André Breitenreiters Schalke-Zeit läuft ab. Es sprach Bände, dass Eric Maxim Choupo-Moting den Plural verwendete, als er von bevorstehenden Wechseln redete.

Schalke

"Jeder im Umfeld weiß, dass sich einiges ändert"

25. April 2016, 09:25 Uhr

André Breitenreiters Schalke-Zeit läuft ab. Es sprach Bände, dass Eric Maxim Choupo-Moting den Plural verwendete, als er von bevorstehenden Wechseln redete.

Eisige Stimmung herrschte am Sonntagvormittag auf Schalke. Die Spieler waren schon zum Auslaufen nach der 2:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen auf dem Platz, als André Breitenreiter allein folgte. Noch vom Schock gezeichnet, schritt der Trainer durch das Spalier der Fans, 300 waren zum Trainingsgelände gekommen. Zuvor war bei der eingehenden Video-Analyse versucht worden, Erklärungen für die unerklärliche Implosion zu finden. Ratlosigkeit auf Schalke.

Eine Krisensitzung mit der Vereinsführung fand aber nicht statt – Grund für Breitenreiters Verspätung waren wohl eher die Einzelgespräche, zu denen der Trainer seine Spieler gebeten hatte. Doch auch so dürfte es Schalkes Trainer dämmern, dass seine Uhr abgelaufen zu sein scheint.

Sogar die Spieler glauben mittlerweile offenbar nicht mehr daran, dass es mit Breitenreiter in die nächste Saison geht. Es sprach Bände, dass Eric Maxim Choupo-Moting stets den Plural verwendete, als er von bevorstehenden Wechseln in der sportlichen Führung redete.

Eigentlich wollte der Offensiv-Allrounder nach dem Spiel gar nicht über seine eigene Zukunft sprechen, er sagte dann jedoch: „Jeder im Umfeld weiß, dass sich auf Schalke einiges ändert. Es kommen neue Personen, die etwas im Verein zu sagen haben. Und auf diese Veränderungen warte ich. Wenn man nicht weiß, was die Zukunft bringt, dann ist es falsch, irgendwelche Entscheidungen zu treffen.“

Choupo-Moting braucht nicht in Hektik zu verfallen, sein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2017. Dieses Datum steht ja auch in Breitenreiters Arbeitspapier. In der Krise müssen aber stets die Trainer den Kopf hinhalten, nicht die Spieler.

Benedikt Höwedes, der nach langer Verletzungspause ein überraschendes Kurz-Comeback gefeiert hatte, kritisierte die Herangehensweise seines Teams scharf: „Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die eigentlich nur auf Konter lauert – und da haben wir einfache Fehler gemacht. Wir haben Leverkusen in den entscheidenden Momenten voll in die Karten gespielt.“

Sein Verweis auf diese taktischen Defizite könnte auch Richtung Trainer zielen. Der Maulkorb, den sich die Mannschaft zu diesem Thema verpasst hatte, führt jedenfalls dazu, dass Breitenreiter keine Rückendeckung mehr zu erwarten hat – auch nicht von dieser Seite.

Dafür, dass der Trainer seine Mannschaft noch erreicht, spricht allein Schalkes Auftritt in der ersten Halbzeit. „Wir haben richtig gut gespielt, waren sehr gallig, präsent und haben uns viele Torchancen herausgespielt“, meinte Höwedes.

Dann folgte der kapitale Einbruch. Fassungslos hatte Breitenreiter mit ansehen müssen, wie innerhalb von nur sechs Minuten aus einer 2:0-Führung ein 2:3-Rückstand geworden war. Aus der Nordkurve gab es schließlich gellende Pfiffe des eigenen Anhangs.

Das Erreichen eines Champions-League-Platzes wird in dieser Verfassung für S04 unmöglich sein. Schalke fiel keine Antwort auf Umstellungen des Gegners ein. Danach konnten die Gelsenkirchener nicht mehr zurückschlagen.

Bekenntnis von Schalke-Manager Heldt ist wenig wert

Das sah Horst Heldt als Grund für die Niederlage: „Ich war mir sicher, dass wir als Sieger vom Platz gegangen wären, wenn wir noch ein drittes Tor gemacht hätten.“ Mit einem knappen „Ja“ erneuerte der scheidende Sportvorstand sein Versprechen, dass es in seiner Amtszeit keine Trainerentlassung geben wird. Bei einer Ablösung nach dem Saisonende braucht Heldt dann nicht mehr gefragt zu werden.

Ein kurzfristiger Schnitt ist allerdings nicht zu erwarten. Dass Mike Büskens im Falle einer Entlassung Breitenreiters als Interimstrainer schon bereit stehen soll, ist nicht der Fall. Gegenüber unserer Redaktion stritt der langjährige S04-Profi und jetzige Beirat sowohl eine Anfrage der Vereinsführung als auch sein Interesse an diesem Job ab.

Doch die Anzeichen, dass Markus Weinzierl im Sommer übernimmt, verdichten sich. „Ich mache mir Gedanken. Aber erst, wenn unsere Ziele erreicht sind“, sagte der Augsburger vor dem Spiel in Wolfsburg. Mit dem 2:0 über den VfL ist der FCA dem Klassenerhalt ein großes Stück näher gekommen.

Wenn die Schwaben drin bleiben sollten, sieht Weinzierl seinen Auftrag in Augsburg nach vier Jahren erfüllt.

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