Was für ein Paukenschlag bei den Sportfreunden: Oliver Ruhnert, seit über 17 Jahren im Verein und seit fünf Jahren Chefcoach bei Oestrich-Iserlohn, wurde völlig überraschend beurlaubt.

Oestrich-Iserlohn: Ruhnert überraschend beurlaubt

"Demokratie muss man sich fügen"

md
16. Oktober 2007, 09:51 Uhr

Was für ein Paukenschlag bei den Sportfreunden: Oliver Ruhnert, seit über 17 Jahren im Verein und seit fünf Jahren Chefcoach bei Oestrich-Iserlohn, wurde völlig überraschend beurlaubt. "Das war für viele unverständlich, für mich selbst am meisten", schüttelt der 34-Jährige mit dem Kopf. Die Gründe für seine Demission beim derzeitigen Tabellen-14. lagen dabei nicht im sportlichen Bereich, vielmehr sorgten unter anderem öffentliche Äußerungen des Trainers für Aufregung, in denen er von "Heckenschützen" im Verein sprach.

"Das war sicherlich nicht ausschlaggebend. Es sind über einen längeren Zeitpunkt immer wieder Dinge vorgefallen, mit denen Oliver Ruhnert gegen Vertragsinhalte verstoßen hat", schwächt Harald Hövel, Sportlicher Leiter der Sportfreunde, zwar ab, schiebt aber nach: "Die Aussagen waren dann so etwas wie der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat."

Ruhnert selbst sieht sich missverstanden: "Mir wurde das Verhalten als vereinsschädigend ausgelegt, dabei war es überhaupt nicht so gemeint. Ich wollte nicht den Vorstand kritisieren, sondern um Hilfe und Unterstützung werben" Diese Botschaft ist ganz offensichtlich nicht bei allen Mitgliedern des Vorstandsgremiums angekommen.

"Es war eine sehr schwierige Entscheidung, die nach so einer langen Zusammenarbeit natürlich auch von emotionalen Aspekten geprägt wurde. Letztlich sind wir Oliver Ruhnert zu großem Dank verpflichtet, er hat hier sehr gute sportliche Arbeit geleistet", versucht Hövel, die Wogen, die der Beschluss im Umfeld des Vereins ausgelöst hat, zu glätten.

Dass die Entscheidung nicht einstimmig ausfiel ist anzunehmen, zumal der erste Vorsitzende Rainer Schmitt betont: "Die Beurlaubung ist ein Beschluss des Gremiums. In einer Demokratie muss man sich fügen." Man braucht nicht viel Fantasie um daraus abzulesen, dass der SF-Boss mit dem "Rauswurf" von Ruhnert nicht gerade einverstanden ist. Und genauso wenig überrascht es, dass auch um Schmitt Gerüchte ranken. Ein Rücktritt scheint nicht ausgeschlossen: "Ich bin in der Entscheidungsfindung."

Chaotische Zustände also in Iserlohn. "Für den Verein ist es traurig und schade, was im Moment passiert. Ich hoffe, die Mannschaft kann das alles wegstecken", fiebert Ruhnert weiterhin mit seiner langjährigen Truppe mit. Und auch das Team scheint sich noch nicht völlig vom alten Weggefährten gelöst zu haben. "Wir waren alle geschockt, als wir davon gehört haben", schildert SF-Kapitän Michael Dolezych die Reaktionen in der Kabine, und unterstreicht: "Wichtig ist es, dass wir uns alle an einen Tisch setzen und dort eine Lösung finden."

Ein Bekenntnis zu Ruhnert befürchtet Hövel dabei indes nicht: "Die Truppe hat Charakter, die Jungs sind schließlich keine Leibeigenen von Oliver Ruhnert. Ich hatte den Eindruck, dass sie es auf einer sachlichen Ebene aufgenommen haben."
Und wie geht es mit Ruhnert weiter? "Rein rechtlich heißt eine Beurlaubung, dass ich weiterhin normal bezahlt werde, dafür jedoch nicht arbeiten muss. Und ich könnte, rein theoretisch, jederzeit wieder eingesetzt werden", erläutert der Ex-Coach. Gibt es vielleicht ein Blitzcomeback? "Ich sehe durch die Beurlaubung keine offene Hintertür, die gab es vielleicht vor der Vorstandssitzung, jetzt jedoch nicht mehr. Wir wollten ihn nur nicht einfach rausschmeißen, sondern die Sache in Ruhe lösen."

Autor: md

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren