Für Björn Schlicke war der Wechsel nach Duisburg die richtige Wahl. Als Abwehr-Chef führte er die Zebras in die Bundesliga, in der zweiten Halbserie fungierte der Familienvater sogar als Spielführer - und löste auch diese Aufgabe. Lob gab es unmittelbar nach Saison-Schluss vom Vorgänger.

MSV: Nach "Extrem-Situation" hängt Kapitäns-Frage in der Schwebe

"Wenn ich es weiter mache, muss es Änderungen geben"

tt
14. Juli 2007, 15:16 Uhr

Für Björn Schlicke war der Wechsel nach Duisburg die richtige Wahl. Als Abwehr-Chef führte er die Zebras in die Bundesliga, in der zweiten Halbserie fungierte der Familienvater sogar als Spielführer - und löste auch diese Aufgabe. Lob gab es unmittelbar nach Saison-Schluss vom Vorgänger.

"Björn hat den Job gut gemacht", befand Georg Koch. "Es war keine einfache Situation", blickt Schlicke zurück, "mit der Degradierung von Schorsch Koch war das schon eine Extrem-Situation. Ich habe wirklich kein leichtes Erbe angetreten."

Ob er den Posten auch in der Bundesliga beibehält, steht in den Sternen. Schlicke: "Ich muss erst mit Trainer Rudi Bommer darüber sprechen und weiß ehrlich gesagt nicht, ob es so weiterläuft. Ursprünglich war angedacht, dass es erst Mal für ein halbes Jahr gilt, das war der Grundgedanke. Wenn ich Kapitän bleiben sollte, dann müssten einige Dinge anders laufen."

Laufen ist das richtige Stichwort für das Beschreiben der ersten Trainings-Woche. "Ich bin wirklich froh, dass wir diese Einheiten hinter uns haben", sagt der 26-Jährige, "aufgrund der Laktatwerte haben wir das Ganze nach vorne gezogen. Ich weiß noch, wie wir im letzten Jahr über zweieinhalb Wochen gelaufen sind. Diesmal waren die Werte so gut, dass wir es schneller hinbekommen haben. Es muss halt gemacht werden, weil das die Grundlagen für die Saison sind, aber als Fußballer willst du natürlich an die Kugel."

Da seit dem Auftakt am 1. Juli der Schwerpunkt noch anders gewichtet war, kommen die fundierten Eindrücke über die neuen Kollegen erst in den nächsten Tagen. Schlicke: "Wir haben neun Zugänge, es ist schwer, über Einzelne ein Urteil abzugeben. Jedenfalls ist keiner dabei, der ausschert, so viel kann ich schon sagen." Die internationale Ansammlung an Bulgaren, Nigerianern, Brasilianern und Schweizern bringt zwangsläufig gewisse Verständigungs-Probleme mit sich. Schlicke: "Irgendwie wird das schon klappen, im Moment machen wir das mit Händen und Füßen. Natürlich ist es bis zum Start wichtig, die einzelnen Kommandos einzustudieren."

Die Tatsache, dass nahezu alle Gazetten voll mit Infos über die wiedererstarke Fußball-Macht aus München sind und allerorts über den FC Bayern als kommender Titel-Träger diskutiert wird, stört den Ex-Kölner wenig: "Vom MSV spricht man höchstens, wenn es darum geht, welcher Trainer laut Wettquote als Erster rausfliegt. Ich wusste schon vorher, dass über uns nicht viele Schlagzeilen produziert werden würden. In 90 Prozent der Fälle sind wir im kommenden Jahr Außenseiter in der Bundesliga."

Doch das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Der Abwehrrecke: "Die Rolle liegt uns bestimmt besser, als in der vergangenen Saison immer als Favorit aufzulaufen. Wir können mehr reagieren, den anderen das Leben schwer machen."
Dass die Zebras diesmal kaum eine Serie von zehn oder mehr ungeschlagenen Spielen schaffen dürften, versteht sich angesichts der geballten Qualitäts-Ansammlung bei den "Großen" fast von selbst. "Wenn wir tatsächlich so lange ungeschlagen bleiben würden, dann hätten wir eine tolle Saison gespielt", sagt Schlicke, "aber mir ist schon klar, dass wir diesmal weniger Punkte holen, als im vergangenen Jahr. Es wird sicherlich auch mehr Probleme geben, aber dem müssen wir uns stellen."

Der frühere Fürther selbstbewusst: "Wir haben ein paar Jungs dabei, die schon genug Erfahrung auf dem Buckel haben. Um solche Herausforderungen anzunehmen, sind wir ja Profis geworden. Andernfalls hätten wir alle im Amateur-Bereich bleiben können." An den Start geht Schlicke wie schon in seiner ersten MSV-Saison mit der Rücken-Nummer "4". Für ihn ein Novum. "Eigentlich hatte ich bisher jedes Jahr eine andere Nummer. Diesmal behalte ich sie. Vielleicht ist das ja ein gutes Omen."

Autor: tt

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