Zu Beginn des Vormittags-Trainings am Donnerstag sah Markus Weinzierl nahezu regungslos den Profis des FC Schalke?04 beim üblichen Kreis-Spielchen zu.

Schalke

Heidel und Weinzierl bleiben besonnen

Thomas Tartemann / Peter Müller
22. September 2016, 20:18 Uhr
Foto: firo

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Zu Beginn des Vormittags-Trainings am Donnerstag sah Markus Weinzierl nahezu regungslos den Profis des FC Schalke?04 beim üblichen Kreis-Spielchen zu.

Mit vor der Brust verschränkten Armen stand der Trainer da, nur ab und zu tauschte er sich kurz mit Athletiktrainer Ruwen Faller aus. Weinzierl wirkte in sich gekehrt, seine Laune war erkennbar nicht die beste – Körper können bekanntlich sprechen.

Aber wie hätte er auch optimistisch oder gar fröhlich sein können nach diesem Abend der Ernüchterung? Alles, was er sich mit seinem neuen Verein Schalke 04 vorgenommen hatte, ist bisher in die ­Hose gegangen. Die 1:3-Heimpleite gegen den 1. FC Köln ist ein Schock, der nur schwer zu verdauen sein wird, vier Niederlagen am Stück haben Schalke in eine Krise gestürzt. Wer geglaubt hatte, mit der Verpflichtung eines neuen Managers und eines neuen Trainers werde automatisch auf Anhieb alles besser, der wird nun auf schmerzhafte Weise mit der Realität konfrontiert.

„Wir haben keine andere Wahl“
Immerhin kennt Markus Weinzierl solche kniffligen Situationen aus Augsburg. 2012 stand er mit dem FCA nach einem Punkt aus fünf Partien auf dem letzten Platz – Augsburg ist heute noch erstklassig. Bei den Fuggerstädtern behielten die Verantwortlichen seinerzeit die Ruhe – auf Schalke wird jetzt genauso verfahren. Der Klub hat sich vorgenommen, sich nicht mehr zu Kurzschlussreaktionen hinreißen zu lassen, Schalke leidet still vor sich hin. Trotz der Pleitenserie setzt Sportvorstand Christian Heidel, den der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies ja zum neuen starken Mann im Verein ausgerufen hatte, auf Besonnenheit und Sachlichkeit. „Wir müssen weiter arbeiten. Es gibt nichts anderes. Trainieren, dazu die Automatismen reinbekommen. Wir haben keine andere Wahl“, sagt Heidel.

Der Fehlstart, den in dieser Wucht niemand auf dem Zettel hatte, verleitet ihn nicht dazu, die Fassung zu verlieren. „Es gibt keinen Grund, in der Kabine herumzutoben“, betont der Manager. „Fehlendes Engagement kann ich bei den Spielern nicht feststellen.“

Heidel hat in 24 Jahren bei Mainz 05 gelernt, „mit Ruhe und Verstand zu reagieren“. Auch erste Pfiffe der Zuschauer seien „völlig normal“, die beunruhigen ihn nicht. „Es wäre eine andere Situation, wenn die Mannschaft nicht alles probiert hätte“, sagt Heidel.

Aber: Hat sie das wirklich? Beim 0:2 gegen die Bayern war sie noch für ihr Draufgängertum gelobt worden, gegen Köln wirkten die Spieler verkrampft und verängstigt. Doch das Problem potenziert sich gerade, der Druck wird noch größer. Für alle, auch für den Trainer und den Manager.

Am Sonntag nach Hoffenheim

Dieser unerwarteten Situation muss sich jetzt ganz Schalke stellen. An eine erneute Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb ist momentan nicht zu denken, vorerst kann das Ziel nur heißen, Schritt für Schritt den Weg aus dem Keller zu finden. Am Sonntag geht es zu 1899 Hoffenheim, diesen Gegner konnten die Königsblauen zuletzt dreimal besiegen. „Das Allerwichtigste ist: Wir kommen nur gemeinsam wieder da raus“, bekräftigt Christian Heidel.

Die Schalker trösten sich in diesen Tagen gerne mit dem Beispiel Mönchengladbach, die Borussia hatte zum Auftakt der vergangenen Saison fünfmal verloren und war danach bis in die Champions League durchgestartet. Ab dem sechsten Spieltag allerdings mit einem neuen Trainer, weil Lucien Favre die Brocken hingeworfen hatte. Deshalb hinkt der Vergleich. Der neue FC Schalke will ja beweisen, dass man es auch ohne die üblichen Knalleffekte schaffen kann.

Autor: Thomas Tartemann / Peter Müller

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