Noch bevor der Nikolaus überhaupt etwas aus dem Gabensack zaubern konnte, haute Dietmar Grabotin buchstäblich in den eigentlich gerne gesehenen Jute-Beutel.

RATINGEN 04/19: "Grabo" haute in den Sack

08. Dezember 2006, 11:07 Uhr

Noch bevor der Nikolaus überhaupt etwas aus dem Gabensack zaubern konnte, haute Dietmar Grabotin buchstäblich in den eigentlich gerne gesehenen Jute-Beutel.

Noch bevor der Nikolaus überhaupt etwas aus dem Gabensack zaubern konnte, haute Dietmar Grabotin buchstäblich in den eigentlich gerne gesehenen Jute-Beutel. "Grabo", der vor wenigen Wochen noch voll des Lobes über seinen Job bei Ratingen 04/19 war, hatte nun die Faxen dicke.

"Eine ganz emotionale Kiste" stellte Manager Stephan Baur am Rande des 0:3 in Wülfrath fest. Grabotin zürnte mächtig, weil beide Torhüter – Tobi Lindner und Markus Hangert – aus Arbeits- sowie Stau-Gründen zu spät kamen. "So etwas", weiß Baur, "macht Grabo rasend. Bei ihm staute sich einiges an, ich habe da schon ein bisschen gespürt und am Freitag ein gewisses Knistern gemerkt." Ein Umstimm-Versuch aus der Chef-Etage brachte keine Wendung, der Vertrag wurde aufgelöst. Baur: "Dabei wollten wir eigentlich mit ihm verlängern. Er war und ist mein Wunsch-Trainer. In vielen Dingen hat Grabo sicherlich recht. Zum Beispiel in dem Punkt, dass sich die Spieler Mal selbst hinterfragen müssen, ob sie alles für ihren Verein abrufen."

Aber es gibt auch die Kehrseite, die wiederum der ehemalige Osnabrücker einsehen muss. "Wir sind nun Mal nicht der Wuppertaler SV, hier herrschen keine Profi-Bedingungen, unsere Jungs gehen alle normal arbeiten, spielen nebenbei Fußball", verdeutlicht der Sportliche Leiter. Folglich hätten sich beide Seiten irgendwo in der Mitte treffen müssen – diesen Versuch gibt es nun nicht mehr. Mit Grabotin musste auch Oliver Ebersbach gehen. "Der Vorstand wollte eine komplett neue Lösung", erklärt Baur.

Zum Heimspiel gegen RWO II am Freitag Abend wird der Manager in die Rolle des Linien-Chefs schlüpfen und dabei von Torwart-Trainer Ingo Christ unterstützt. "Ich bin Inhaber der B-Lizenz, habe schon Wülfrath in der Verbandsliga und Bayer Wuppertal in der Landesliga betreut. Also ganz neu ist das für mich nicht", sagt Baur und fügt zwinkernd an: "Ein Klinsmann-Modell muss also bei uns nicht her. Wir kriegen das so hin und hoffen im letzten Spiel vor der Winterpause auf einen Erfolg. Das wäre ein richtiges und wichtiges Zeichen." Bei der Trainer-Suche zapft Baur seine Datenbank an, knüpft Kontakte, hat aber die Zeitschiene als Vorteil. "Wir können in Ruhe überlegen, müssen keinen Kandidaten aus dem Hut zaubern. Wir suchen einen neuen Chef und einen Co-Trainer, der die Truppe in der zweiten Halbserie betreut."

Baur selbst erlebt in seinem zweiten Jahr bei 04/19 nach Dirk Pusch, Tim Kamp, Marek Lesniak und Dietmar Grabotin demnächst Coach Nummer fünf. Kontinuität sieht wahrlich anders aus. Ein Punkt, der beim Neu-Besetzen der wichtigen Coach-Position dringend bedacht werden muss, um den Verein mittelfristig wieder dahin zu führen, wo er zumindest mit seinen VIP-Räumlichkeiten hingehört: In die Oberliga Nordrhein.

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