Waren das Zeiten!

Duisburg: Das Duell der Traditionsvereine: Gelb-Weiß Hamborn gegen MTV Union Hamborn

Torschütze brach sich erneut den Arm

Moritz Rieckhoff
10. Dezember 2006, 14:54 Uhr

Waren das Zeiten! "Früher", so erinnerte sich Adolf Ackermann, Geschäftsführer und Ex-Aktiver bei Gelb-Weiß Hamborn, "da haben wir die Derbys vor mehr als 1000 Zuschauern ausgetragen. Da war die heutige Spielpaarung noch ein echter Zuschauermagnet". Doch das ist lange her. Lediglich rund 80 Zuschauer wollten sich am Samstag das Derby zwischen Gelb-Weiß Hamborn und MTV Union Hamborn ansehen. Auch wenn es "nur" noch ein Spiel in der Kreisliga A ist, war es im Vorfeld der Partie zwischen Anhängern beider Klubs zu Stichelein und Provokationen gekommen.[i] Ein Ortstermin[/i]

Auf der Hompage der Unioner hatten "Gelb-Weisse" unschöne Grüße im Gästebuch des Lokalrivalen hinterlassen und auch auf der eigenen Hompage war der Gast, dessen Sportanlage nur 100 Meter von der des Gastgebers entfernt liegt, als Kanonenfutter abgestempelt worden.

Ein Vorlage, die Gästetrainer Thorsten Ahl dankend annahm und für seine Interessen zu nutzen wusste: "Ich habe die Sprüche unseres Gegners ausgedruckt und in der Kabine an die Wand gehängt. Besser als der Gegner hätte ich meine Jungs nicht motivieren können."

Motiviert und bissig begann der Tabellenelfte dann auch und wäre in der zweiten Spielminute beinahe in Führung gegangen. Doch Marco Dyba segelte nach einer schönen Flanke von Udo Nünninghof knapp am Leder vorbei. In der Folgezeit ergriff der Tabellenvierzehnte dann aber die Initiative und erspielte sich einige gute Torschancen. Alleine Kamil Eminoglu hätte in der achten und in der 30. Spielminute das 1:0 für die Hausherren markieren müssen, doch beide Male setzte er den Ball am herrausstürmenden Gästekeeper und am Tor vorbei.[infobox-right]Das Derby
Der Begriff stammt aus England. Zu einer Zeit, da das Spiel noch nicht viel mit dem heutigen Sport gemeinsam hatte, traten in England Dorfgemeinschaften zum sogenannten "Shrovetide-Fußballspiel" gegeneinander an. Teilnehmer dieses Events waren Einwohner benachbarter Gemeinden des Dorfes Ashbourne in der Region Derbyshire. Ziel des Wettkampfes war es das gegnerische Tor, in diesem Fall einen Mühlstein, mit einem Ball zu treffen. Die beiden Ziele lagen dabei etwa drei Meilen auseinander. Teilnehmer waren bis zu 1000 Spieler. Regeln gab es dabei nicht wirklich, es war freigestellt, auf welche Weise der Ball das Tor traf, so wurden nicht nur die Füße benutzt, um zu gewinnen.[/infobox]

So kam es, dass sich die Gastgeber trotz eines deutlichen Chancenplus zur Halbzeit mit einem 0:0 begnügen mussten.

Und Union? Die Gäste wirkten in der Spielanlage reifer als ihr Gegenüber und hatten in Person von Pierre Szterlicht einen echten "Zehner" auf dem Platz. Dennoch erspielten sie sich kaum ernstzunehmende Torchancen und blieben immer wieder im gut organisierten Deckungsverbund des Lokalkonkurenten stecken. Der letzte, entscheidende Pass wollte in Halbzeit Eins einfach nicht ankommen.

Das sollte sich nach dem Pausentee ändern. Hatten die Gastgeber in der ersten Hälfte ihre Chanchen noch generös ausgelassen, so machte das der Gast nach der Pause besser. Die Ahl-Elf wusste ihre spielerische Überlegenheit nun auch in Zählbares umzumünzen. In der 51. Spielminute pfiff der Unparteiische nach einem Foul an Dennis Totan völlig zurecht Elfmeter für den MTV. Pierre Szterlicht verwandelte eiskalt und ließ GW-Torhüter Dennis Kucharski keine Chance.

Die Unioner standen im Deckuncksverbund, dirigiert von Kapitän Markus Deikx, nun sicher und ließen bis auf einen Lattentreffer in der 70. Spielminute hinten nichts mehr anbrennen. Dafür legten sie im Angriff noch eine Schippe drauf. In der 62. Spielminute stand der bis dahin gut spielende Marco Dyba goldrichtig und schob das Leder nach schöner Vorarbeit von Dennis Totan zum 2:0 für die Gäste ins Netz.

Wenig später krümmte sich der Torschütze dann mit schmerzverzehrtem Gesicht auf der Asche. Nach einen harmlosen Zweikampf war der Auszubildende unglücklich auf den rechten Arm gefallen und hatten sich diesen zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres gebrochen.

Der Gast ließ sich auch durch die schwere Verletzung des Mitspielers nicht beeindrucken und markierte in der 88. Spielminute, durch den kurz zuvor eingewechselten Peter Maezano, das 3:0. Während die Elf nun ausgelassen feierte, machte sich bei den Gelb-Weißen und deren Trainer Klaus Placzek Resignation breit. Nach der zu jeder Zeit fairen Partie wusste der Linienchef genau, was falsch gelaufen war: "Wir haben das Spiel in der ersten Hälfte verloren. Wenn wir nur ein Bruchteil unserer Chancen verwertet hätten, wären wir als Sieger vom Platz gegangen."

Sein Gegenüber Thorsten Ahl freute sich indess wie ein Schneekönig über den ersten Auswärtssieg seiner Mannschaft: "Wir wollten hier unbedingt gewinnen. Gerade nach den Sticheleien und den ganzen Provokationen im Vorfeld tut es einfach gut, den Platz als Sieger zu verlassen."

Autor: Moritz Rieckhoff

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