Wahnsinn! Dieses Wort trifft auf die Gesamtleistung der SG Wattenscheid 09 nach rund einem Drittel der Regionalliga-West-Saison zu.

Wattenscheider Wahnsinn

Sieben Gründe für den Erfolgslauf

Krystian Wozniak
06. Oktober 2015, 12:18 Uhr
Foto: Michael Ketzer

Foto: Michael Ketzer

Wahnsinn! Dieses Wort trifft auf die Gesamtleistung der SG Wattenscheid 09 nach rund einem Drittel der Regionalliga-West-Saison zu.

Die Mannschaft von der Lohrheide wurde vor der Spielzeit nicht von wenigen Experten zu den Abstiegskandidaten gezählt. Farat Toku und seine Schützlinge konnten die Kritiker bisher eindrucksvoll eines Besseren belehren. RevierSport nahm den bisherigen Saisonverlauf der Schwarz-Weißen unter die Lupe und stellt sieben Gründe für den "Wattenscheider Wahnsinn" heraus.

Stammelf
Zehn von elf Spielern haben an den ersten elf Spieltagen jeweils von Beginn an auf dem Platz gestanden. Nur [person=2045]Nerciwan Khalil Mohammad[/person] musste ein Mal verletzungsbedingt passen. Ansonsten konnte Trainer Toku seiner Stammelf stets vertrauen. Und die Mannschaft zahlte dieses zurück. Etablierte Regionalligaspieler wie [person=4970]Eren Taskin[/person], [person=1989]Christ Kasela Mbona[/person] oder [person=2047]Sascha Tobor[/person] mussten bislang mit einem Bankplatz Vorlieb nehmen. Aber sie murren nicht und akzeptieren ihre Rollen. Toku gelang es, eine echte Einheit zu formen.

Ehrlicherweise muss auch hinzugefügt werden, dass die Wattenscheider bislang keine Verletzungsprobleme hatten. Sollten mal zwei, drei oder vier Akteure aus der ersten Elf ausfallen, dann wären Probleme vorprogrammiert. Denn hinter den drei oben genannten Ergänzungsspielern kommt nicht mehr viel. Leute wie [person=7075]Felix Clever[/person], [person=14465]Nino Saka[/person], [person=4981]Demir Tumbul[/person], [person=23615]Maurice Haar[/person] und Co. dürften ihre Kollegen aus der ersten Elf im Notfall nicht eins zu eins ersetzen können.

Die erste Elf: Edin Sancaktar - Christopher Braun, Adrian Schneider, Mario Klinger, Koray Kacinoglu - Nerciwan Khalil Mohammad, Jan-Steffen Meier - Manuel Glowacz, Nico Buckmaier, Burak Kaplan - Güngör Kaya.

Trainer
Der 35-jährige Ex-Profi machte seine ersten Erfahrungen als Co-Trainer beim Wuppertaler SV unter Reinhold Fanz. Dieser war es dann auch, der Toku als Cheftrainer zum SV Wilhelmshaven führte. Beim klammen Nord-Regionalligisten machte Toku aus sehr wenig viel und war nach dem Lizenzentzug für Wilhelmshaven ein willkommener Rückkehrer für die SG Wattenscheid 09. Einst trug Toku die Kapitänsbinde an der Lohrheide, heute wird er als Trainer gefeiert. Toku und Wattenscheid: das passt! Bleibt nur abzuwarten, ob der B-Lizenzinhaber auch über das Saisonende in Wattenscheid bleibt. Erfolg macht interessant und die ersten Klubs sollen schon auf Tokus Dienste scharf sein...

Leistungsträger
[person=2856]Burak Kaplan[/person] spielte schon in der Bundesliga und der Süperlig. Ihm wurde einst eine große Karriere prophezeit. Doch diese gelang dem 25-Jährigen bislang nicht. Zu oft stand sich Kaplan selbst im Weg. Disziplinarische Gründe führten dazu, dass er keine große Karriere machen konnte. Doch er hat dies noch nicht aufgegeben und träumt weiter von einer Rückkehr in den Profifußball. Sollte Kaplan die bisherigen Leistungen bis zum Saisonende bestätigen können, scheint alles möglich zu sein. Denn Toku hat es verstanden, Kaplan als Waffe zu nutzen und ihn wieder stark zu machen.

