Auf der Ostseite der Gelsenkirchener Arena bilden einige weiße Sitze zwischen den vielen blauen das Wort Schalke.

Schalke

Sieg in Nachspielzeit übertüncht viele Schwächen

Peter Müller
23. Januar 2017, 15:54 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Auf der Ostseite der Gelsenkirchener Arena bilden einige weiße Sitze zwischen den vielen blauen das Wort Schalke.

Dies war zunehmend zu erkennen, während die letzten zehn Minuten des Bundesligaspiels gegen den FC Ingolstadt liefen. Nicht wenige Zuschauer hatten sich vor Abpfiff auf den Weg nach Hause gemacht: Frustriert von dem, was sie bis dahin gesehen hatten, ohne die Hoffnung auf ein anderes Ergebnis als eine enttäuschende Nullnummer.

Trainer Weinzierl total erleichtert

Und dann das: 92. Minute, Alessandro Schöpf versucht es mit einem Verzweiflungsschuss, der Ball wird abgefälscht und landet bei Guido Burgstaller, der ihn über die Linie drückt. Welch ein Einstand. Schalkes Profis stürzen sich auf ihren Neuen, ein Jubel der Erleichterung dröhnt durch die Arena. Nicht nur Kapitän Benedikt Höwedes ist diesem Moment klar: „Das war ein Duselsieg.“

Markus Weinzierl, Schalkes Trainer, fielen „ganze Steine vom Herzen“. Er wusste, dass der erst wenige Tage zuvor verpflichtete Neuzugang aus Nürnberg Schalke nicht nur vor einer Blamage bewahrt, sondern vor dem nächsten Heimspiel am Freitagabend gegen Frankfurt sogar die Gefahr eines möglichen Absturzes in die Abstiegsregion abgewendet hatte. 1,5 Millionen Euro hatte der 27-jährige Österreicher gekostet, der seine Knipser-Qualitäten mit 14 Treffern in 16 Zweitligaspielen nachgewiesen hatte. „Dieser Transfer hat sich definitiv jetzt schon gelohnt“, meinte Weinzierl, und der von ihm erst nach der Pause eingewechselte Mann des Tages schwärmte: „Es ist ein überragendes Gefühl, wenn du in der Nachspielzeit vor der blauen Wand triffst.“
Burgstaller hat also seinen Job erledigt. Aber sonst?

Ein Spiel hätte dem Tor gutgetan. Statt einer Entwicklung war Leerlauf zu besichtigen, Schalke agierte oft ideenlos, strukturlos, hilflos. „Das war zu wenig, wir müssen von uns selbst mehr verlangen“, sagte Kapitän Höwedes selbstkritisch. Ähnlich aber hatten die Schalker schon vor der Winterpause gesprochen, als der Versuch misslungen war, den miserablen Saisonstart durch eine Erfolgsserie wiedergutzumachen. Was ist während des Trainingslagers in Spanien passiert? Wie viel Geduld müssen die Anhänger, die saisonübergreifend und trainerübergreifend nur sehr wenige berauschende Heimspiele gesehen haben, noch aufbringen?

Babas Kreuzband ist angerissen

Der Verein muss es als Alarmzeichen werten, dass die 63 000 Zuschauer fassende Arena bei einem Bundesligaspiel noch nie so leer war wie am Samstag – und wer behauptet, die Besucherzahl 58 000 habe nur an der fehlenden Attraktivität des Gegners gelegen, der lügt sich in die eigene Tasche. Die Pfiffe zur Pause galten nicht Ingolstadt.

Der Beweis, dass Schalkes Team die Klasse für eine erneute Europa-League-Qualifikation hat, ist noch nicht erbracht. Von den Neuzugängen schlugen bisher nur Nabil Bentaleb und Naldo ein. Und das Schlimmste: Das Verletzungspech verfolgt die Schalker hartnäckig.

Am Wochenende mussten sie eine neue Hiobsbotschaft verkraften: Die Knieverletzung, die sich der Ghanaer Abdul Rahman Baba beim Afrika-Cup zuzog, hat sich als Anriss des Kreuzbandes erwiesen. „Dazu sind Innen- und Außenmeniskus beschädigt“, berichtete Schalkes Sportvorstand Christian Heidel frustriert. Es ist zu befürchten, dass die Saison für die Leihgabe vom FC Chelsea bereits beendet sein könnte. Dabei braucht Schalke doch gerade jetzt jeden Mann.

Autor: Peter Müller

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren