Die erste Idee war diesmal offenbar nicht die beste, denn sie wurde von den Verantwortlichen schnell wieder verworfen. Nach der Schulter-Operation von Roman Weidenfeller am letzten Samstag sollte zunächst Marc Ziegler die Nummer Eins im BVB-Tor werden, Regionalliga-Torwart Marcel Höttecke aufrücken und in der deutschen Eliteliga auf der Bank sitzen.

Roman Weidenfeller und Marc Ziegler wohl kaum „amused“

Angedachte Lehmann-Verpflichtung birgt eine Menge Sprengstoff

rk
31. Dezember 2007, 15:43 Uhr

Die erste Idee war diesmal offenbar nicht die beste, denn sie wurde von den Verantwortlichen schnell wieder verworfen. Nach der Schulter-Operation von Roman Weidenfeller am letzten Samstag sollte zunächst Marc Ziegler die Nummer Eins im BVB-Tor werden, Regionalliga-Torwart Marcel Höttecke aufrücken und in der deutschen Eliteliga auf der Bank sitzen.

Das bestätigte Heinz Keppmann, der Leiter der Amateur-Abteilung: „Davon sind wir aber wieder abgekommen, weil wir die Entwicklung von Marcel nicht unterbrechen wollen und außerdem haben wir mit unserem Team das Ziel, in die neue dritte Liga einzuziehen.“ An den Qualitäten des 20-Jährigen zweifelt Keppmann nicht ansatzweise, ganz im Gegenteil: „Er wird in zwei Jahren in der Bundesliga spielen und nicht auf der Bank sitzen.“

Dort soll allerdings weiterhin Ziegler seinen Stammplatz haben, obwohl er in den drei Erstligapartien, in denen er den gesperrten Weidenfeller vertrat, ohne Gegentor blieb (Energie Cottbus 3:0, bei Hansa Rostock 1:0 und Werder Bremen 3:0) und die Borussen auch die zwei Pokalspiele, bei denen der 31-Jährige zwischen den Pfosten stand, siegreich gestalteten (in Magdeburg 4:1 und Eintracht Frankfurt 2:1).

Der für rund 100.000 Euro aus Bielefeld gewechselte Akteur genießt in der Branche zudem einen exzellenten Ruf, denn Bernd Dreher, seines Zeichens Torwarttrainer beim FC München, hat ihn sogar beim Rekordmeister ins Gespräch gebracht (RevierSport berichtete), wenn Oliver Kahn am Ende der laufenden Saison in den Ruhestand geht. Hinter Michael Rensing soll er dann auf die zweite Position rücken. „Das Interesse ehrt mich, aber ich stehe schon jetzt bei einem erstklassigen Verein unter Vertrag“, will sich Ziegler zu diesem Gedankenspiel verständlicherweise nicht weiter äußern.

Konkreter wird dagegen die BVB-Führungsetage, die, obwohl sie jeden Kommentar dazu verweigert, offenbar lieber Jens Lehmann wieder zurück ins Revier holen möchten. Aus London kommen dazu immer neue, vor allem aber unterschiedliche Meldungen. So verkündet Arsenal-Coach Arsene Wenger einmal: „Ich würde mich freuen, wenn Jens bei uns bleibt.“ Keine 24 Stunden später erklärt er: „Wenn er zu mir kommt und sagt, dass er nur bei der EM im Tor steht, wenn er irgendwo regelmäßig spielt, dann werde ich ihm helfen. Ich werde ihm nicht im Weg stehen." Außerdem melden britische Medien, dass bereits Ersatz für den Deutschen gefunden wurde. Heinz Müller, der zuvor für Arminia Bielefeld sowie Hannover aktiv war, soll für rund zwei Millionen Euro aus Barnsley zu den „Gunners“ kommen.

Die Freude über ein Lehmann-Comeback in Schwarz und Gelb dürfte sich bei zwei Borussen in sehr engen Grenzen halten. Auf der einen Seite dürfte sich Ziegler die Frage stellen, warum ihn der BVB überhaupt verpflichtet hat. So beschenkte Coach Thomas Doll Weidenfeller bereits während seiner Sperre mit einer Einsatzgarantie nach der dreiwöchigen Pause, als dieser dann nicht zur alten Form zurückfand, änderte er an dieser Strategie nichts. Außerdem ist aus der gemeinsamen BVB-Zeit bekannt, dass Weidenfeller sowie Lehmann ein eher gespanntes Verhältnis miteinander pflegen. Bleibt die Frage, wie lange die beiden, wenn der Ex-Schalker tatsächlich nach Dortmund kommen sollte, ihre „alte Liebe“ pflegen können.

Für ein halbes Jahr? Im Fußball ist zwar alles möglich und Lehmann könnte in erster Linie die Europameisterschaft im Blick haben und anschließend die Handschuhe an den berühmten Nagel hängen. Doch warum sollte er? Der VfL Wolfsburg, dem er eine Absage erteilte, und angeblich auch Manchester City locken mit längeren Offerten. Also bis 2009, genauso lange steht übrigens auch Weidenfeller bei den Borussen noch unter Vertrag.

Eine Verpflichtung des Nationaltorwarts ist also nicht ohne Zündstoff, auch finanzieller Art. Lehmann verdient auf der Insel rund 2,5 Millionen Euro. Selbst wenn er in Dortmund Abstriche machen sollte, werden die sich wahrscheinlich im Rahmen halten. Immer noch eine Menge Geld für einen Klub, der trotz der fortschreitenden finanziellen Gesundung weiterhin nicht auf Euro-Rosen gebettet ist und innerhalb der Mannschaft größere Baustellen (rechte, hintere Außenbahn, Spielgestalter) bearbeiten muss als die auf der Nummer Eins.

Autor: rk

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