Da ist Zündstoff drin. Die Spielvereinigung Erkenschwick ist empört, weil Spieler der SV Schermbeck zu einem Pokalspiel gegen die Erkenschwicker antraten - obwohl es im Vorfeld Corona-Verdachtsfälle gegeben haben soll. 

OLW / WL

Zahlreiche Corona-Fälle in Schermbeck: Erkenschwick "schockiert"

03. September 2020, 09:16 Uhr
Foto: firo

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Da ist Zündstoff drin. Die Spielvereinigung Erkenschwick ist empört, weil Spieler der SV Schermbeck zu einem Pokalspiel gegen die Erkenschwicker antraten - obwohl es im Vorfeld Corona-Verdachtsfälle gegeben haben soll. 

Aufregung in Erkenschwick. Denn der Auftakt in die Westfalenliga-Saison steht auf der Kippe. Und aus diesem Grund war man zuletzt nicht gut auf den SV Schermbeck zu sprechen. Der Oberligist hat mittlerweile mehrere Corona-Fälle, das Kreispokalfinale zwischen dem TuS Haltern und dem SV Schermbeck wurde am letzten Sonntag aus diesem Grund abgesagt. 

Doch am Freitag wurde das Pokalspiel gegen die Erkenschwicker noch gespielt. Schermbeck gewann mit 5:4 nach Elfmeterschießen. Doch die Freude ist getrübt - nicht nur wegen der Coronafälle. Auch wegen des Ärgers, der nun droht. 

Denn die Erkenschwicker erheben auf ihrer Facebook-Präsenz Vorwürfe gegen den Oberligisten. Konkret heißt es dort: "Wie wir aus der Presse, und weiterhin vom Fussballkreis erfahren haben, gibt es bei unserem Gegner vom vergangenen Freitag gleich mehrere Covid-19 Verdachtsfälle. So heißt es beispielsweise in der Halterner Zeitung, dass sich bereits Ende der vergangenen Woche gleich mehrere Schermbecker mit Verdachtssymptomen wie Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns gemeldet haben. Am Freitag unterzogen sich dann drei Spieler einem Test. 
Trotz dieser eindeutigen Lage, entschied sich der SV Schermbeck, den Trainings- und Spielbetrieb aufrecht zu erhalten und zum Spiel gegen uns in Marl anzutreten. Wir sind sprachlos, schockiert und wütend aufgrund dieser Vorgehensweise!"

Denn nun muss Erkenschwick handeln. Das sieht so aus, dass der Spiel- und Trainingsbetrieb ab sofort ruht und die ganze Mannschaft einen Corona-Test machen musste. Das Kreispokalspiel am kommenden Donnerstag bei SW Röllinghausen wurde bereits abgesagt. Auch der Auftakt in die Westfalenliga I gegen Westfalia Kinderhaus ist gefährdet. Der Verein betont: "Wir können es nicht fassen, dass der SV Schermbeck trotz eindeutiger Anzeichen, weder uns, noch den Kreis informiert hat und als Krönung des Ganzen ganz normal zum Spiel angetreten ist. Wir haben an dieser Stelle deutlich mehr Verantwortungsbewusstsein und Professionalität erwartet. So ein Fehlverhalten gefährdet den kompletten Spielbetrieb in Zeiten, in denen alle Vereine ihr Möglichstes tun um Infektionen zu vermeiden."

Sechs weitere Corona-Fälle beim SV Schermbeck

Weiter erklären die Erkenschwicker, dass ihr Rechtsbeistand informiert ist, über das weitere Vorgehen wird nun intern beraten. Bei all dem Ärger ist dem Westfalenligisten aber eins noch wichtig: "Abschließend wünschen wir den betroffenen Schermbecker Spielern/ Funktionären viel Gesundheit und drücken ganz fest die Daumen, dass die Tests negativ ausfallen. Und zur Klarstellung: Es geht nicht darum, dass wissentlich erkrankte Spieler eingesetzt wurden. Diese Info liegt uns nicht vor, und dies wird von uns auch nicht unterstellt. Es geht vielmehr darum, dass bei bekannten Verdachtsfällen, konsequent gehandelt werden sollte im Vorfeld, sodass eine Gefährdung vermieden wird."

Leider hat das Daumendrücken aber nicht geholfen, denn es gibt aus Schermbeck keine wirklich guten Nachrichten. Wie lokale Medien übereinstimmend berichten, gibt es mittlerweile sechs weitere Coronafälle beim SVS. Der Trainingsbetrieb wurde vollständig eingestellt. Und noch liegen nicht alle Testergebnisse vor, das Problem beschreibt Thorsten Schröder, 2. Vorsitzender des Vereins, gegenüber der WAZ: "„Wir haben es mit insgesamt vier Gesundheitsämtern zu tun. Einige sind bis zum 9. September im Quarantäne, andere bis zum 14. September. Wir werden da jetzt erst einmal schauen."

