Am Sonntag steigt das Revier-Derby in der Fußball-Bundesliga, Schalke gegen Dortmund.

Schalke

Tönnies über seine Zukunft, Schulden und die Ultras

Andreas Tyrock, Manfred Hendriock, Pit Gottschalk
10. April 2016, 05:07 Uhr
Foto: Felix Heyder

Foto: Felix Heyder

Am Sonntag steigt das Revier-Derby in der Fußball-Bundesliga, Schalke gegen Dortmund.

Für den FC Schalke 04 diesmal ein ganz besonders brisantes Duell, und für seinen Vereinschef Clemens Tönnies das emotional wichtigste Spiel des Jahres. Vorher hat er die WAZ besucht, beim Ortstermin in der Essener Redaktion klingelt sein Telefon. Manager Horst Heldt ruft an, Tönnies geht nur kurz dran: “Ich melde mich später, ich bin gerade zum Verhör bei der WAZ.”

Herr Tönnies, Sie haben einmal gesagt: “Boss von Schalke zu sein, ist doch das Allereinfachste. Wer mir erzählen will, dass das eine Belastung ist, der hat keine Ahnung.” Stimmt das noch?
Clemens Tönnies: Ja, das stimmt noch. Es hat Zeiten gegeben, in denen wir in einer schweren Krise waren, es ums nackte Überleben ging. Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, dass es da sogar etwas leichter war als heute.

Warum?
Tönnies: Wenn es darum geht, den Laden durch eine Krise zu führen, werden Eitelkeiten beiseite geschoben, alle rücken eng zusammen. Dann geht es nur noch um dieses Kernthema.

Sie haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Fangen wir mit dem Sportlichen an: Wenn Sie am Sonntag das Derby gegen Dortmund verlieren, liegen Sie 26 Punkte hinter dem Erzrivalen. Was löst das bei Ihnen aus?
Tönnies: Es schmerzt mich als Schalkefan. Aber als Verantwortlicher sage ich trotzdem: Die grobe Richtung stimmt. Wir sind einen Punkt von der Champions League entfernt. Jetzt sind Mannschaft und Trainer gefordert, eine Antwort zu geben auf das Spiel in Ingolstadt. Wir müssen zeigen, dass wir dieses Derby als das emotional wichtigste Spiel des Jahres auch annehmen. Das ist eine Frage der Ehre.

Man hat auf Schalke das Gefühl, ständig Krisensituationen zu erleben. Momentan geht es um André Breitenreiter: Wann werden Sie dem Trainer mitteilen, dass seine Zeit auf Schalke endet?
Tönnies: Natürlich werden wir einfordern, und das wird auch der Trainer von der Mannschaft einfordern, dass die am Sonntag einiges wieder gutmachen. Es geht darum, dass bei allen die Antennen ausgefahren sind: Was müssen wir korrigieren, um erfolgreich zu sein?

Die Dortmunder lagen vor zehn Jahren am Boden und sind Schalke inzwischen enteilt. Was haben die besser gemacht?
Tönnies: Ich kann mich gut daran erinnern, dass vor Jahren da Unruhe ohne Ende war. Dann hat Hans-Joachim Watzke ein gutes Näschen auch eine Portion Glück gehabt mit der Verpflichtung von Jürgen Klopp. Und mein Gespür sagt mir: Wir stehen vor einer ähnlichen Situation. Wir haben mit Christian Heidel einen Top-Manager verpflichtet, der bei den Großen des deutschen Fußballs Hochachtung genießt.

[vote]861[/vote]

Wie schwer war es, Heidel von Mainz wegzulocken?
Tönnies: Er sagt selbst: Wenn ihm das vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass er zu Schalke geht, dann hätte er ihn für verrückt erklärt. Er musste mit Biss überzeugt werden. Wenn ich zu einem Kunden gehe und einen Auftrag für meine Firma haben will, bleibe ich auch so lange dran, bis ich den habe.

Frage: Was versprechen Sie sich von Heidel? Stärke und Stehvermögen wie einst bei Rudi Assauer?
Tönnies: Christian Heidel hat in Mainz bewiesen, dass er ein Händchen hat für gutes Personal, für eine gute Trainer-Auswahl. Er hat auch bewiesen, dass er mutige Entscheidungen treffen kann.

Frage: Wann tritt Heidel seinen Dienst auf Schalke an?
Tönnies: Er wird im Juni zu uns stoßen, beschäftigt sich aber schon jetzt gedanklich viel mit Schalke 04.

Der Manager-Wechsel hat in dieser Saison für viel Unruhe gesorgt, Ihre Kontakte zu Heidel wurden publik, nachdem Schalke zuvor den besten Saisonstart seit 44 Jahren hingelegt hatte…
Tönnies: Aber das eine hat mit dem anderen doch überhaupt nichts zu tun. Bei unserem guten Saisonstart haben wir von einem leichten Anfangsprogramm und vom Effekt des neuen Trainers profitiert. Die Unruhe hat die Mannschaft nicht betroffen.

Die Unruhe wird Ihnen oft angelastet. Ärgert Sie das? Tönnies: Was haben wir denn gemacht? Wir sind im Aufsichtsrat unserer Pflicht nachgekommen, darüber nachzudenken, ob es Sinn macht, die Weichen neu zu stellen. Zu diesem Ergebnis sind wir nach den fünf Jahren mit Horst Heldt als Sportvorstand, die ja durchaus erfolgreich waren, gekommen.

Heldt hat Schalke durch die schwierige Zeit nach Felix Magath geführt. Tönnies: Und dafür sind wir ihm auch dankbar. Aber in der Wirtschaft erlebt man das ständig, dass man sagt: Danke, es war gut, jetzt wollen wir dennoch etwas anderes machen. Für Horst Heldt war das schmerzlich, weil er ebenfalls an Schalke hängt, aber er hat es souverän akzeptiert und macht professionell seinen Job. Darauf sind wir stolz - in früheren Zeiten mit anderen Charakteren hätte es da gerummst. In der Liga wird das übrigens mit Respekt wahrgenommen.

Lesen Sie weiter auf der Seite 2

Autor: Andreas Tyrock, Manfred Hendriock, Pit Gottschalk

Seite 1 / 2 Nächste Seite >

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren