Der KFC Uerdingen ist auf der Suche nach einem neuen Trainer. Das Anforderungsprofil scheint bereits bekannt zu sein. Ein RS-Kommentar.

KFC-Kommentar

Der neue Mann muss keinen großen Namen haben

Krystian Wozniak
10. März 2016, 07:07 Uhr
Foto: Griepenkerl

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Der KFC Uerdingen ist auf der Suche nach einem neuen Trainer. Das Anforderungsprofil scheint bereits bekannt zu sein. Ein RS-Kommentar.

Alles deutet darauf hin, dass die Krefelder nach Michael Boris den nächsten Fußballlehrer an die Grotenburg holen wollen. Die Frage ist: Warum? Mikhail Ponomarev sagte neulich noch gegenüber der Rheinischen Post, dass Boris' Qualitäten für die Oberliga zu groß waren. Fragt sich nur, warum die Uerdinger dann anscheinend immer noch die Fußballlehrer-Karte spielen. Muss es für Oberliga-Verhältnisse denn unbedingt ein großer Name sein? Nein, ganz und gar nicht.

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Einige Kilometer weiter - in Bochum-Wattenscheid - haben es die Verantwortlichen der SG Wattenscheid 09 vorgemacht: Farat Toku ist seit einem Jahr äußerst erfolgreich und führte einen Regionalliga-Abstiegskandidaten auf Platz drei. Toku hat eine echte Einheit geformt. Am Rande: Bis vor wenigen Wochen war Toku noch im Besitz der B-Lizenz! Viktoria Köln hat nach "Star-Trainer" Claus-Dieter Wollitz einem No-Name und A-Lizenzinhaber wie Tomasz Kaczmarek die Chance gegeben. In Lotte folgte nach dem Boris-Aus Ismail Atalan, ebenfalls ein A-Lizenzinhaber, der bis dahin für Roland Beckum tätig war.

In Oberhausen wurde einst nach Mario Basler, auch ein Fußballlehrer, Peter Kunkel installiert. Der mit seinen Methoden der alten Schule auch zunächst Erfolg hatte. In der Regional- und Oberliga zählt viel mehr das menschliche und psychologische Einfühlungsvermögen der Trainer als das fachliche Gerüst. Dass heißt natürlich nicht, dass die A-Lizenzinhaber die fachlichen Qualitäten nicht besitzen. Klar ist aber, dass in den unteren Ligen mehr Herz, Kampf und Leidenschaft gefragt ist als die modernste Taktik. Diese Tugenden muss ein Trainer - unabhängig von seiner Ausbildung - der Mannschaft vermitteln und einimpfen. Hier gewinnt nicht die bessere, sondern die leidenschaftlichere Mannschaft. Das sollte der KFC mittlerweile auch kapiert haben.

In Uerdingen gelang es Boris anscheinend nicht, ein echtes Team zu formen. Noch schlimmer: Er beging einen großen Fehler. Boris legte sich mit dem Star der Mannschaft an. Den Machtkampf konnte nur Mo Idrissou gewinnen. Wenn man einen 35-jährigen über 100-fachen Bundesligaspieler in die Oberliga holt, dann muss man diesem auch gewisse Freiheiten einräumen und zeigen, dass er ein besonderer Spieler ist. Nur so kann man diese besondere Qualität als echte Waffe nutzen. Das verpasste Boris und holte sich ein großes Problem ins Haus. Dieses kostete ihn letztendlich den Job.

Der neue Mann in Uerdingen sollte jemand sein, der die Oberliga kennt und vor allem die Sprache der Spieler spricht. Er muss wissen, wie Idrissou, Timo Achenbach oder Silvio Pagano ticken. Nur so können diese für Fünftliga-Verhältnisse großen Namen auch echte Verstärkungen für die Oberliga sein. Sie müssen dem Trainer glauben und vertrauen. All das scheint in Uerdingen in dieser Saison noch nicht passiert zu sein. Denn sonst würde ein Kader mit dieser Qualität nicht sieben Punkte hinter Platz eins hinterher hinken.

Autor: Krystian Wozniak

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