5:0!

FCB erteilt BVB eine Lehrstunde

Sebastian Weßling
06. April 2019, 20:24 Uhr

Foto: firo

Marco Reus hob beide Arme und ließ sie dann wieder schlaff herabsinken. Resignativ sah das aus und fast ein bisschen hilflos. 

Eben hatte Borussia Dortmund eine seiner wenigen Kontergelegenheiten recht tölpelhaft liegenlassen, indem der im Abseits stehende Reus angespielt wurde. Nicht, dass es noch groß etwas geändert hatte, der BVB lag beim FC Bayern München schon 0:4 zurück, am Ende hieß es 0:5 (0:4) aus BVB-Sicht – doch die Szene war durchaus sinnbildlich für diesen Samstagnachmittag: Den Dortmundern gelang kaum etwas – was auch mit Reus zu tun hatte. Die Bayern dagegen zeigten eine regelrechte Machtdemonstration, stürmten auf furiose Art und Weise zurück an die Tabellenspitze – und beim BVB muss man nun hoffen, dieses Spiel möglichst schnell aus den Köpfen zu kriegen.


Es begann bereits mit einer rätselhaften Aufstellung: Dass Lukasz Piszczek und Abdou Diallo nach überstandenen Verletzungen wieder spielten, entsprach noch einigermaßen den Erwartungen. Dass aber Mario Götze auf der Bank saß, obwohl Mittelstürmer Paco Alcácer die Reise nach München wegen einer Verletzung am Arm gar nicht erst angetreten hatte, verblüffte dann doch. Statt seiner lief Mahmoud Dahoud in der Startelf auf, Kapitän Reus rückte ins Sturmzentrum. Trainer Lucien Favre setzte also auf Tempo, auf schnelle Konter – doch das ging nur ein einziges Mal ansatzweise auf: Reus und Jacob Bruun Larsen kombinierten sich über den linken Flügel nach vorne, Reus legte zurück auf Dahoud, der von der Strafraumgrenze den Pfosten traf (6.). 

Es sollte das einzige Mal bleiben, dass die Dortmunder Angreifer ihre Schnelligkeitsvorteile gegen die Münchener Innenverteidiger ausspielen konnten, Favres Plan ging dieses Mal vollkommen schief: Reus war in der Spitze nahezu komplett abgemeldet, fehlte als Ideengeber im Mittelfeld. Dahoud gelang wenig, womit er allerdings kaum negativ auffiel. An diesem Abend spielte nur der FC Bayern. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc, Trainer Lucien Favre – sie alle hatten vor diesem Spiel einen mutigen Auftritt gefordert. Doch die Dortmunder traten nicht auf wie ein Tabellenführer, sondern wie ein Abstiegskandidat, der hofft, die Niederlage irgendwie in Grenzen zu halten. Wie das Kaninchen erstarrten sie vor der Schlange. Es fehlte an Überzeugung, im Spiel nach vorne ebenso wie in der Arbeit gegen den Ball. Die Bayern konnten in Seelenruhe hinten herauskombinieren, den Ball irgendwann zu ihren schnellen Flügelspringern bringen und setzten sich permanent um den Dortmunder Strafraum fest.

Schon in der ersten Minute köpfte Mats Hummels nach einem Thiago-Eckball knapp vorbei, neun Minuten später durfte er noch einmal und brachte den Ball aus fast identischer Position am kurzen Pfosten im langen Eck unter (10.). 

