Früher, als die Spieler ihre Spitznamen noch wie Auszeichnungen trugen, gab es den „Mr. Europacup“.

Schalke

Mit Reese will wieder ein Talent durchstarten

Manfred Hendriock
07. Dezember 2016, 12:45 Uhr
Foto: firo

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Früher, als die Spieler ihre Spitznamen noch wie Auszeichnungen trugen, gab es den „Mr. Europacup“.

Das waren Spieler, meistens Stürmer, die ihre großen Auftritte im Europapokal hatten. Fabian Reese (19) ist ebenfalls Stürmer und verdient sich den Namen „Mr. Europacup“ aktuell irgendwie auch: Denn in den internationalen Spielen darf der junge Stürmer vorwiegend zeigen, was er schon drauf hat. Am Donnerstag in der Europa League bei RB Salzburg (21.05 Uhr, Sport 1) wahrscheinlich sogar von Anfang an.

Reese, in der vergangenen Saison noch in der U19 bei Norbert Elgert, hat sich vor zwei Wochen mit einem couragierten Auftritt im Spiel gegen OGC Nizza (2:0) bei den Profis in Erinnerung gebracht: Damals wurde er zur zweiten Halbzeit eingewechselt, weil Trainer Markus Weinzierl einmal die zweite Reihe vorspielen ließ. Reese hat die Chance offensichtlich genutzt: Seither sitzt er bei den Profis als Joker auf der Bank, am vergangenen Samstag in Leipzig wurde er in den letzten Minuten sogar eingewechselt. Weinzierl honoriert den Aufwärtstrend des U20-Nationalspielers und lobt: „Er ist ein Stürmer, der mit Herz und Leidenschaft die Zweikämpfe bestreitet, der in engen Situationen vor dem Tor die Übersicht behält und der auch noch Entwicklungspotenzial hat.“

Reese ist kein Überflieger, dem alles sofort in den Schoß fällt. Er hat zwar einen Profivertrag bis 2019, musste sich aber in den vergangenen Monaten über die U23 für oben empfehlen. „Klar hat man den Traum, direkt durchzustarten“, sagt er, aber die Einsätze in der Regionalliga hat er nicht als Degradierung empfunden: „Es ist sinnvoll, Spielpraxis in der zweiten Mannschaft zu bekommen, wenn man nicht direkt oben spielt. Mir hat das geholfen.“ Ein Weg übrigens, den auch Sead Kolasinac ging: Der Kapitän der U19-Meister von 2012 wurde ebenfalls über die U23 und den Europapokal an die Bundesliga herangeführt – heute ist er Leistungsträger der Profis.

Ein guter Junge mit klarem Plan

Reeses Vorbilder sind „Max, Leon oder Jule“ – so wie eben Max Meyer, Leon Goretzka, der allerdings erst im zweiten Seniorenjahr nach Schalke kam, und Julian Draxler will er sich auch entwickeln – im Grunde genommen sei „jeder, der es nachhaltig geschafft hat“, ein Vorbild. Genau mit diesem Ziel, Profi zu werden, hat sich der gebürtige Kieler auch Schalke ausgesucht, als er im U17-Alter in die Nachwuchsakademie eines Erstligisten wechseln wollte: „Schalke hat gezeigt, dass dieser Verein dafür eine gute Adresse ist.“

Schnell gewinnt man den Eindruck, dass die Bodenständigkeit, die er sich selbst bescheinigt, ihn auch prägt. Ein guter Junge, der noch nicht so viele Flausen im Kopf hat. Vor einem Jahr durfte er das erste Mal bei den Profis vorspielen, der damalige Trainer André Breitenreiter warf ihn sogar gegen Bayern München für ein paar Minuten ins Getümmel. Doch damals war der Stürmer noch nicht weit genug für die Bundesliga – er spielte die Saison bei den A-Junioren unter Norbert Elgert zu Ende, wo man „sehr gut vorbereitet“ in den Senioren-Bereich wechseln könne: „Aber trotzdem ist es ein großer Schritt“. Physisch werde dort ganz anders gespielt, alles sei schneller und der Druck sei auch ein anderer. All’ dies hat er, der gerade erst 19 Jahre alt geworden ist, nun besser verinnerlicht, und nun ist es an der Zeit: An der Zeit zu zeigen, was er schon kann.

„Gegen Nizza hat er es sehr gut gemacht“, lobt Trainer Weinzierl, und in Salzburg wird womöglich noch mehr auf ihn zukommen als „nur“ eine Einwechslung zur zweiten Halbzeit – „gesprochen haben wir aber noch nicht darüber“, berichtet Reese und lacht.

Innerlich lebt er noch von der „überragenden Erfahrung“, als Joker seine ersten Schritte gemacht zu haben, gegen Nizza vor über 50 000 Zuschauern sei es einfach „ein sehr schönes Gefühl“ gewesen. Danach hat er seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, dass dieses Erlebnis „hoffentlich erst der Anfang“ gewesen sei.

Es sieht ganz danach aus.

Autor: Manfred Hendriock

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