Zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist eine offene Konfrontation ausgebrochen.

Seifert / Koch

Offene Konfrontation zwischen und DFB und DFL

Pit Gottschalk
27. April 2017, 11:58 Uhr
Foto: firo

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Zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist eine offene Konfrontation ausgebrochen.

Mit ungewohnter Schärfe weist DFL-Geschäftsführer Christian Seifert Vorwürfe zurück, der Grundlagenvertrag der Bundesliga-Klubs mit dem DFB sei intransparent und benachteilige Amateurvereine gegenüber dem Profifußball.

„Wir lassen uns nicht in so eine Ecke drängen, nur weil man beim DFB — warum auch immer — nicht so mit den Fakten umgeht, wie es sein sollte“, sagte Seifert bei einem Hintergrundgespräch mit Sportjournalisten am Mittwochnachmittag in Frankfurt/Main. „Wir lassen uns nicht als diejenigen darstellen, die die Amateure über den Tisch gezogen haben. Das ist nicht nur unfair, sondern auch ungehörig.“

Wie die Zeitungen der FUNKE Mediengruppe auf ihren Websites berichten, geht es um mehrere öffentliche Bemerkungen von DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Der für Amateurvereine zuständige DFB-Vizepräsident hat die Erhöhung der Bundesliga-Abgabe um 2,5 Millionen Euro jährlich mit dem Hinweis lächerlich gemacht, dass es dafür „lediglich einen Ball mehr für jeden Amateurklub“ gebe. Koch wurde später mit dem Satz zitiert: „Dafür macht bei uns keiner La Ola.“

Diese Spitze möchte Seifert nicht auf sich sitzen lassen: „So geht man doch nicht miteinander um. Man kann nicht einfach weglassen, dass zwei Drittel des DFB von diesem Vertrag abhängen.“ Nach Berechnungen der Bundesliga wird der DFB künftig über 200 Millionen Euro durch den Profifußball der DFL einnehmen. Seifert verbittet sich deswegen Anspielungen, „man würde im Hinterzimmer Geheimklauseln vereinbaren“.

Der DFL-Geschäftsführer unterstellt Koch politische Absichten: „Wir sollten auf die Sachebene zurückkehren und nicht schon jetzt jede Äußerung auf das Stimmverhalten beim DFB-Bundestag 2019 ausrichten.“ Weiter sagt er: „Manchmal ist zwischen ‚Die Unwahrheit sagen‘ und ‚Etwas weglassen‘ nur ein ganz schmaler Grat. Deshalb sollte man die Debatte nicht politisieren und durch solche unvollständigen Wahrheiten befeuern.“

Wenn wir ins schlechte Licht gerückt werden, hört der Spaß auf. Wir schleusen über eine Milliarde durch die Bücher. Transparenz von Zahlen, Fakten und Verträgen sind elementar für uns.
Christian Seifert

Durch solche Anmerkungen sieht Seifert die Integrität der DFL gefährdet: „Das Thema schwelt seit Monaten. Wenn wir ins schlechte Licht gerückt werden, hört der Spaß auf. Wir schleusen über eine Milliarde durch die Bücher. Transparenz von Zahlen, Fakten und Verträgen sind elementar für uns. Die Klubs müssen uns glauben, dass hier alles mit rechten Dingen vor sicht geht.“ Seifert kommt zu dem Schluss: „Die Beziehung zum DFB ist nicht erschüttert, aber belastet.“

Das Verhalten des DFB ist Seifert ein Rätsel: „Ich weiß nicht, wo das hinführen soll. Wenn Klubsponsoren sagen, dafür und dafür darf der DFB mit den Spielern keine Werbung machen, kollabiert der ganze Verband. Umso wichtiger ist es, dass es diesen Grundlagenvertrag gibt.“ Der Grundlagenvertrag regelt unter anderem die Abstellung von Nationalspielern, die Vermarktung von Persönlichkeitsrechten und die Teilnahme der Bundesliga-Klubs am DFB-Pokal.

„Es ist eine Tatsache, dass Manuel Neuer, Marco Reus oder Lars Stindl oder Leon Goretzka beim Confed-Cup oder bei der WM für Deutschland auflaufen, aber in dieser Zeit sind sie immer noch Angestellte der Klubs und werden von den Klubs voll bezahlt“, sagt Seifert. „Darum ist der DFB schlichtweg darauf angewiesen, diesen Grundlagenvertrag zu haben. Da erwarte ich vom DFB, dass das Verhalten möglichst schnell aufhört.“

Der Grundlagenvertrag besteht seit 2001 und verpflichtet die DFL unter anderem zu einer Erlös-Beteiligung des DFB an Medien- und Ticketeinnahmen. In einer Zusatzvereinbarung von 2009 wurden die gegenseitigen Vergütungen konkretisiert, zum Beispiel für Schiedsrichter, Anti-Doping-Maßnahmen und Sportgerichtsbarkeit. Seit 2013 sind diese Zahlungen begrenzt: Der DFB bekommt maximal 26 Millionen Euro, die DFL maximal 20 Millionen Euro.

Weitere DFB-Einnahmen aus dem Profibereich ergeben sich aus Vereinbarungen zugunsten der Landesverbände und Projektförderungen. Insgesamt weist der DFB im Geschäftsbericht 2015 Einnahmen von 176 Millionen Euro aus den Bereichen Nationalmannschaft, DFB-Pokal, Sponsoring und Lizenzen aus, die mit der Bundesliga direkt oder indirekt zu tun haben. Seifert: „Künftig wird der DFB sogar über 200 Millionen Euro durch den Grundlagenvertrag machen.“

Bei den Themen Schiedsrichterwesen, China-Vertrag und Doping arbeite man zwar sehr gut mit dem DFB zusammen, so Seifert weiter. Aber er meint nicht, dass Koch alleine gegen die DFL stichelt. „Ich will das Thema auf eine Person konzentrieren. Aber dahinter gibt es immer Leute, die diese Haltung mittragen.“ So sei schon auffällig, dass DFB-Präsident Reinhard Grindel die Äußerungen des Vizepräsidenten „unwidersprochen“ gelassen hat.

„Wir sind keine Horde abgehobener Investmentbanker, die im Privatjet um die Welt fliegen und in China Verträge abschließen“, so Seifert weiter. „Darum wissen wir, was ehrenamtliche Arbeit bedeutet.“ Koch dagegen würde die Leistungen der DFL in seinen Äußerungen absichtlich unvollständig und damit falsch darstellen, um bei den Amateurvereinen auf Kosten der DFL zu punkten. „Und das gefällt mir persönlich gar nicht.“

Gleich vorneweg hatte der Bundesliga-Boss die Legitimation von Koch angezweifelt: „Ich glaube, dass die, die sich am lautesten zu Wort melden, nicht die richtigen Vertreter sind“, sagt Seifert und verweist darauf, dass der DFB bei der Verrechnung von Leistungen sechs Millionen Euro im Plus liegt. Auch diese Tatsache werde vom DFB unterschlagen. „Am totalen Nullpunkt ist das Verhältnis nicht. Aber das Vertrauen mit dem einen oder anderen Akteur beim DFB ist nicht in Bestform.“

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Autor: Pit Gottschalk

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