Fink über Apoel

"Können auch schon mal Flaschen fliegen"

Christoph Winkel
17. September 2015, 13:45 Uhr
Foto: firo

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Wenn ein deutscher Trainer etwas über Schalkes Gegner Apoel Nikosia weiß, dann ist es Thorsten Fink.

Der 47-Jährige führte den zyprischen Rekordmeister in der vergangenen Saison quasi zur Meisterschaft. zwei Spieltage vor dem Saisonende entschied man sich dann aber doch, getrennte Wege zu gehen. Einvernehmlich, wie es so oft bei Trainerentlassungen heißt. Apoel Nikosia stand vor Finks Beurlaubung auf Platz eins, zum Titelgewinn, zur 24. Meisterschaft der Vereinsgeschichte, fehlte nur noch ein Sieg.

Der gebürtige Dortmunder, der seit Saisonbeginn Cheftrainer beim österreichischen Spitzenklub FK Austria Wien und dort „sehr glücklich“ ist, will sich zu den Gründen der kuriosen Trennung ein halbes Jahr später nicht mehr äußern. Er sagt nur so viel: „Es gab zu viele Dinge bei Apoel, mit denen ich mich nicht so richtig identifizieren konnte.“ Nach einer zuvor 18-monatigen Pause als Cheftrainer habe Fink sein Engagement in Zypern zum Anlass genommen, mit neuen Erfahrungen und neuem Elan wieder ins Trainergeschäft einzusteigen. „Als Durchgangsstation“, wie er sagt.

[infobox-right]Mit seinem Klub Austria Wien will Fink übrigens in der nächsten Saison ebenfalls in der Europa League mitmischen. Aktuell läuft alles nach Plan. Nach acht Spieltagen ist Austria Dritter mit 15 Punkten, am Wochenende verpasste Finks Mannschaft durch ein 1:1 gegen den SV Ried den Sprung an die Tabellenspitze. Dort thront derzeit der FC Admira Wacker mit 17 Punkten. Zweiter ist SK Rapid Wien mit 16 Punkten. Dessen Manager ist auf Schalke übrigens ein guter alter Bekannter: Andreas Müller. Einer der Schalker Eurofighter.[/infobox]

Die Mannschaft, auf die der FC Schalke 04 heute Abend zum Auftakt der Europa League trifft, kennt er aber natürlich bestens. „Spiele bei Apoel Nikosia können sehr unangenehm sein“, sagt Fink. Unangenehm auch deshalb, weil die Wettervorhersage für heute Abend noch über 35 Grad verspricht. Zum Vergleich: zur selben Zeit soll das Thermometer in Gelsenkirchen 14 Grad anzeigen. „Das GSP-Stadion kann ein ganz schöner Hexenkessel sein“, weiß Fink. „Das war in der Champions League immer so, da war das Stadion ausverkauft und richtig Stimmung. Ich gehe davon aus, dass es auch in der Europa League gegen Schalke so sein wird.“

Ausverkauft bedeutet bei Apoel, das knapp 23000 Besucher im Stadion sein werden. Schalkes Cheftrainer André Breitenreiter könne sich auf jeden Fall darauf einstellen, dass die Apoel-Fans ihn von der ersten Minute an auf dem Kieker haben, ihn als gegnerischen Trainer pausenlos beschimpfen werden. Es gibt für einen Trainer also angenehmere Europapokal-Debüts als in Nikosia. „Da können schon mal Wasserflaschen fliegen. Es kann sein, dass du als gegnerischer Trainer sogar bespuckt wirst“, warnt Fink.

Auf ihn muss Schalke aufpassen
Fink über Nuno Morais

Als er Apoel Nikosia im Januar dieses Jahres übernahm, stand der Klub auf dem dritten Tabellenplatz, Anfang Mai war Apoel Spitzenreiter, zur Meisterschaft fehlten eben nur noch drei magere Punkte. Die Punkte holte die Mannschaft dann auch ohne Fink. Beide Topstürmer der vergangenen Saison hätten den Klub verlassen, die Qualität der Mannschaft schätzt Thorsten Fink aber trotzdem noch hoch ein. „Auf jeden Fall ein sehr erfahrenes Team, mit vielen sehr guten Einzelspielern.“

Nuno Morais, ein Portugiese, der schon beim FC Chelsea unter Vertrag stand, sei das „Hirn der Mannschaft.“ Fink sagt über den 31-jährigen defensiven Mittelfeldspieler: „Er ist der absolute Dreh- und Angelpunkt des Spieles. Auf ihn muss Schalke aufpassen.“

Mário Sérgio, ebenfalls Portugiese, aber schon 34 Jahre alt, könne als Rechtsverteidiger auf seiner Seite Seite ganz schön wirbeln. Spielmacher Thomas De Vicenti sei läuferisch sehr stark und in der Lage, ein Spiel allein zu entscheiden. „In solchen besonderen Spielen wie gegen Schalke kann er zur Hochform auflaufen“, sagt Fink.

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Bei allem Respekt vor seinem Ex-Klub ist Thorsten Fink aber sicher, dass der FC Schalke 04 genügend Qualität mitbringt, um mit einem Auswärtssieg in die Gruppenphase der Europa League zu starten. Fink, der als Spieler 2001 mit dem FC Bayern München die Champions League gewann, ist überzeugt, dass Schalke als Gruppensieger ins Achtelfinale einziehen wird. Apoel Nikosia und Sparta Prag, vermutet Fink, würden um den zweiten Startplatz spielen. „Dabei schätze ich Prag spielerisch sogar einen Tick stärker ein als Apoel. Was aber eben für Nikosia spricht, sind die extremen Temperaturen in Zypern. Darauf muss sich jeder Gegner erst einmal einstellen.“ Zuerst der FC Schalke 04.

Autor: Christoph Winkel

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