Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat große Pläne. Eine umfangreiche Offensive im internationalen Markt wird angestrebt.

Nach Aachen, Siegen und RWO

Auch RWE setzt den Rotstift an

Christian Brausch, Martin Herms
22. März 2017, 21:23 Uhr
Foto: Michael Ketzer

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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat große Pläne. Eine umfangreiche Offensive im internationalen Markt wird angestrebt.

TV-Gelder in Höhe von 4,64 Milliarden Euro fließen in die Erst- und Zweitligisten. Während 36 Vereine derzeit jubelnd die Arme in die Höhe reißen, steht Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen vor großen Problemen.

Denn wie bei vielen Viertligisten stockt auch bei RWE die wirtschaftliche Entwicklung. Alemannia Aachen musste am Dienstag zum zweiten Mal in vier Jahren Insolvenz anmelden. Zwei Tage zuvor schockten die Sportfreunde Siegen mit der Meldung, dass sie sich nach der Saison aufgrund der finanziellen Belastung in der vierten Liga freiwillig in die Oberliga zurückziehen. Und nun ist auch Essen in Not.

Wirtschaft zeigt RWE kalte Schulter

Beim Deutschen Meister von 1955 geht es zwar noch nicht ums Überleben, aber es zeichnet sich ein bedrohlicher Trend ab. Aktuell fehlt RWE Geld, um die eigenen Ansprüche mit Leben zu füllen. Denn die Ausgangslage ist klar. Vor dieser Saison hat der Verein die Kampagne "Zusammen Hoch3" präsentiert. In dieser Kampagne binden sich Unternehmen für drei Jahre an RWE. Bei einem Aufstieg hätte der Sponsor in einer höheren Liga bessere Werbeeffekte - zu gleichen Konditionen wie in der tieferen Liga. "Zusammen Hoch3" sollte der wirtschaftliche Motor sein, um eine Mannschaft zu formen, die den Aufstieg in die 3. Liga in dieser Zeit erreichen kann.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Sportlich liegt RWE zwölf Zähler hinter der Spitze zurück - obwohl eine Entwicklung erkennbar ist, nachdem es im letzten Jahr noch gegen den Abstieg ging. Und die wirtschaftliche Entwicklung ist auch ins Stocken geraten. Essen – immerhin neuntgrößte Stadt Deutschlands – bestätigt seinen Ruf, keine Sportstadt zu sein. Die starke Essener Wirtschaft zeigt den Fußballern die kalte Schulter. Die RWE-Tochter Innogy (über 40 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2016) hat den Sponsoren-Vertrag zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt. Dem Klub fehlen dadurch rund 350.000 Euro. Weitere kommunale Sponsoren hat RWE über die Jahre verloren: Macht in der Summe noch einmal mehr als 350.000 Euro. Eine Menge Geld bei einem Personaletat für den Gesamtverein von 2,66 Millionen Euro.

Doch es gibt noch ein Problem: Bisher hat RWE nur eine umsatzrelevante Stadionpacht gezahlt. Der Vertrag mit der Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH (GVE) wurde neu verhandelt – die Zustimmung beider Aufsichtsräte vorausgesetzt. Der Verein zahlt dann ab der neuen Saison eine jährliche Festpacht in Höhe von 175 000 an die GVE. Eine weitere Belastung. Die Verantwortlichen von Rot-Weiss Essen sahen sich gezwungen, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Sechs Spieler gingen im Winter, neues Personal wurde nicht geholt. Auch auf der Geschäftsstelle wurden Stellen gestrichen. Selbst vom Mannschaftsbetreuer hat man sich getrennt. Der Verein will nur das ausgeben, was er auch einnimmt. Eine vernünftige Einstellung. Das war in Essen schon einmal anders – 2010 musste RWE Insolvenz beantragen und in die Oberliga absteigen.

Weg für einen Investor frei machen

Die Sparmaßnahmen bedeuten, dass die Aufstiegsambitionen unter diesen Voraussetzungen nicht mehr realistisch erscheinen. Dadurch könnte eine Idee schneller als gedacht Realität werden. Der Verein gliedert die erste Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft aus, um Investoren ins Boot holen zu können. Essens Präsident Michael Welling betonte bereits im RS-Interview im Dezember zu möglichen Interessenten: "Wir haben sogar eine Art Vereinbarung: In dem Moment, wo wir ausgründen, hätten wir einen Partner, der gerne bei uns investieren würde."

Nur fünf Kilometer weiter steht dem nächsten Regionalligisten das Wasser bis zum Hals. Lokalrivale Rot-Weiß Oberhausen ließ verkünden, dass er seinen Etat zur neuen Saison weiter zurückschrauben muss. Für Oberhausens Präsident Hajo Sommers handelt es sich um ein allgemeines Problem: „Bis auf die U23-Vertretungen und zwei oder drei andere Vereine in der Liga droht allen Klubs permanent die Pleite – man hält meist nur irgendwie den Kopf über Wasser.“

Die Regionalliga West ist die höchste Amateurliga. Gearbeitet wird bei den meisten Klubs unter professionellen Bedingungen. Die Einnahmen durch Sponsoring und TV-Gelder sind dagegen gering. Sommers stößt das bitter auf: „Der DFB sollte mal darüber nachdenken, ob die gefundenen Lösungen wirklich so toll sind, wenn sie den Unterbau nicht komplett versauen wollen. Die Tendenz zeichnet sich ab, dass nur die 1. und 2. Liga zählt, darunter entwickeln sich die Ligen zu Opfern, die bei den Ansprüchen kaum noch überleben können.“

Autor: Christian Brausch, Martin Herms

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