Nach seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund hat Mario Götze die Erwartungen nicht mehr erfüllt. Die Trennung im Sommer ist daher alternativlos - für beide Seiten.

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„Nicht zufriedenstellend“: Götzes trister Abschied

24. Mai 2020, 10:56 Uhr
Foto: firo

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Nach seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund hat Mario Götze die Erwartungen nicht mehr erfüllt. Die Trennung im Sommer ist daher alternativlos - für beide Seiten.

Mario Götze absolvierte nach dem Schlusspfiff mit starrem Gesichtsausdruck das Reservisten-Programm auf dem Rasen. Die trostlose Geisterspiel-Atmosphäre passte ins Bild. Wo sonst die Fans von Borussia Dortmund noch den 2:0 (1:0)-Sieg beim VfL Wolfsburg gefeiert hätten, herrschte gespenstische Ruhe. Ähnlich still und leise wird Götze den BVB im Sommer verlassen. Seine Hoffnung: Das Dasein als Ersatzspieler soll dann der Vergangenheit angehören.

„Wir werden die Zusammenarbeit mit Mario Götze im Sommer beenden. Es ist eine gemeinsame Entscheidung nach einem sauberen Gespräch“, hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor dem Anpfiff bei Sky kurz und schmerzlos erklärt, aber betont: „Mario ist ein richtig guter Junge.“

Der gute Junge spielt bei Trainer Lucien Favre aber keine Rolle mehr. In Wolfsburg kam Götze trotz fünf Auswechslungen nicht zum Einsatz. Die Aussage von Zorc, er glaube, dass Götze „in dieser Saison noch wichtig für uns wird“, war daher nur schwer nachvollziehbar.

Seit seiner Rückkehr vom deutschen Rekordmeister Bayern München 2016 ist Götze nur selten wichtig für den BVB geworden. Sein großes Potenzial ließ der WM-Held von 2014 nur noch sporadisch aufblitzen, bei Favre hat er einen schweren Stand. Beide Seiten seien daher in einer Situation, „die nicht unbedingt zufriedenstellend ist. Und dann ist es denke ich normal, dass er sich eine neue Aufgabe sucht“, sagte Zorc.

Dabei waren die Hoffnungen groß, dass Götze an seine glanzvollen Auftritte in der Zeit vor seinem geräuschvollen Wechsel nach München (2013) würde anknüpfen können. Doch schnell stellte sich Ernüchterung ein, auch weil der 27-Jährige durch eine Stoffwechselerkrankung zurückgeworfen wurde.

Die Trennung hatte sich über Monate angebahnt. Die Gespräche über die Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags führten zu keinem Ergebnis. Götze gehört immer noch zu den Top-Verdienern in Dortmund, das passt nicht mehr zu seiner Nebenrolle im hochwertigen Kader. In Favres System ist für ihn kein Platz mehr.

„Heute ist seine Art Fußball zu spielen nicht mehr so gefragt. Es fehlt ihm vor allem an Tempo, um mit dem Fußball mithalten zu können, den der BVB und viele andere Spitzenvereine praktizieren“, schrieb Rekordnationalspieler Lothar Matthäus zuletzt in seiner Sky-Kolumne.

Für Götze, dessen Siegtreffer im WM-Finale 2014 gegen Argentinien von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum „Tor des Jahrzehnts“ gewählt wurde, kommt die Entwicklung nicht überraschend. Zuletzt engagierte er Reza Fazeli als Berater, um sich „in der sportlichen Planung meiner Karriere neu aufzustellen“. Der Agent soll nun einen neuen Klub finden, der zu Götzes sportlichen und finanziellen Vorstellungen passt.

In Zeiten der Coronakrise dürfte das nicht leicht werden. „Ein Spieler am Ende des Vertrags wie Mario Götze zum Beispiel wird nicht mehr die bisherigen Beträge erhalten“, hatte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff in einem Interview mit der Gazzetta dello Sport im April erklärt.

Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga scheint unwahrscheinlich, auch wenn für Matthäus „Hertha BSC Charme hätte“. Götzes Zukunft liege „vielleicht ja auch im Ausland“, sagte Zorc. Der italienische Spitzenklub Lazio Rom signalisierte Interesse, kann laut Gazzetta aber maximal vier Millionen Euro pro Saison bieten. Gut möglich, dass sich der gefallene WM-Held damit bescheiden muss. sid

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