Schon einmal etwas von einem Flashmob gehört? Am Montag, 18. April, gab es mitten in der Dortmunder Innenstadt einen dieser Menschenaufläufe.

BVB: Meisterserie, Teil 6

"Nach Schalke gehe ich nie"

Desirée Kraczyk
02. Juni 2011, 09:07 Uhr

Schon einmal etwas von einem Flashmob gehört? Am Montag, 18. April, gab es mitten in der Dortmunder Innenstadt einen dieser Menschenaufläufe.

Rund 1.500 Personen waren eingetroffen, sie waren für ihn gekommen, für Leonardo de Deus Santos oder auch einfach nur Dede. Der Brasilianer feierte an diesem sonnigen Tag seinen 33. Geburtstag und das machte er nicht alleine. Über die sozialen Netzwerke hatten sich die Anhänger der Dortmunder Borussia für diesen Abend verabredet, um ihren scheidenden Helden an dessen Ehrentag zu huldigen. Gerechnet wurde vorab mit 200 Fans, es wurden deutlich mehr.

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Gefeiert wurde Dede auch bereits einen Tag zuvor. Gegen den SC Freiburg wurde er in der 82. Minute für Mario Götze eingewechselt, jede Ballberührung anschließend frenetisch bejubelt. „Als der Trainer mich gerufen hat, konnte ich es gar nicht glauben“, sagte Dede später. „In letzter Zeit saß ich immer nur auf der Bank und das tut sehr weh.“ Nach Abpfiff verweilte der Publikumsliebling noch lange bei den Anhängern, kletterte auf den Zaun der Südtribüne, schenkte den Zuschauern sein Trikot und ließ sich auch zu einer Ehrenrunde hinreißen. Die Liebe der Dortmunder Fans verglich er später mit der Liebe, die eine Mutter ihren Kindern entgegenbringt. Dede sagte aber auch: „Ich hätte gerne mein Leben lang hier gespielt.“

Es war wohl einer der schlimmsten Tage seines Lebens, als er mit den BVB-Verantwortlichen im März vereinbarte, dass es Zeit ist für eine Trennung. Und das nach 13 Jahren, in denen Dede sowohl die goldenen Zeiten, als auch die Krise der Dortmunder miterlebte. Nach dem Gespräch mit Michael Zorc fuhr der Linksverteidiger zum verwaisten Signal Iduna Park und heulte sich eine Stunde lang aus.

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Und Tränen kullerten auch anschließend immer wieder über die Wangen des Flügelflitzers, der über 300 Spiele für die Borussia bestritten hat, mittlerweile aber von Marcel Schmelzer verdrängt wurde. Es waren insbesondere aber auch Tränen der Rührung. Das, was Dede in den 13 Jahren für den Verein getan hat, versuchten die Fans und auch die Spieler dem Südamerikaner, der einst als 20-jähriges Talent von Atletico Mineiro ins Ruhrgebiet gekommen war, zurückzugeben.

Da wäre zum Beispiel die herzergreifende Aktion des 18-jährigen Mario Götze. Der Jung-Nationalspieler zelebrierte seinen Treffer zum 1:1 gegen Hannover 96 am 28. Spieltag auf besondere Art und Weise. Götze klemmte sich den unteren Trikotsaum zwischen die Zähne und präsentierte ein gelbes T-Shirt mit der Nummer 17 und dem Schriftzug Dede sowie dem BVB-Emblem. Schnurstracks rannte Götze in Richtung hintere Torlinie, aber der Angesprochene hatte längst sein Aufwärmprogramm unterbrochen und lief dem Youngster entgegen, umarmte ihn und strich ihm über den Kopf. „Ich habe es gesehen, konnte es aber nicht glauben“, erklärte der Südamerikaner nachdem er seine Fassung wiedergefunden hatte. „Das war die größte Überraschung in meinem Leben. Das ist ein großes Geschenk von einem gerade einmal 18-jährigen Jungen für einen Opa wie mich“, sagte Dede. „Ich habe mich schon hundertmal bedankt. Und ich werde mein ganzes Leben lang Danke sagen.“ Götze hingegen wollte seine besonderen Jubel gar nicht großartig kommentierten. „Er hat mir viel geholfen in der Zeit, seitdem ich in der 1. Mannschaft bin. Ich verstehe mich richtig gut mit ihm, deswegen diese Geste.“

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Und so war es Kevin Großkreutz, der „Dortmunder Junge“, der es auf den Punkt brachte: „Ich vermisse Dede eigentlich jetzt schon. Er ist ein überragender Mensch. Was er für den BVB geleistet hat, davon können sich einige eine Scheibe abschneiden.“ Großkreutz muss es wissen, schließlich stand er vor einigen Jahren noch als Fan auf der Südtribüne und hätte es nicht für möglich gehalten, dass er eines Tages gemeinsam mit dem einmaligen brasilianischen Nationalspieler die Deutsche Meisterschaft gewinnen würde. Im Sommer wird sich Großkreutz zudem mit Dede, der auch einen deutschen Pass besitzt, in dessen Heimat aufmachen.

Ein Wiedersehen könnte es auch in der kommenden Saison geben, denn Dede, der in Dortmund „die beste Zeit meines Lebens“ erlebte, wird seine Karriere eventuell in der Bundesliga fortsetzen. Bisher steht allerdings nur eins sicher fest: „Nach Schalke gehe ich nie!“

Autor: Desirée Kraczyk

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