Bald könnten beim TC Freisenbruch Chinesen mitbestimmen

14.01.2019

Kreisliga A Essen

Bald könnten beim TC Freisenbruch Chinesen mitbestimmen

Foto: TC Freisenbruch

Die erste Mannschaft des Essener A-Kreisligisten TC Freisenbruch wird von 615 Teammanagern geführt. Nun wollen die Essener auch das Interesse in China wecken.

An diesem Dienstag startet für die Fußballer des TC Freisenbruch die Vorbereitung auf die Rückrunde in der Kreisliga A. Ohne Trainer Peter Schäfer. „Der Co-Trainer wird übernehmen. Aber das Interesse wird wahrscheinlich nicht so groß sein“, sagt Geschäftsführer Gerrit Kremer. Der 38-Jährige wird ebenfalls fehlen.


Nein, der Verein steht nicht vor dem Zusammenbruch. Der Blick wird diese Woche nur gen Osten gehen, ziemlich weit sogar gen Osten. Schäfer und Kremer und Beirat Peter Wingen begeben sich auf eine Reise nach China. Im Land der aufgehenden Sonne soll der digitale Stern des Kreisligisten aufgehen. Auf der ISPO Bejing in Chinas Hauptstadt Peking darf der Essener Verein ab Mittwoch sein Online-Projekt vorstellen. Und wenn möglich das Interesse des chinesischen Marktes wecken. „Man muss schauen, wie sich das entwickelt“, sagt Kremer. „Grundsätzlich sind wir dafür offen.“

Abstimmen über Aufstellung und Würstchenpreise

Die erste Mannschaft des TC Freisenbruch wird von einer Online-Community geführt. Für fünf Euro im Monat können die Internet-Nutzer auf der Homepage mitbestimmen – über Aufstellung, Trainerentlassung, Würstchenpreise. Stand jetzt hat Freisenbruch 615 Teammanager auf der ganzen Welt. „Die Meinung vieler Experten hat uns neugierig gemacht. China ist ein durchaus interessanter Markt. Je größer unsere Community ist, desto größer sind die Möglichkeiten im Verein“, sagt Kremer.

ESPN-Artikel machte Verein bekannt

Der Verein hat sein Zuhause im Osten Essens, ist aber längst über die Grenzen des Waldstadions Bergmannsbusch bekannt. In Deutschland verschaffte sich der TC Freisenbruch schnell Aufmerksamkeit mit seiner Idee, die erste Mannschaft von einer Online-Community leiten zu lassen. Doch ein Bericht des ESPN-Reporters Iain Macintosh machte den Kreisligisten auch international bekannt. Der britische Buchautor ist großer Fan von Fußballmanager-Spielen und veröffentlichte 2017 einen englischsprachigen Artikel über Freisenbruch. „Von Westhollywood bis Australien“, hätten sich danach Nutzer registriert. „Wir haben mehr Fanartikel im Ausland verkauft als in Deutschland“, sagt Kremer.

Und jetzt die nächste Stufe. China. Bei einer Fußball-Veranstaltung in Frankfurt wurde Kremer auf einen Bericht in der chinesischen Fußball-App Allfootball angesprochen. „Da standen tausende Kommentare unter einem Artikel über uns.“. Wenig später bezog Freisenbruch einen Stand beim China-Forum der NRW-Bank in Duisburg. Kurz danach kam die Einladung nach Peking, und natürlich wurde auch darüber im Internet beraten. „In der Community ist die Asientour durchaus gut angekommen“, sagt Kremer. Problematisch könnte nur der Zugang für Manager aus China werden. Bezahlmöglichkeiten wie Paypal gibt es dort nicht, Facebook ist in China gesperrt. „Da gibt es noch ein paar Hürden.“

"Kein Bier für null Euro"

Die musste Gerrit Kremer im Verein nicht überwinden. Wie viele alteingesessene Sportvereine erreichte der TCF den Punkt, an dem nach langen Diskussionen wirklich etwas geschehen muss. Das Projekt Online-Teammanager überzeugte. Um die Gemeinnützigkeit nicht zu verlieren, wurde die erste Mannschaft ausgegliedert. Kremer, Schäfer und Wingen gründeten die Sportagentur Doppelpass, die das Projekt verantwortet. Die Geschicke der Mannschaft liegen seitdem nicht mehr an der Seitenlinie, sondern im Internet. „Der Aufwand ist natürlich enorm, weil wir viele Inhalt produzieren müssen“, sagt Kremer. 

Auf der Internetseite des TC Freisenbruch werden die Nutzer mit Trainingsanalysen, Werten und Videos versorgt, damit Teammanager in Australien oder den USA eine Grundlage für ihre Entscheidungen haben. Einige Einschränkungen gibt es dennoch: Damit ein Torwart nicht plötzlich im Sturm spielt, sind für jeden Spieler zwei Positionen festgelegt. Abstimmung über Preise sind meistens solche, die einen Mittelwert liefern sollen. „Man kann ja nicht Bier für null Euro ausgeben“, sagt Kremer. „Aber gerade bei Preisen machen sich die Teammanager viele Gedanken. Das wird sehr ernst genommen.“

Angebote für Spieler werden ebenso transparent gemacht wie der Etat. „Im Fußball wird daraus oft ein großes Geheimnis gemacht, aber eigentlich weiß doch jeder, was ein Spieler, was ein Trainer verdient“, sagt Kremer. Und bald auch Freisenbruch-Fans in China. Dafür hat das Trio Flyer auf Chinesisch im Gepäck.

Autor: Dominik Loth

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