Einmal im Jahr treffen sich Welperaners Fußball-Oldies um alte Zeiten wieder aufleben zu lassen. Eine Reise in die Vergangenheit.

SG Welper

"Wie sagt man heute? Ne ganz geile Sache!"

25. August 2015, 09:37 Uhr

Einmal im Jahr treffen sich Welperaners Fußball-Oldies um alte Zeiten wieder aufleben zu lassen. Eine Reise in die Vergangenheit.

"Jungs macht keinen Blödsinn hier", ruft Wolfgang Wortmann den rund 50 ehemaligen Fußballern der SG Welper hinterher, ehe sie auf dem Platz der Vereinsanlage wieder zu Kindern werden. Sie alle haben sich, wie jedes Jahr am ersten Freitag des Julis, auf den Weg zum Vereinsheim gemacht um über alte Zeiten zu plauschen und Freunde wieder zu treffen. Bis spät in den Abend wird erzählt, gelacht und alte Fotos und Zeitungsartikel bestaunt. "Obwohl aus den Jungspunden von damals reife Erwachsene geworden sind, haben sie noch genau wie früher Flausen im Kopf", erzählt Wortmann. Der 68-Jährige muss sich jedes Mal aufs Neue sorgen, wenn die Senioren ihre alten Knochen und Gelenke auf dem Spielfeld austoben möchten. Der Älteste von ihnen ist Mitte 80.

Wortmann arbeitet ehrenamtlich als Fachschaftsleiter in der Fußballabteilung des Vereins und trainiert die D-Jugend. "Für die Kids bin ich Ansprechpartner in jeder Angelegenheit. Als ich früher nach dem Bolzen nach Hause gekommen bin, war zumindest meine Mutter zu Hause und hat mit dem Abendessen auf mich gewartet. Heute sind meistens beide Elternteile berufstätig. Darunter leidet die Kommunikation", schildert Wortmann. Neben seiner Trainertätigkeit organisiert der 68-Jährige jedes Jahr das große Wiedersehen der ehemaligen Kicker der SG Welper. "Bis ich alle telefonisch erreicht habe, sind meistens drei Wochen vergangen. SMS sowie E-Mail schreiben und empfangen kann ja fast keiner von ihnen. Manchmal ist jemand verstorben, ein anderer in eine andere Stadt gezogen. Für die Organisation muss ich schon viel Zeit opfern", betont er, schiebt aber direkt hinterher: "Aber es macht ja Spaß." Und wenn sogar alte Freunde aus Süddeutschland anreisen, weiß Wortmann, dass sich Arbeit und Mühe gelohnt haben.

Alte Schoten von früher

Arbeiten, die den Rentner bei bester Gesundheit halten. "Ich fühl mich fit. Mit einem zehn Jahre Jüngeren möchte ich gar nicht tauschen. Man muss einfach unter Leuten bleiben", weiß Wortmann, der sich selber als 68 Jahre jung bezeichnet. Seine positive Einstellung zum Thema Altern soll sich beim Treffen auf die Fußball-Oldies übertragen. Nachdem er eine kleine Rede gehalten hat, bleibt den Senioren genau acht Minuten Zeit um sich über Krankheiten und sonstige Alterserscheinungen auszutauschen. "Dann steht quasi jemand mit einer Stoppuhr vorne", lacht Wortmann. Nach Ablauf der Zeit soll Schluss sein mit den Themen, die die gute Stimmung dämpfen. Dann sollen die alten Schoten ausgepackt und die Hirnzellen bei einem Quiz in Schwung gebracht werden. Thema Nummer eins ist natürlich Fußball. "Für uns ist es immer wieder erstaunlich, wie viel Geld die Spieler heute bekommen - auch in unterklassigen Ligen. Ich habe früher in meinem Beruf 2,84 DM pro Stunde verdient. Da war eine Siegesprämie in der Landesliga von zehn Mark viel Geld für uns. Das ist heute ganz anders. Das kann man nicht mehr vergleichen", erzählt der Rentner aus dem Nähkästchen.

Früher wenig Kohle in der Landesliga, heute Spaßfußball in der Kreisliga. Was aber gleich geblieben ist, sind die Farben des Vereins auf dem Trikot der Welperaner. "Grün und weiß wie lieb ich dich...", hallt es aus Wortmanns Kehle. Angelehnt an die Melodie der Vereinshymne des FC Schalke 04 haben die Welperaner ihren eigenen Song geschrieben. Mit Liedblatt in der Hand, hält es keinen der Rentner mehr auf den Stühlen. "Die ersten zwanzig Minuten wird nur geschmettert. Dat is einfach nur herrlich", beschreibt Wortmann die Atmosphäre und fügt hinzu: "Unsere Trikots waren für uns der Hit. Die haben gezeigt, dass wir Welperaner sind und keine Hattinger." Zur anschließenden Stärkung gibt es deftige Frikadellen und Pils.

Von Freude bis Sentimentalität

Bis Mitternacht wird auf die guten, alten Zeiten angestoßen. "Da wird man ganz schön sentimental. Die ein oder andere Träne muss ich mir immer wieder verkneifen", gibt Wortmann zu - aber nicht nur aus traurigem Anlass, sondern auch vor Freude und Witz. Für ihn ist das Wiedersehen der Fußball-Oldies das Highlight des Jahres: "Wie sagt man heute? Dat is einfach ne geile Sache."

Autor:

Mehr zum Thema

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren