Rassismus

Kosi Saka: "Eine Entschuldigung habe ich bis heute nicht bekommen"

Dominik Hamers
18. November 2020, 14:35 Uhr
Kosi Saka (M.) im September während des Spiels beim ETB SW Essen. Foto: Tillmann

Kosi Saka (M.) im September während des Spiels beim ETB SW Essen. Foto: Tillmann

Rund ein Monat ist seit dem Vorfall vergangen. Im Meisterschaftsspiel zwischen der TVD Velbert und den Sportfreunden Baumberg soll Ex-Profi Kosi Saka Opfer einer rassistischen Bemerkung geworden sein. Wir sprachen mit dem 34-Jährigen über die Zeit danach.

Kosi Saka, vor einigen Wochen hat es einen Vorfall während eines Spiels gegeben. Sie sollen von einem Linienrichter rassistisch beleidigt worden sein. Was ist danach passiert?
Danach ist nicht viel passiert. Es gab Aufruhr wegen des Youtube-Videos, das ich gemacht habe. In dem Video habe ich über die Vorfälle bei unserem Spiel und in Zusammenhang mit Youssoufa Moukoko gesprochen Einige Leute haben sich bei mir gemeldet und mir gesagt, dass es ein sensibles Thema ist und ich besser aufpassen soll. Ich habe erwidert, dass man da überhaupt nicht aufpassen muss, sondern es ansprechen sollte.

Was hätten Sie sich seitens des Verbands gewünscht?
Zumindest eine öffentliche Stellungnahme. Einer der Verantwortlichen des FVN (Fußballverband Niederrhein, Anm. d. Red.) hat den Schiedsrichter der Partie darum gebeten, etwas zu dem Vorfall zu sagen. Doch die Antwort war nur, dass er nichts gehört hat. Eine Entschuldigung habe ich bis heute nicht bekommen.

Sondern?
Ein Funktionär des Verbandes hat sich gemeldet und wollte mich auf einen Kaffee treffen, um über die Sache zu sprechen. Das habe ich abgelehnt. Hätte sich der beschuldigte Linienrichter gemeldet, hätte ich dem Treffen zugestimmt.

Wie wären Sie vorgegangen?
Zunächst einmal hätte ich mich beim Spieler entschuldigt. Und ich hätte die Sachlage geprüft. Bei uns Spielern ist es nach einem Foul oder eine Tätlichkeit doch so, dass wir bis zur endgültigen Klärung nicht spielen dürfen. Warum ist das bei einem Linien- oder Schiedsrichter nicht auch so?

Leider hat es in den vergangenen Monaten immer wieder Beleidigungen gegen PoC gegeben. Zuletzt auch gegen Breel Embolo und Youssoufa Moukoko. Macht Ihnen das Angst?
Auf jeden Fall, vor allem für die jüngere Generation. Wir bringen Kindern und Jugendlichen bei, dass sie bei der Bewertung von Menschen keine Hautfarbe oder Religion sehen sollen. Und dann passieren solche Dinge. Es ist die Zeit gekommen, dass die Verbände sich zusammentun und Wege finden, um Probleme zu lösen. Der Rassismus ist natürlich nicht das einzige Problem. Aber dazu müsste man sich Gedanken machen und nicht nur das Geld sehen, das man mit Fußball verdienen kann.

Lange Zeit war davon nur wenig zu hören. Täuschte der Eindruck oder war es tatsächlich ruhig?
Für mich war es nie ruhig. Wenn du schwarz bist oder anders aussiehst als die meisten Menschen, musst du dir immer etwas anhören. Allerdings bekommst du mehr mit, wenn du vor 300 Zuschauern spielst, als würdest du vor 80.000 spielen. In einem großen Stadion fallen auch schlimme Bemerkungen, aber sie werden nur von wenigen Menschen gehört und daher auch meistens nicht bestraft.

Wie sollte man sie denn bestrafen?
Mit Stadionverbot, und zwar nicht nur in dem Stadion, in dem es passiert ist.

Glauben Sie, dass es jemals aufhört?
Rassismus wird nie aufhören, aber du kannst dagegen kämpfen.

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18.11.2020 - 18:10 - solinger

Ich habe 30 Jahre Aktiv gespielt wenn ich auf die etlichen Entschuldigungen warte die mir Spieler mit Migrationshintergrund an den Kopf geworfen haben würde ich seid 2000Jahren nicht mehr Leben.

18.11.2020 - 17:05 - solinger

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