Champions League oder Aus: Schalkes umstrittener Trainer André Breitenreiter kämpft um seinen Job. S04-Boss Tönnies nimmt das Team in die Pflicht.

Schalke

So kann es Breitenreiter doch noch schaffen

19. April 2016, 10:11 Uhr
Foto: firo

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Champions League oder Aus: Schalkes umstrittener Trainer André Breitenreiter kämpft um seinen Job. S04-Boss Tönnies nimmt das Team in die Pflicht.

Chaos-Tage auf Schalke. Mit einem Machtwort hat Clemens Tönnies am Montag seine Führungsriege zur Ordnung gerufen. „Ich erwarte, dass niemand von uns öffentliche Diskussionen als Vorwand nimmt, im Endspurt der Saison nicht den größtmöglichen Erfolg anzustreben“, so der Aufsichtsratsvorsitzende. „Mannschaft, Trainer und Verantwortliche müssen in den verbleibenden vier Spielen alles dafür tun.“

Beim Kampf um die Qualifikation zur Champions League hatte Trainer André Breitenreiter zuletzt öffentlich Störmanöver beklagt. So hatte ihm der TV-Sender Sky vor laufender Kamera den Augsburger Markus Weinzierl als Nachfolger präsentiert.

Tönnies stellte gegenüber unserer Redaktion klar: „Wir lassen uns keine Unruhe von außen andichten. Es war eine Respektlosigkeit von Sky, André Breitenreiter in einem Interview unmittelbar vor dem Spiel vermeintliche Fakten zu suggerieren, die es gar nicht gibt.“ Tönnies weiter: „Wir beteiligen uns an keiner Trainerdiskussion, nur weil dies die Öffentlichkeit nun erwartet.“

Tatsächlich hat Breitenreiter noch eine kleine Chance auf Weiterbeschäftigung über das Saisonende hinaus – wenn sich die Königsblauen noch für die Champions League qualifizieren.

Es gibt gute Argumente, die dafür sprechen:

1. Das Schalke-Restprogramm ist machbar
Der nächste Gegner: am Samstag Bayer Leverkusen. Breitenreiter: „Es ist ein Spiel von großer Bedeutung, weil es gegen einen direkten Konkurrenten geht – da möchten wir dreifach punkten. Doch es kommt nicht nur auf das Leverkusen-Spiel an.“ Danach geht’s gegen Hannover 96 (Platz 18), den FC Augsburg (14) und 1899 Hoffenheim (13). Schalke unterschätzt diese Abstiegskandidaten allesamt nicht. „Diese Gegner verlangen, dass wir ihnen größten Respekt entgegen bringen. Das nicht zu tun, wäre der ganz falsche Ansatz.“

2. Schalkes Team steht weiterhin hinter seinem Trainer
Wesentlich größer als bei den Verantwortlichen scheint der Rückhalt für den angeschlagenen Trainer in der Mannschaft zu sein. „Der Trainer hat gute Ansprachen, bereitet uns gut vor. Wir haben noch ein paar Spiele und können unsere Ziele erreichen“, hält der mit 33 Jahren erfahrenste Schalker, Sascha Riether, nach der Pleite in München (0:3) fest. Er mahnt zur Besonnenheit: „Am Anfang war nicht alles super, aber es ist jetzt auch nicht alles so schlecht.“

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3. Torwart Ralf Fährmann
Auf Schalke gibt es sportlich in dieser Saison nur eine wirklich große Konstante: Ralf Fährmann. S04 hätte noch einige Punkte weniger, stünde nicht einer der besten Torhüter der Bundesliga im Schalker Tor. Behält Fährmann – der Breitenreiter immer wieder öffentlich den Rücken stärkt – seine Form noch vier Wochen lang bei, hat Schalke im Endspurt einen echten Trumpf.

4. Neue Impulse durch Rückkehrer
Gegen Leverkusen kann Breitenreiter wieder auf Sead Kolasinac zurückgreifen – seine Aggressivität hat er zuletzt vermisst. Auch Musterprofi Matija Nastasic soll zurückkehren, um die zuletzt viel zu anfällige Defensive zu stabilisieren. Hoffnungen auf ein Comeback hegt Marco Höger, ein kampfstarker Spieler, der Schalkes derzeit verunsicherter Mannschaft gut tun dürfte.

5. Die Talente wollen Eigenwerbung betreiben
Leroy Sané will zur Europameisterschaft. Er muss sich steigern, wenn ihn Bundestrainer Joachim Löw tatsächlich mit nach Frankreich nehmen soll. Hoffnung auf ein EM-Ticket hegt auch Max Meyer, mehr noch als der verletzte Leon Goretzka. Doch sie alle müssen sich empfehlen, und sei es für einen neuen Trainer.

6. Die Unterstützung der Fans
Das Spiel in München war eine Demonstration in Sachen Identifikation – nicht auf dem Rasen, sondern auf den Rängen. Bisher stehen die Fans hinter der Mannschaft, fast bedingungslos. In Ingolstadt gab es erst Pfiffe, als das 0:3 besiegelt war. „Die Fans leben vor, worauf es ankommt“, so Tönnies. Die Fans sind unschlüssig, ob Breitenreiter bleiben soll. Bei einer Online-Umfrage dieser Zeitung ging das Votum Fifty-Fifty aus. Persönliche Vorwürfe macht dem Trainer niemand. Fans meinen: Es sollten alle, auch die Medien, Geduld mit ihm und der Mannschaft zeigen.

7. Die Konkurrenz macht es auch nicht besser
Der Kölner Sieg in Mainz am Sonntag half Schalke beim Verdauen der eigenen Niederlage. Außer Leverkusen schauten auch alle anderen Mitbewerber am 30. Spieltag in die Röhre. Wenn Schalke seine Nerven in den Griff bekommt, kann es reichen. „.Am letzten Spieltag wird abgerechnet“, sagt Riether.

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