BVB: Amoroso mit Seelen-Pein pur!

rk
19. Dezember 2003, 11:22 Uhr

Zwischen deutscher Sachlichkeit und brasilianischer Emotion: In Dortmund ist nach der Rückkehr von Marcio Amoroso längst keine Ruhe eingekehrt. Präsident Dr. Gerd Niebaum sieht sogar eine "Bohlen-Tendenz" beim ehemaligen Torjäger.

Deutsche Sachlichkeit: "Marcio Amoroso, brasilianischer Stürmer des BVB, ist der Aufforderung von Borussia Dortmund nachgekommen und am Dienstag-Morgen nach Dortmund zurück gekehrt. Der 29-Jährige wird sich in den nächsten Tagen zu einem Gespräch mit der Dortmunder Vereinsführung treffen und einer ärztlichen Untersuchung unterziehen", vermeldet die Borussen-Pressestelle die Rückkehr der "Diva" vom Zuckerhut.
Brasilianische Emotionen: "Marcio ist sehr traurig, dass sich weder Dr. Gerd Niebaum, Michael Meier oder sonst jemand bei ihm persönlich erkundigt hat, wie es ihm geht", verkündet Rechtsanwalt Dr. Pedro Adib die ersten seelischen Schmerzen des Torjägers.

Die beiden Statements hätten die verhärteten Fronten nicht besser ausdrücken können. Beide Seiten schmollen, aber aus unterschiedlichen Gründen, doch in Sachen feuriger Inszenierung sind die Südamerikaner halt einfallsreicher. "Ich freue mich, wieder in Dortmund zu sein", warf der Goalgetter ein verbales Zuckerstückchen hin, das er direkt mit einem Essigtropfen krönte: "Dass ich aber nicht meine Mannschaftskameraden besuchen durfte, ist genau so, als ob meine Kinder nicht sehen darf." Dabei hatte sich der Torschützenkönig des Meisterjahres allerdings immerhin seit dem 11. Dezember als Rabenvater gezeigt und zuvor wenig Sehnsucht an den Tag gelegt. Immerhin hätte er bereits vor vier Wochen, nämlich am 18.November, sich im Revier einer medizinischen Untersuchung stellen müssen. Die ist für die "Graue Eminenz" Dr. Nivaldo Baldo ohnehin überflüssig: "Er muss operiert werden, da sein Knie instabil ist."

Sicherheitshalber möchte sich BVBs Vereins-Arzt Dr. Markus Braun selbst davon überzeugen. Wahrscheinlich am heutigen Donnerstag, auch wenn der Termin von den Club-Bossen nicht bestätigt wird. Michael Zorc: "Selbstverständlich haben wir einen Zeitplan, den werden wir aber aufgrund des Medienrummels nicht bekannt geben." Leicht angesäuert ergänzt der Sportdirektor: "Fragen Sie doch lieber das Deutsche Sportfernsehen, die scheinen ja direkt neben ihm zu schlafen." Zur Erläuterung: Im DSF hatte Amoroso während seines Heimataufenthaltes und unmittelbar nach seiner Flughafen-Landung in Frankfurt am Main um fünf Uhr früh Statements abgegeben. Und gerade das Austragen der Meinungsverschiedenheiten über die Medien sorgt auf der BVB-Führungsetage für Zornesröte. Dr. Niebaum: "Dann befinden wir uns auf dem Niveau von Dieter Bohlen." Zumindest ein Datum ließ sich Zorc entlocken: "Bis zum Wochenende ist die Geschichte über die Bühne."

Eigentlich geht es ja nur um die Höhe der Geldstrafe, die dem "Rückkehr-Verweigerer" aufgebrummt wird, da an der medizinischen Notwendigkeit auch aus Dortmunder Sicht keine Zweifel bestehen. Amoroso wird sich Anfang des Jahres in den USA bei Dr. Gregory V. Hickman am Kreuzband operieren lassen müssen. Danach ist eine Zwangspause von mindestens sechs Monaten unumgänglich. Frühestens könnte der "Künstler" dann zum Saisonstart 2004/2005 sich wieder den schwarz-gelben Dress überstreifen. Ob die Borussen-Fans aber sehr großen Wert darauf legen, ist äußerst zweifelhaft, da die Unmutskundgebungen gegenüber dem einstiegen Liebling nicht zu überhören sind. Seine Mitspieler dagegen sehen die Sachen weitaus neutraler. Jan Koller: "Über die Angelegenheit an sich habe ich zu wenige Informationen, doch als treffsicheren Stürmer vermisse ich ihn." Auch Tomas Rosicky stellt klar: "Man sollte ihn nicht fallen lassen, da wir ihn aus sportlicher Sicht brauchen." Der Kontrakt des Mannes, der vor zweieinhalb Jahren für etwa 26.000.000 Euro vom AC Parma kam, läuft noch bis 2005.

Autor: rk

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