Die Dortmunder waren sichtlich von der Rolle, allen voran Dan-Axel Zagadou: Als letzter Mann spielte er den Ball in den Fuß des lauernden Robert Lewandowski, der Roman Bürki überlupfte und per Seitfallzieher aus 20 Metern zum 2:0 vollendete (17.) – es war sein 200. Bundesligator. Und wäre da nicht Bürki gewesen, der polnische Mittelstürmer hätte schon in der ersten Halbzeit einen Dreierpack beisammen gehabt. Doch der BVB-Torhüter hielt mehrmals stark gegen den Ex-Dortmunder (18./38.) und auch gegen den zweiten früheren BVB-Profi Mats Hummels (31.), der zudem einmal vorbeiköpfte (39.). Doch auch Bürki konnte nicht verhindern, dass sich schon zur Halbzeitpause ein Debakel abzeichnete: Thiago führte einen Freistoß blitzschnell aus, gegen den freistehenden Thomas Müller parierte Bürki noch – war dann aber machtlos, als Javi Martinez den Abpraller ins Tor zimmerte (41.). Und es kam noch schlimmer: Wieder spielten sich die Hausherren gemächlich vom eigenen Tor nach vorne, am Ende ließ Abdou Diallo Müller flanken, Serge Gnabry entwischte im Rücken von Manuel Akanji und köpfte zum 4:0 ein (43.).

Favre reagierte zur Pause, brachte Julian Weigl für den völlig indisponierten Zagadou. Am Spiel änderte das wenig: Die Bayern ließen es nun zwar deutlich ruhiger angehen – wirkten aber stets gefährlich, wenn sie mal das Tempo anzogen. Die BVB-Spieler kamen dann und wann mal über die Mittellinie, versuchten ein paar Konter, die aber schlampig ausgespielt wurden und in Fehlpässen oder Abseitspositionen versiegten. 

Favre brachte noch Mario Götze für Dahoud und Marius Wolf für Piszczek, ansonsten plätscherte die Partie ihrem Ende entgegen. Die Bayern verwalteten das Spiel souverän seinem Ende entgegen – und legten kurz vor Schluss noch einmal nach: Gnabry lief auf der rechten Seite wieder einmal davon und legte quer auf Lewandowski, der nur noch einschieben musste (89.). 

Die Dortmunder waren nie auch nur ansatzweise auf Augenhöhe – und müssen nun hoffen, diese Abreibung möglichst schnell aus den Köpfen zu bekommen.

Autor: Sebastian Weßling

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Kommentieren

07.04.2019 - 08:36 - Spieko

SuSler

einfach nur indiskutabel, was du da aufs Papier bringst...

07.04.2019 - 02:17 - SuSler

Ihr seid die würdigen Nachfolger des S04. In diesem Jahr Vizemeister und im nächsten Jahr Abstiegskampf.

06.04.2019 - 22:03 - rotweissmarkus

Vorher konnte man schon sagen das gibt ein ganz anders Spiel als Bayern gegen Heidenheim .
Schade ich hätte es Dortmund gegönnt .

06.04.2019 - 20:42 - soso

Das war unterirrdisich von schwarz gelb.

Oder, ein Trainingsspiel für die Bauern.

Gut, dass sie nur 50 Min. Fußball gespielt haben, es wäre ein 0:9 geworden.

Haben diese Reus, Witzel und Sanchos überhaupt mitgespielt ?

06.04.2019 - 20:41 - Kuk

Gratulation nach Süddeutschland !
Sie waren von Kovac perfekt eingestellt und haben die BVB-Schwächen deutlich aufgezeigt.
Regenerieren, Fehler analysieren und abstellen !!!
Es sind noch sechs Spiele und fünf Siege könnten dem zum Titel reichen !

06.04.2019 - 20:39 - Kuk

Kapitalismis pur !
Der Verein mit dem weitaus größten Budget hat die größten Möglichkeiten.
Wenn sie keine gravierenden Fehler machen, haben wir auf Jahre eine langwerilige Bundesliga.

06.04.2019 - 20:32 - zivilpolizei

Eine kleine Nachtlektüre für den Vizemeister.

Die Bayern-Demonstration der ersten Hälfte in Zahlen:
? 15:3 Torschüsse – davon 8:0 Kopfballtorschüsse!
? 60 % Spielanteile
? 54 % gewonnene Zweikämpfe
? 8:1 Ecken

06.04.2019 - 20:30 - firlefanz1905

aua, das hat weh getan. tja liebe dortmunder, war wohl bzw. wird nix mit der meisterschaft. wie hatte man Favre noch hochgelobt :-)))

06.04.2019 - 20:27 - zivilpolizei

Mit einer 0:5 Klatsche ab zurück nach Doofmund