Eigentlich sind erst wenige Stunden vergangen nach diesem Störfall, doch beim Training von Borussia Dortmund wirkt am Tag danach alles, als sei nichts gewesen.

BVB

Der Trainer sagt, wo’s langgeht

Daniel Berg
03. November 2016, 21:54 Uhr
Foto: firo

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Eigentlich sind erst wenige Stunden vergangen nach diesem Störfall, doch beim Training von Borussia Dortmund wirkt am Tag danach alles, als sei nichts gewesen.

Pierre-Emerick Aubame­yang betritt den Rasen, scherzt mit seinem Kumpel Marco Reus, lacht. Als die Einheit schon beendet ist, legt der Stürmer mit ein paar Mannschaftskollegen noch eine Sonderschicht Torschusstraining nach. Dann sammelt der Star die Bälle ein, trägt sie vom Platz. Vom Sünder zum Musterschüler in nur einer Nacht?

Die Aufregung um den 27-Jährigen war immens gewesen am Abend vorher, als der BVB in der Champions League mit 1:0 gegen Sporting Lissabon gewann, der eigentlich unverzichtbare Torjäger aber weder in der Startformation noch auf der Bank zu finden war. Mit Hut und Mantel saß er suspendiert auf der Tribüne und büßte vor den Augen von Fußball-Europa für eine disziplinarische Verfehlung.

Mit seinem Privatjet war er für zwei Tage nach Mailand gereist und erst am Dienstagvormittag, einen Tag vor dem Spiel, zurückgekehrt. Nach einer Regel, die angeblich Trainer Thomas Tuchel und sein Mannschaftsrat beschlossen, ist das nicht zulässig. Schon gar nicht in einer derart sensiblen Phase, in der der BVB in der Bundesliga seit vier Spielen auf einen Sieg wartet und sich die Mannschaft auf die wichtigen Spiele gegen Lissabon und den Hamburger SV am kommenden Samstag (15.30 Uhr) einschwor. Tuchel schmiss Aubameyang – nach Rücksprache mit seinen Vorgesetzten, Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke – einmalig aus dem Kader.

„Wir stehen zu 100 Prozent hinter der Entscheidung“, sagt Watzke am Tag danach, „es gibt Regeln, an die hat sich jeder zu halten. Die Frage, ob es sich um einen wichtigen Spieler handelt, darf keine Rolle spielen.“ Tat es auch nicht. Der Trainer sagte, die Entscheidung sei ihm schwer gefallen, aber alternativlos gewesen. „Wenn konsequent, dann konsequent konsequent“, sagt Tuchel, dessen Glaubwürdigkeit vor der Mannschaft auf dem Spiel stand. „Es gibt auch Trainer, die statuieren an der Nummer 23 im Kader ein Exempel. Das finde ich fragwürdig“, sagt Watzke. Tuchels Signal ist unmissverständlich: mitziehen oder fliegen.

Aubameyang ist schon immer der Mann für die Extravaganzen: Sündhaft teure, ohrenbetäubend röhrende Sportwagen, gern golden lackiert, Fußball-Schuhe mit Swarovski-Steinen, Ketten, Ringe, Irokesen-Frisur, Superman- oder Batman-Maske beim Torjubel. Das alles gehört zu ihm, und beim BVB versuchen sie ihn zu lassen, wie er ist. Wenn er an freien Tagen fern jeden Spiels mal zu seinem Friseur nach Paris jettet, dann ist das eben so. Doch dieses Mal war er – offenbar wissentlich – zu weit gegangen. „Die handelnden Personen kennen die Regeln“, sagt Watzke.

Wie es nun weitergeht? Beim BVB hoffen sie auf eine Reaktion des Stürmers, der zuletzt nicht in bester Form war. Am besten schon in Hamburg. Auch mittelfristig sieht Watzke die bisher sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem BVB und seinem wohl prominentesten Mitarbeiter nicht gestört: „Das wird keine Nachwirkungen haben. Wir wissen, dass er ein guter Junge ist.“

Autor: Daniel Berg

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