Im Interview blickt der Schalker Finanzvorstand Peter Peters in die königsblaue Zukunft.

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Schalke braucht 2051 vielleicht ein neues Stadion

Manfred Hendriock
29. Dezember 2015, 22:02 Uhr
Foto: firo

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Im Interview blickt der Schalker Finanzvorstand Peter Peters in die königsblaue Zukunft.

Er war schon auf Schalke, als die Arena noch nicht stand und Helmut Schulte Trainer war: Peter Peters (53), heute Finanzvorstand und einer der dienstältesten Funktionäre der Bundesliga. Im Interview zum Jahreswechsel blickt er nach vorne – und zurück.

Das Jahr 2015 stand für Schalke im Zeichen der 111 Schalker Jahre. War es ein Grund zu feiern?
Peter Peters: Aus meiner Sicht in jedem Fall. Und das nicht nur, weil der Zeitraum zwischen den großen Jubiläen 100 und 125 Jahre zu lang ist. Die Geschichte von Schalke 04 ist so bewegend und auch so erfolgreich, dass es sich lohnt, jedes Jahr zu feiern. Wenn man dann noch das unglaublich tolle Stück des Musiktheaters hinzunimmt, das die Menschen fasziniert hat, kann man nur sagen: Ja, es war richtig, die 111 Jahre zu feiern.

Aktuelle Gründe gab es aber weniger, es ging also mehr um die Geschichte des Vereins?
Ich würde da gar nicht differenzieren: Nach wie vor ist auch die Gegenwart etwas, was zu feiern ist. Ich bleibe dabei, dass die Bundesliga zeigt: Viele Vereine – Stuttgart, Hamburg und Bremen, um nur drei Namen zu nennen – haben in den letzten Jahren gemerkt, wie schwierig es ist, erfolgreich zu bleiben. Schalke 04 dagegen hat seine grundsätzlichen Ziele in den vergangenen Jahren immer erreicht: Wir sind immer im oberen Drittel der Bundesliga vertreten und haben uns durch die ständige internationale Präsenz in Europa einen Namen gemacht.

Wenn Sie nun einen Ausblick wagen: Wo will Schalke in Zukunft hin?
Schalke tut gut daran, seine Positionen zu behaupten. Das bedeutet für uns ja: In fünf Jahren dreimal Champions League zu spielen, in der europäischen Rangliste unter den Top zehn zu sein und den Angriff von Investoren geführten Klubs, der jetzt ja auch in der Bundesliga stattfindet, abzuwehren.

Sie haben selbst die Klubs mit großen Investoren angesprochen, von denen mit Leipzig nun bald der nächste dazu kommt. Sind die Rahmenbedingungen für einen Verein wie Schalke schwieriger geworden?
Früher wurde der Wettbewerb nur über Management und Potenziale entschieden: Schalke ist ja ab den 90er-Jahren deswegen wieder nach oben gekommen, weil der Klub ein großes Potenzial hat und auch erfolgreich gemanagt wurde. Jetzt kommen aber wesentliche Faktoren hinzu: Das sind die in Europa unterschiedlichen Fernsehmärkte als dritter Faktor und als vierter Faktor in der Bundesliga die unterschiedliche Ausstattung über den Kapitalmarkt. Diese Faktoren hat man weniger in der Hand, wobei wir das Thema Investoren auch gar nicht in der Hand haben wollen.

In diesem Jahr wurde auch öffentlich auf Schalke die Diskussion um den eingetragenen Verein geführt.
Ich habe diese Diskussion gar nicht verstanden, weil ich niemanden in den Gremien von Schalke 04 kenne, der etwas anders gesagt hat als die bekannte Position: Wir wollen ein eingetragener Verein bleiben und im Rahmen dessen unsere Ziele erreichen. In diese Frage wurde mir zu viel hinein interpretiert.

Sie sind seit 1993 und damit länger als jeder andere Funktionär auf Schalke. Gibt es für Sie in dieser Zeit ein Projekt, das entscheidend für den Erfolg war?
Der Bau der Arena war ein Meilenstein, sicher auch für meine Arbeit. Zusammen mit Jupp Schnusenberg habe ich die Finanzierungen maßgeblich verhandelt, bis hin zur Landesbürgschaft. Aber auch das Baumanagement lag komplett in den Händen des damaligen Vorstandes.

Die Arena wurde 2001 eröffnet und soll 2018 abbezahlt sein. Wie lange kann man ein solches Stadion eigentlich nutzen?
Ich gehe davon aus, dass man eine Nutzungsdauer von 50 Jahren anstreben kann. Wir haben die Arena ja bewusst als Gebäude gebaut, dadurch sind Verschleiß und Wetteranfälligkeit gering. Zudem halten wir die Arena modern: Der Video-Würfel bekommt demnächst Bildschirme im Format 16:9, die Beschallungsanlage wird überarbeitet. Und wir werden auch sämtliche sicherheitsrelevanten Themen überprüfen. Das ist zwar anlassbezogen durch die Ereignisse in Paris und Hannover, aber es ist auch normal, nach 20 Jahren sein Stadion an die Anforderungen der aktuellen Zeit anzupassen.

