Der Aufstieg war Essig! Essen ging in Klausur, die Gremien tagten, es wurde diskutiert, Fehleranalyse stand auf dem Programm, Personal wurde gewogen, wer ist zu leicht, mit wem will man weiter planen?

RWE: Sportlicher Leiter geschaffen - Boss-Vertrauen für Harry Pleß,

og
14. Juni 2003, 20:23 Uhr

Der Aufstieg war Essig! Essen ging in Klausur, die Gremien tagten, es wurde diskutiert, Fehleranalyse stand auf dem Programm, Personal wurde gewogen, wer ist zu leicht, mit wem will man weiter planen?

Der Aufstieg war Essig! Essen ging in Klausur, die Gremien tagten, es wurde diskutiert, Fehleranalyse stand auf dem Programm, Personal wurde gewogen, wer ist zu leicht, mit wem will man weiter planen? Fragen über Fragen. Das Ergebnis trugen die "Bosse" vor. RWE-Präsident Rolf Hempelmann stellte sich den Fragen.

Rolf Hempelmann, die Enttäuschung war groß, scheint aber bereits wieder neuer Handlungsaktivität gewichen zu sein - korrekt?
Wir sind alle davon ausgegangen, im Verein und im gesamten Umfeld, dass wir uns in der Zweiten Liga wiedersehen. Das ist nicht gelungen. Aber bei RWE sind wir ja Kummer gewohnt. Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen, das muss nahtlos in Arbeit übergehen.

Die Gremien haben getagt.
Und zwar über sechs Stunden lang, wir sind auch zu vernünftigen Entscheidungen gekommen. Wir haben nicht nur die abgelaufene Spielzeit analysiert, sondern die letzten zwei Spielzeiten Revue passieren lassen. Tatsache ist, wir sind natürlich mit dem zum zweiten Mal erreichten Platz drei nicht glücklich.

Was ist der Unterschied zwischen den beiden "blechernen" Bronze-Plätzen?
Wir hatten andere Erwartungen. Wir sind diesmal als Favorit gestartet. Am Anfang hatten wir Probleme, legten dann eine Serie hin, waren Herbstmeister. Der Optimismus hat sich durch den 3:0-Restrunden-Auftaktsieg in Münster noch verstärkt.....

....aber nicht bestätigt!
Das 0:4 gegen Wattenscheid war der Dämpfer, danach ging auch noch das Match in Köln mit 1:2 verloren, der Vorsprung von fünf Punkten war weg.

Auch ein Kopfproblem?
Die Nerven haben nicht mitgespielt. Das hat sich wiederholt. Erst verlieren wir mit 1:3 gegen Osnabrück, dann 1:2 in Uerdingen. Das war vorentscheidend. Letztendlich hat der dritte Rang aber viele Ursachen.

Und die wären?
Das Lazarett ist nicht weg zu diskutieren, das war beispiellos. Während der Saison haben wir bewusst nicht viel darüber geredet. Das hat sich gerächt. Andererseits waren wir in den entscheidenden Situationen nicht cool genug. Druck haben wir nicht als Ansporn gesehen, es war immer ein Leistungshemmer.

Und weiter?
Wir müssen uns auch fragen, ob taktisch alles richtig gemacht wurde. Richtig ist, was mit dem vorhandenen Potenzial auch umsetzbar ist, das habe ich in meinem Sportstudium gelernt. Wir haben später das richtige Maß gefunden, aber es hat nicht gereicht.

Stichwort Disziplin.
Damit waren wir sehr zufrieden. In den Jahren zuvor mussten wir viele Abmahnungen aussprechen, einige Gespräche führen. Hierzu gibt und gab es keine Veranlassung. Das Trainerteam hat gute Arbeit geleistet. Man sieht, die Spieler sind gerne bei RWE.

Stichwort Unentschieden.
Das waren viel zu viele. Dafür wird man im Endeffekt nicht belohnt. Hätten wir in den zwölf Remis-Spielen sechs Mal gewonnen und sechs Mal verloren, hätten wir sechs Zähler mehr auf dem Konto.

Das wäre der Aufstieg gewesen - Konsequenz?
Wir müssen überlegen, ob die Aufstellung häufiger auf Sieg hätte ausgerichtet sein müssen. Letztendlich steht der oben, der die meisten Sieg einfährt.....

...das ist Aue, das 20 Dreier einsackte, aber auch zweimal mehr verlor als RWE....
...und nicht der, der die wenigsten Niederlagen hat.

Ihr Fazit?
Wichtig, es lag nicht am Trainer Harry Pleß, sondern an der Summe der Probleme. Klar ist aber, auch der Coach gibt Fehler zu, die wir zusammen analysieren werden. Wir sind bei unserer Sitzung aber zu dem Schluss gekommen, Harry Pleß hat weiter unser Vertrauen.

Auf Pleß lastete zuletzt enormer Druck, der wird in der neuen Spielzeit noch weiter gesteigert.
Es gab im Umfeld kritische Stimmen, aber beim Match in Bremen haben die Anhänger die Hand zur Versöhnung gereicht. Eine große Mehrheit sendet das Signal, uns und den Trainer zu unterstützen. Jeder hat doch gesehen, die Mannschaft zeigte Willen.

Sie arbeiten an den Strukturen, es gibt jetzt einen Sportlichen Leiter - Frank Kontny!
Wir haben das Trainergespann zu oft alleine gelassen, schließlich arbeiten wir alle nur ehrenamtlich. Wenn man aber eine Menge bewegen will, muss man den Coaches jemanden tagtäglich an die Seite stellen. Frank erfüllt die fachlichen und funktionalen Anforderungen. Für uns ist er die Ergänzung zum Trainergespann, das ist ein Team. Chef-Coach Pleß und Frank sind auch unterschiedliche Charaktere, Frank ist ruhig, Harry eher aufgeregt und dynamisch.

Sie betonen immer wieder, nicht mit dem Geldkoffer über den Markt rennen zu können.
Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Wir haben aber bei den Vertragsabschlüssen mit den Spielern positive Signale empfangen, man hat zum Teil trotz erheblicher Einschnitte, bis zu 25 Prozent, neu unterschrieben. Auch dadurch haben wir mehr Luft. Jeder muss an der Ausgabenfront helfen, die Spieler erklären sich solidarisch, auch mit anderen Clubmitarbeitern wird gesprochen. Auch am Prämiensystem werden wir arbeiten, das wird noch mehr Punkt- und Aufstiegs-orientiert. Es ist noch Feinarbeit notwendig, letztendlich wird der Gesamtetat aber wieder eine erhebliche Summe sein. Das alles zu meistern und endlich unser Aufstiegsziel zu erreichen, ist für uns alle ein großer Reiz.

Wie reagieren die Sponsoren?
Wir suchen weiter das Gespräch, Geschäftsführer Nico Schäfer war schon fleißig, wir gehen jetzt auch noch einmal größere Partner an. Durch unsere interne Eigeninitiative senden wir Signale. Wir wollen endlich raus aus der Liga. Für die Fans, für die Stadt und natürlich auch für uns selbst, schließlich stricken wird schon lang daran herum.

Autor: og

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