Mittlerweile hat sich auch der SV Schermbeck geäußert, der das erste Meisterschaftsspiel beim Holzwickeder SC bereits abgesagt hat . RS fragte bei Schermbecks Manager Cem Kara nach, der erklärte, dass er bereits im Austausch mit den Erkenschwickern steht: "Ich hätte mir gewünscht, dass sich Erkenschwick erst einmal mit uns in Verbindung setzt, bevor sie so eine Stellungnahme veröffentlichen. Mittlerweile haben wir mit deren Verantwortlichen gesprochen und alles aus der Welt geschafft. Jetzt, wo es wieder kälter wird, sind wir eben leider die ersten, die es getroffen hat."

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03.09.2020 - 18:35 - BallaBalla

So, hat mir keine Ruhe gelassen.
In Westfalen müssen erst mindestens 3 Personen in behördliche Quarantäne damit ein Spiel abgesagt wird.
Punkt 4 ist irgendwie krass! Sagt man aufgrund von Symptomen (Krankheitsverdacht) muss durch eine Bescheinigung des Gesundheitsamtes bestätigt werden sonst gilt das Spiel als verloren! Wer möchte da als Funktionär Entscheidungen treffen? Wie man es macht, es wird bestimmt immer falsch ausgelegt und sicherlich noch viel Zoff mit sich bringen!
Denke man wollte dem einen Riegel vorschieben, dass bei Zerrungen wichtiger Spieler keine Verschiebungen aufgrund plötzlicher Symptome vonstatten gehen.
Toi toi toi allen Beteiligten!

https://www.flvw.de/fileadmin/content/medienarchiv/3_Amateurfussball/Dokumente/FLVW-Coronaregeln_Jugend_und_Amateure_Stand_02092020.pdf

03.09.2020 - 16:02 - BallaBalla

Sehr interessanter Fall, klar hat jede Seite ihre Sichtweise.

Nur, wenn man sich einmal vor Augen führt, unter welchen Gegebenheiten die Nations League stattfindet, ist dies ja harmlos. Dort hat eine Nation anzutreten wenn der Kader mindestens aus „gesunden“ 13 Spielern besteht. Sind also 10!!! nachweislich positiv getestet, wird trotzdem gespielt. Man mag es kaum glauben! Da ist dies ja eine Bagatelle (sicherlich nicht aus Sicht der Erkenschwicker).
Ich habe irgendwo mal gelesen, dass aus der Spielordnung erst Spiele abgesagt werden wenn 20% !! der Spieler positiv getestet sind. Bin mir aber hier nicht sicher ob dies ein Entwurf oder die endgültige Fassung war. Wahrscheinlich auch wieder Niederrhein und Westfalen unterschiedlich.

Wir dürfen alle gespannt sein, was spätestens ab dem Herbst auf diesem Sektor geschieht was Absagen usw angeht. Dies ist erst der Anfang nachdem ein Temperatursturz war. Wer soll Erkältungssymptome oder ähnlich denn bewerten? Spieler, Trainer, Physio oder Präsi?

Beiden Teams viel Gesundheit und Glück! Es werden noch viele folgen. Haltet zusammen und streitet nicht, kann jeden Club oder Nationalmannschaft treffen. Leider!

03.09.2020 - 14:49 - Lackschuh

Gemäß letztem Satz hat Schermbeck anscheinend mit plausiblen Fakten alles aufgezeigt und wohl auch geklärt.

Grundsätzlich ist das natürlich ein weites und gleichzeitig doch sehr enges Feld, wo Corona greift und dazu trifft es auf "Ungeübte". Klar ist natürlich auch, dass hier nur völlige Transparenz und Offenheit im Sinne aller sein kann und darf!

03.09.2020 - 14:09 - dhanz

Was interessant wäre: Wieviele sind ernsthaft erkrank und im Krankenhaus/Intensivstation und sind bereits Tote zu beklagen?

03.09.2020 - 11:51 - Polacke

Der letzte Satz von Schermbeck zeigt die ganze Unverantwortlichkeit von Schermbeck auf. Sie sind jetzt Opfer des kalten Wetters? Corona hat rein gar nichts mit dem Wetter zu tun. Wenn das die Denkweise dort ist dann gute Nacht!

03.09.2020 - 11:05 - Oldschool

wie immer gibt es in solchen Themen 2 widersprüchliche Aussagen.
Für mein Empfinden ergibt aber die Aussage von Erkenschwick absolut Sinn.
Von Schermbeck gibt es ja keine Aussage zu dem Vorwurf.

Wenn dem so ist, wie es Erkenschwick beschrieben hat, dann gehört Schermbeck ordentlich bestraft. Kann nicht sein, dass hier wissentlich Spieler gefährdet wurden.
Da kann man sich sogar überlegen, ob man da zivilrechtlich gegen vorgeht.

Beitrag wurde gemeldet

03.09.2020 - 10:06 - Außenverteidiger

Interessant. Dieses Verhalten passt jetzt nicht zum Leitbild des SV Schermbeck und dem Integrationsgedöns. In der Krise sieht man immer, was wirklich hinter den Marketingfloskeln steckt. :)

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