegen RWO und dem dadurch erreichten DFB-Pokalspiel gegen Fortuna Düsseldorf war das Kalenderjahr für Fans von Rot-Weiss Essen sportlich ein zermürbendes. Das 9:1 gegen den TuS Erndtebrück wirkte da schon fast wie ein ein Fremdkörper. So unbegreiflich wie die ganzen Gegentore in der Nachspielzeit aktuell. Zudem hat die Personalie [person=5104]Cebio Soukou[/person] uns allen noch einmal so richtig einen mitgegeben. Wie soll man noch mit soviel Undankbarkeit dem Verein gegenüber als Fan umgehen? Der Mann stand kaum auf dem Platz in den letzten Jahren, wurde vom Verein und Fans über Gebühr unterstützt, galt als Hoffnungsträger und langweilt sich und uns dann zu Tode, bis er endlich woanders testen darf und dreht auf. Nein, die Stimmung ist so schlecht wie die Meisterchancen auf Schalke.

Wie sehen Sie aktuell das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft?
Ich glaube, es besteht zur Zeit kein Verhältnis. Und es ist dringend an der Zeit, wieder ein Verhältnis aufzubauen. Ich helfe der Mannschaft nicht, wenn ich ihr an den Kragen will. Ich helfe aber auch den Fans nicht, wenn ich so agiere, als ob sie nicht existieren. Der RWE existiert überhaupt nur noch durch seine Fans. Eigentlich können wir uns beide gerade überhaupt nicht mehr sehen. Von daher kommt die Winterpause gerade zur rechten Zeit. Ich bin geradezu erschrocken, wie unisono gerade die Meinung derer ist, von denen ich weiß, dass der RWE auch Lebensinhalt bedeutet: "Gut, dass ich in diesem Jahr kein RWE-Spiel mehr sehen muss!"

Im Sommer wollten alle den neuen Verantwortlichen Zeit geben. Sind die Essener Fans einfach zu ungeduldig?
In Anbetracht der Tabellensituation geben wir meines Erachtens den neuen Verantwortlichen Zeit. Einen Marc Fascher zum derzeitigen Zeitpunkt hätten wir doch schon längst vom Hof gejagt. Ein Jan Siewert hingegen steht zurecht in der Kritik, kann aber in dieser bedrohlichen sportlichen Situation eigentlich doch noch in Ruhe weiterarbeiten. Die große Frage wird die sein, ob Jan Siewert nun in der Winterpause seine Schlüsse zieht, oder eben nicht. Denn zu viele späte Gegentore nebst Punktverlust können einen Abstieg bedeuten. Völlig losgekoppelt von der aktuellen sportlichen Situation ist es völlig verständlich, dass wir Fans endlich einfach mal wieder von einer Mannschaft mitgenommen werden wollen auf dem Weg durch die Saison. Auch wenn es nicht zum Aufstieg reicht und wir Geduld zeigen und Vorschuss gewähren: Wer Hafenstraßenfußball verspricht, der hat es schwer, wenn die Fans zumeist alles andere geboten bekommen. Aber eines ist auch klar: Noch keiner hat jemals im Sport einen Erfolg erzwungen oder durch Missstimmung erreicht. Wir brauchen endlich wieder eine Mannschaft!

Haben Sie Hoffnung, dass es nach der Winterpause bergauf geht?
Ich habe Hoffnung, dass der "Worst Case" Abstieg vermieden werden kann. Das ist jetzt nur noch das einzige Saisonziel. Und ich habe Hoffnung, dass die Mannschaft versucht, ein Team zu werden und der Trainer gegen Spielende auch mal die Zeit von der Uhr nimmt. Wir können nur eines Tages miteinander aufsteigen, wenn wir aktuell nicht gegeneinander absteigen.

Warum steigt RWE nicht ab?
Weil es einfach nicht sein darf! Weil den Spielern dieses Trikot endlich etwas bedeuten sollte. Und weil auch wir Fans noch etwas zum Nichtabstieg beitragen können. Danach können wir immer noch genug meckern.

Lesen Sie auf Seite 2, was Uwe Strootmann von der Arbeit des Essener Führungstrios hält.

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