Vor dem Testspiel gegen Rekordweltmeister Brasilien im ausverkauften Berliner Olympiastadion zeigt sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann selbstbewusst. Für den 40-Jährigen spielt das Ergebnis eine große Rolle.

DFB-Elf fordert den Weltmeister heraus

08. September 2004, 09:22 Uhr

Vor dem Testspiel gegen Rekordweltmeister Brasilien im ausverkauften Berliner Olympiastadion zeigt sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann selbstbewusst. Für den 40-Jährigen spielt das Ergebnis eine große Rolle.

Vor seiner Heimpremiere mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Rekordweltmeister Brasilien demonstriert der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann neues Selbstbewusstsein: "Wir haben Respekt vor einer so großen Mannschaft, aber ich mache sie nicht größer als sie ist. Die kochen auch nur mit Wasser." Für ihn spielt das Ergebnis der Partie heute Abend (20.45 Uhr/live im ZDF) im ausverkauften Berliner Olympiastadion eine große Rolle. Es sei ein "besonderes Spiel", denn "ein besseres Länderspiel als gegen Brasilien, und dann noch in Berlin, kann man sich zur Heimpremiere gar nicht vorstellen", sagte Klinsmann

Ballack zieht Fäden im Mittelfeld

Gegen den fünfmaligen Weltmeister setzt der 40-Jährige vor allem auf die Unterstützung der 74.315 Zuschauer. "Ich hoffe, dass wir mit unserer Spielweise dafür sorgen, dass der Funke möglichst früh auf das Publikum überspringt. Dann bin ich sicher, dass sich ein Fußballfest mit einer Gänsehautatmosphäre entwickelt", sagte Klinsmann, der sich bei der Aufstellung noch nicht in die Karten schauen ließ.

Sicher ist, dass der neue Kapitän Michael Ballack im Mittelfeld die Fäden zieht und dabei aller Wahrscheinlichkeit nach von seinem Münchner Vereinskollegen Sebastian Deisler nach dessen einjähriger Nationalmannschaftspause unterstützt wird. "In jedem Training hat er die positiven Eindrücke gefestigt. Zudem merkt man, dass er sich im Umfeld der Nationalmannschaft sehr wohl fühlt", sagte Klinsmann, der seinen Spielern erst am Dienstagabend, spätestens Mittwochvormittag mitteilen wollte, wer gegen Ronaldo und Co. aufläuft.

Brasilien ist ein "anderes Kaliber"

"Ich hoffe, dass Sebastian uns wieder viel Freude bereiten wird", meinte Ballack, der die Revanche für das verlorene WM-Finale 2002 in Yokohama (0:2) als "absolutes Highlight" bezeichnete, für das man die Spieler nicht sonderlich motivieren müsse. "Aber es wird auch wieder Spiele geben, da wird es schwieriger von der Motivation her, auch von den Reisen", fügte der 27-Jährige an. Zunächst steht aber der Kracher gegen die Ballkünstler vom Zuckerhut im Mittelpunkt, die nach einhelliger Meinung von Klinsmann und Ballack "ein anderes Kaliber" darstellen als der erste Saisongegner Österreich (3:1) vor drei Wochen.

Auch für Oliver Kahn hat das Kräftemessen mit Brasilien eine besondere Bedeutung, schließlich patzte er nach zuvor überragenden Leistungen ausgerechnet im WM-Finale vor dem vorentscheidenden 0:1 durch Ronaldo. "Das ist kein Thema", beteuerte der frühere Spielführer und schwor stattdessen lieber seine unerfahrene Abwehr mit Frank Fahrenhorst (1 Länderspiel), Andreas Hinkel (8) und Philipp Lahm (10), denen lediglich Routinier Frank Baumann auf ungewohnter Position zur Seite steht, auf die Nummer eins der Weltrangliste ein. "Sie müssen an sich glauben und dürfen nicht in Ehrfurcht erstarren." Genauso sieht es auch Klinsmann: "Wenn ich Abwehrspieler wäre, würde ich mich auf so ein Spiel freuen. Das ist eine große Herausforderung."

Klinsmann fordert Kampfgeist

Die soll das gesamte Team auch gegen den Rekordweltmeister, gegen Österreich über weite Strecken schon angedeutete neue Strategie anwenden. "Aggressives Zweikampfverhalten, Risikobereitschaft, schnelles Passspiel, viel Laufarbeit ohne Ball, das sind unsere Schlagworte. Und wenn man gewisse Vorgaben umsetzt, tut sich jeder Gegner schwer", meinte Klinsmann, räumte aber ein: "Gegen Brasilien werden wir das kompakte Spiel vielleicht etwas nach hinten verlagern und vorne nicht so sehr Pressing spielen."

Ähnlich wichtig sei aber das Verhalten außerhalb des Spielfeldes, wo der Nachfolger von Rudi Völler seit seinem Amtsantritt Ende Juli schon viele Fortschritte erkannt hat: "Die neuen Dinge sind gut angekommen. Wir wollen für alle ein angenehmes Umfeld schaffen, schließlich haben wir es mit erwachsenen Leuten zu tun. Und es ist wichtig, dass alle Spaß an der Aufgabe haben und dies dann auch auf dem Spielfeld umsetzen."

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