Wir hassen und lieben uns. Der Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Die Jungs wissen, dass ich Tag und Nacht für sie da bin.
Toku über Kaplan und Kaya

Ähnliches gilt für [person=5001]Güngör Kaya[/person]. Einst beeindruckte er als Torschützenkönig in der U19-Bundesliga und erhielt einen Profivertrag beim 1. FC Nürnberg. Diese Station endete unglücklich und Kaya wurde ähnlich wie Kaplan aufgrund von disziplinarischen Gründen in die Reserve verbannt. Über Rot-Weiss Essen, die zweite türkische Liga und den KFC Uerdingen führte sein Weg an die Lohrheide - zunächst ebenfalls eine verlorene Zeit. Unter Christoph Klöpper wurde "Günni" suspendiert. Wieder einmal war es Toku, der wusste, wie Kaya anzupacken ist. Toku erklärte zuletzt das Verhältnis zu seinen Leistungsträgern Kaplan und Kaya wie folgt: "Wir hassen und lieben uns. Der Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Die Jungs wissen, dass ich Tag und Nacht für sie da bin. Sie zahlen mir das mit Leistung zurück. Davon profitiert die ganze Mannschaft."

Neuzugänge
Toku wusste im Sommer ganz genau, an welchen Stellschrauben er drehen musste. Das Wattenscheider Spiel war in der vergangenen Saison zu sehr von der Offensive geprägt. Spieler wie Tobor oder Taskin vernachlässigten ihre Defensivaufgaben und konnten nur in der Offensive Akzente setzen. Für Tobor spielt jetzt [person=29458]Christopher Braun[/person], der die Rechtsverteidiger-Position anders definiert als sein Mannschaftskollege. [person=5113]Jan-Steffen Meier[/person] gibt dem Zentrum mehr Sicherheit als Kasela Mbona und auf Taskins bisheriger Position ist jetzt [person=6521]Nico Buckmaier[/person] unterwegs - ein Wattenscheider Junge, mit dem sich das Umfeld zu hundert Prozent identifiziert. Ähnliche Qualitäten bringt [person=2100]Manuel Glowacz[/person] mit. Er ist torgefährlich und bereitet auch gerne Treffer vor. Solche Spielertypen fehlten dem Team in der Vergangenheit. Nicht vergessen werden darf auch [person=2109]Edin Sancaktar[/person]. Die neue Nummer eins strahlt Sicherheit aus und konnte schon manch einen wichtigen Punkt oder gar Dreier festhalten. Man erinnere sich nur daran, wie er die Spieler von Rot-Weiss Essen (3:0) zur Verzweiflung trieb.

Heimstärke
Fünf Heimspiele, vier Siege, eine Niederlage, die gegen Lotte (1:2) sehr unglücklich ausfiel. Wattenscheid ist derzeit eine Macht in der Lohrheide. Toku hat eine kampfstarke Truppe geformt, die den Gegner mit einer Kombination aus Kraft- und Konterfußball in arge Nöte bringt. "Hier zu gewinnen, ist verdammt schwer. Ich bin mir sicher, dass noch einige Mannschaften in der Lohrheide stolpern werden", sagte Verls Trainer Andreas Golombek nach dem 1:2 in Wattenscheid. "Golo" sollte Recht behalten.

Umfeld
Kooperation mit Galatasaray Istanbul hier, verspätete Gehaltszahlungen da: Diese Probleme scheinen der Vergangenheit anzugehören. Es ist still im Umfeld der Lohrheide und das tut der Mannschaft sichtlich gut. Es gibt auch keinen Alleinherrscher á la Christoph Jacob mehr, so dass die Fans wieder gerne ins Stadion pilgern und der Durchschnitt von 1286 Besuchern pro Partie durchaus vorzeigbar ist. Doch im Lohrheidestadion sind noch einige Plätze frei. Die Mannschaft hätte mit Sicherheit nichts gegen höhere Besucherzahlen. Verdient hätte sie es allemal.

Zielsetzung
Vom aktuellen Erfolgslauf lässt sich in Wattenscheid niemand blenden. Mannschaft und Verantwortliche betonen stets, dass es nur um den Klassenerhalt geht. Alles andere wäre ein Bonus. Wattenscheid spielt unbekümmert, ohne jeglichen Druck. Die 09er fühlen sich in der Außenseiterrolle pudelwohl - das macht sie stark und gefährlich für alle Gegner.

Autor: Krystian Wozniak

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