Die Arena war damals ein sehr ambitioniertes Projekt...
Es war entscheidend, dass sich dabei Menschen getroffen haben, die ein Ziel geeint hat: Den FC Schalke 04 von einem abstiegsgefährdeten Bundesligisten zu einem permanenten Europapokalteilnehmer umzubauen. Es war relativ schnell klar, dass dieses Ziel mit dem Parkstadion nicht zu verwirklichen ist. Also haben wir eine Politik der mutigen Investitionen begonnen. Und meine Aufgabe war es dabei häufig, den Mut zu fördern oder – bei anderen Personen – etwas zu bremsen.

Ein schwieriger Spagat?
Natürlich gab es immer wieder Wünsche, noch mehr zu machen: Hier die Arena vielleicht noch ein bisschen größer, da noch ein neuer Spieler mehr. Das waren dann immer ganz schwierige Entscheidungen – auch für mich. Nein zu sagen, war schon in der Ära Rudi Assauer ein schwieriges Unterfangen. Aber die meisten Menschen konnte man mit Argumenten überzeugen, wie viel Mut auch wirtschaftlich vertretbar ist – bei Felix Magath ging das nicht. In seiner Ära bedeutete ein „Nein“ mehr oder weniger den Bruch mit dem Vorstandskollegen.
Rudi Assauer, Andreas Müller, Felix Magath, Horst Heldt: Während die Manager auf Schalke oft gewechselt wurden, sind Sie immer geblieben.
Ich weiß, wie es ist, wenn ein Vorstand abberufen wird – nicht, weil ich das zu entscheiden habe, sondern weil ich formal immer die Einladungen zu den Aufsichtsratssitzungen machen musste. Menschlich ist mir das jedes Mal nahegegangen.

Kann man die Trennung von Rudi Assauer als den schwierigsten Moment bezeichnen?
Sie war alternativlos, weil es tatsächlich nicht mehr ging. Aber natürlich war sie emotional am schwierigsten. Rudi Assauer war bei meiner zweiten Hochzeit mein Trauzeuge – daran erkennt man, welches enge Verhältnis wir in diesen Jahren zueinander hatten.

Assauer hat Sie 1993 nach Schalke geholt. Hätten Sie da gedacht, ausgerechnet hier so lange zu bleiben?
Ich weiß noch genau das Datum: Am 28. Juni 1993 habe ich auf Schalke angefangen. Damals wusste ich noch nicht, was für ein unglaublich faszinierender Klub Schalke 04 ist – heute weiß ich das. Ein Jahr vor meinem Wechsel nach Schalke, ich war damals in Kaiserslautern und wollte in den Westen zurück, hatte ich mit Rolf Rüssmann über einen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach verhandelt. Das hatte sich zerschlagen, und heute sage ich: Gottseidank. Für mich gibt es keine Alternative zu Schalke 04, weil ich die Emotionalität und die Begeisterung dieses Vereins liebe und im Ruhrgebiet zu Hause bin.
In der gesamten Bundesliga gibt es kaum einen Funktionär, der so lange wie Sie im Amt ist. Ein Ausdruck der Bestätigung Ihrer Arbeit?
Darüber will ich nicht urteilen. Ich bin aber ein absoluter Anhänger der These, dass Beständigkeit im Fußball ein hohes Gut ist und man Probleme nicht mit Wechseln löst. Nachdem Karl Hopfner bei den Bayern aus dem operativen Geschäft ausgeschieden ist und Ulrich Ruf beim VfB Stuttgart ganz aufgehört hat, fällt mir in der Bundesliga nur Kalle Rummenigge ein, der ebenso lange dabei ist. Ich wollte wirklich nie wechseln. Insofern bin ich froh, dass ich hier einen unbefristeten Vertrag habe.

Also Königsblau ein Leben lang?
Das bleibt das Ziel. Für mich steht fest: Ich will diesen Verein nicht verlassen.

Wenn wir zum Eingang des Gesprächs zurückkommen: Gibt es, bei allen veränderten Bedingungen, im Hinterkopf noch den Traum von der 8. deutschen Meisterschaft?
Wir haben als – leidvolle – Erfahrung verbucht: Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt man es sich am besten nicht mehr konkret vor...

Aber den Traum gibt es noch?
Ja natürlich. Ich will ja nicht morgen in Rente gehen, sondern noch einige Jahre arbeiten, und da ist vieles möglich.

Autor: Manfred Hendriock

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