In Erkenschwick brennt mal wieder der Baum. Sportlich hat sich die Spielvereinigung gerade gefangen, da kommt der nächste Schock. Denn in dieser Saison haben die Spieler noch keinen Cent gesehen. Die Neuzugänge warten auf zwei, die verbliebenen Kicker auf drei Gehälter. Aus diesem Grund hat sich das Team dazu entschieden, nicht mehr zum Training zu kommen.

Erkenschwick: Spieler legen Trainingsarbeit nieder, der Baum brennt

Monatelang kein Geld

tr
14. September 2007, 10:01 Uhr

In Erkenschwick brennt mal wieder der Baum. Sportlich hat sich die Spielvereinigung gerade gefangen, da kommt der nächste Schock. Denn in dieser Saison haben die Spieler noch keinen Cent gesehen. Die Neuzugänge warten auf zwei, die verbliebenen Kicker auf drei Gehälter. Aus diesem Grund hat sich das Team dazu entschieden, nicht mehr zum Training zu kommen. "Wenn man so lange kein Geld sieht, ist es schade", ist Kapitän Martin Setzke enttäuscht und erklärt die Maßnahme:

"Es ist kein Trainingsboykott, sondern hat finanzielle Gründe. Für jeden Akteur ist es ein Aufwand, zum Platz zu kommen, das können ein paar Jungs nicht aufbringen."
Setzke betont, dass "die Pflichtspiele erst einmal nicht gefährdet sind". Gemeint: Am heutigen Donnerstag wird die Elf von Trainer Manfred Wölpper im Kreispokal bei Vestia Disteln antreten, auch das Oberliga-Match am Sonntag gegen Delbrück wird wohl stattfinden.

"Danach werden wir uns zusammensetzen und bereden, wie wir weiter vorgehen", berichtet Setzke. Da am Samstag der nächste "Zahltag" anstehen soll, könnte sich die angespannte Lage beruhigen. "Die Vereinsführung bemüht sich, aber es kommt nichts dabei herum. Wir werden immer nur vertröstet", ist Setzke eher skeptisch, dass am 15. September plötzlich die Euros über den Tisch gehen.

Der Vorstand begründet seine nicht geleistete Zahlungsmoral mit ausgebliebenen Sponsorengeldern. Für viele Kritiker ist das aber nur ein Vorwand, denn schließlich haben die "Schwicker" vor der Spielzeit die Lizenz nur mit erheblichen Bedenken erhalten. Die Spieler werden schon auf den Arm genommen. Während Student Setzke RS Rede und Antwort stand, kam Münsters Arthur Matlik über den Uniflur gelaufen, hielt dem Stürmer einen "Fünfer" unter die Nase und meinte: "Hier, damit du dir mal etwas kaufen kannst."

Robert Neuhaus, ehemaliger Geschäftsführer der Spvgg., hat bereits mit seinem Rücktritt vor gut einem Monat auf die prekäre Lage reagiert und will "keine Verantwortung" übernehmen (RS berichtete). Wie tief der Club in den roten Zahlen steckt, ist nicht nachvollziehbar. "Es gibt nur sehr wenig Transparenz", bemängelt auch André Oberlin, Fanbeauftragter und Vorstandsmitarbeiter. Doch das Duo gibt nicht auf, hat einen neuen Arbeitskreis auf die Beine gestellt. "Wir wollen versuchen, mehr Sponsoren für uns zu gewinnen. Denn bislang wissen wir überhaupt nicht, wie viel Geld wir haben oder nicht", erklärt Oberlin.

Nach RS-Information soll die Mannschaft rund 23.000 Euro pro Monat bekommen. Damit würden nach gerade einmal sieben Spieltagen etwa 60.000 Euro fehlen. "Bis zur Winterpause müssen wir auflaufen. Ich werde mich bis dahin nicht nach einem neuen Club umschauen, denn Erkenschwick liegt mir am Herzen", betont Setzke.

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RevierSport-Kommentar
von Thorsten Richter

Mal wieder herrscht das Chaos[/b]

Mal wieder herrscht in Erkenschwick das nackte Chaos. Mal wieder existiert ein finanzielles Loch. Mal wieder haben die Verantwortlichen bei der Spielvereinigung in Sachen Krisen-Politik kein glückliches Händchen bewiesen, denn es herrscht mal wieder keine Offenheit und Ehrlichkeit.
Vor gut vier Wochen zeichnete sich das nun eingetretene Chaos mit dem Rücktritt des ehemaligen Geschäftsführers Robert Neuhaus bereits ab. Anstatt auf den Warnschuss zu reagieren und zumindest der Mannschaft reinen Wein einzuschenken, versteckte sich der Vorstand. "Boss" Achim Trautmann wird vorgeworfen, keine Transparenz in die finanzielle Situation des Vereins zuzulassen, alle Beteiligten fischen im Trüben.

Verständlich, dass bei dieser Verschleierungstaktik die Spekulationen wild um sich greifen. Gibt es die Verträge mit den Sponsoren wirklich? Oder hat man sich blauäugig auf Zusagen verlassen? Gibt es überhaupt eine Zukunft für den Verein?
Die Mannschaft kann einem leid tun. Denn die Spieler haben sich im Vorfeld der Saison auf Zusagen verlassen, die nun nicht eingehalten werden. Dass sie nun reagieren, ist klar, denn eine andere Möglichkeit bleibt ihnen nicht, um an den entscheidenden Stellen etwas zu bewegen. Der FSV Kettwig oder Erle 08 haben es in der jüngeren Vergangenheit vorgemacht. Gerade vor dem Hintergrund des sportlichen Aufwärtstrends in dieser wichtigen Saison (Quali für die NRW-Liga) ist das ein mehr als fahrlässiges Handeln der Verantwortlichen – mal wieder.

Auf der Seite 2 das Interview mit Manfred Wölpper

Autor: tr

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