Tabellenführer Arminia Bielefeld hat den optimalen Start nach der Corona-Pause in der 2. Fußball-Bundesliga verpasst. 

2. Bundesliga

Last-Minute-Wahnsinn: Spitzentrio kassiert späte Punktverluste

17. Mai 2020, 15:36 Uhr
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Tabellenführer Arminia Bielefeld hat den optimalen Start nach der Corona-Pause in der 2. Fußball-Bundesliga verpasst. 

Die Ostwestfalen kamen zum Wiederbeginn gegen Aufsteiger VfL Osnabrück nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus, bauten ihren Vorsprung an der Tabellenspitze der 2. Liga aber dennoch auf sieben Punkte aus. Vom Relegationsplatz trennen den Spitzenreiter acht Zähler.

Marcos Alvarez (90.+4) glich für die lange harmlosen Osnabrücker in der Nachspielzeit aus. Mit seinem 17. Saisontor hatte Kapitän Fabian Klos die Arminia in der 17. Minute in Führung gebracht. Der 32-Jährige verwandelte einen Elfmeter souverän, nachdem er selbst von Joost van Aken gefoult worden war. Beim Tabellenführer, der seit acht Spielen ohne Niederlage ist, lief nach zwei Monaten Zwangspause noch nicht alles optimal. Doch die Gastgeber hatten auf der leeren Alm bis in die Schlussphase alles im Griff.

„Es gibt noch Optimierungsbedarf“, meinte Sport-Geschäftsführer Samir Arabi bei Sky: „Aber die Mannschaft hat sehr große Entschlossenheit und Willen gezeigt.“ Positiv: Stürmer Andreas Voglsammer gab bei seiner Einwechslung (72.) sein Comeback nach dem Mittelfußbruch im Februar.

Für die seit neun Spielen sieglosen Osnabrücker wird es trotz des Punktgewinns langsam ungemütlich: Der Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz beträgt nur zwei Punkte. Gegen die selbstbewussten Bielefelder fehlte dem Aufsteiger vor allem in der Offensive lange die Durchschlagskraft.

Auswärtsfluch kostet Stuttgart erneut Punkte

Seine unerklärliche Auswärtsschwäche könnte dem VfB Stuttgart im Kampf um die Bundesliga-Rückkehr noch zum Verhängnis werden. Der ambitionierte Zweitligist verlor am 26. Spieltag beim Abstiegskandidaten SV Wehen Wiesbaden in letzter Sekunde noch 1:2 (0:0) und hat damit aus den vergangenen neun Auswärtsspielen lediglich einen Erfolg verbucht. „Schreckgespenst“ Manuel Schäffler (50.) und Philip Tietz (90.+7) mit einem Handelfmeter nach Videobeweis trafen für die Gastgeber, Nicolas Gonzalez glich aus (83.).

In der Tabelle rutschten die Schwaben auf den Relegationsrang drei ab - was sich in der Anfangsphase überhaupt nicht angedeutet hatte. Die Stuttgarter ließen keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass sie vorhatten, ihre schwache Bilanz zu verbessern. Der VfB war von Beginn an bereit für die vermeintlich ungleiche Aufgabe, agierte körperlich präsent und ließ auch immer wieder seine individuelle Qualität aufblitzen. Vor allem Daniel Didavi sprühte vor Spielfreude.

Sobald die Gäste in die gefährliche Zone rund um den Strafraum vordrangen, fehlte allerdings Konsequenz. Und das weckte unangenehme Erinnerungen: Schon das Hinspiel hatte der VfB nach Belieben dominiert, am Ende aber 1:2 verloren. Beide Gegentreffer erzielte damals: Manuel Schäffler.

Am Sonntag vollendete der 31 Jahre alte Angreifer kurz nach dem Seitenwechsel einen Konter aus dem Bilderbuch. Während die Stuttgarter in ihren Bemühungen zusehends planlos wirkten, hätten Daniel Kyereh und Jeremias Lorch für Wiesbaden in der 72. Minute erhöhen können. Den Chancenwucher bestrafte Gonzalez.

Trotz 2:2 in Fürth: HSV klettert auf direkten Aufstiegsplatz

Der Hamburger SV hat trotz einer holprigen Vorstellung beim Neustart in der 2. Fußball-Bundesliga einen direkten Aufstiegsplatz übernommen. Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking kam bei der SpVgg Greuther Fürth nicht über ein 2:2 (1:1) hinaus, profitierte aber von der Niederlage des VfB Stuttgart und ist neuer Zweiter. Die Hanseaten gehen nun mit einer ordentlichen Ausgangsposition in die Spitzenspiele am 24. Mai gegen Tabellenführer Bielefeld und dann vier Tage später in Stuttgart.

Harvard Nielsen brachte Fürth in der 35. Minute in Führung. Joel Pohjanpalo (41.) und Jeremy Dudziak (48.) drehten das Spiel, doch Nielsen (90.+4) glich spät noch aus. Der HSV konnte so auch seine negative Auswärtsbilanz (nur ein Sieg aus elf Spielen seit September) nicht entscheidend aufbessern.

Der HSV, der sich im Quarantäne-Camp in Herzogenaurach vorbereitet hatte, reiste mit einem „sehr guten Gefühl“ (Sportvorstand Jonas Boldt) nach Fürth. Doch zunächst war von den Norddeutschen wenig zu sehen - bis auf eine Großchance von Jairo Samperio in der 20. Minute: Der Offensivspieler hatte bereits Fürths Keeper Sascha Burchert umkurvt, traf aber aus spitzem Winkel nur das Außennetz.

Ansonsten fehlte den HSV-Aktionen die Entschlossenheit. Dies war zunächst auch das Manko bei den gefällig spielenden Fürthern. Die nutzten aber gleich die erste Chance durch Nielsen per Kopf eiskalt aus. Der HSV zeigte sich aber nicht geschockt und schlug schnell zurück. Nach der Führung hatten die Hamburger das Geschehen weitgehend im Griff, vergaben aber einige gute Möglichkeiten. Das sollte sich rächen.

FC St. Pauli mit Glück: 1:0 gegen Nürnberg in Überzahl

Der FC St. Pauli hat die Abstiegssorgen des 1. FC Nürnberg in der 2. Fußball-Bundesliga vergrößert. Im ersten Geisterspiel am Hamburger Millerntor nach der zweimonatigen Corona-Zwangspause kamen die Hanseaten am Sonntag zu einem glücklichen 1:0 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg. Viktor Gyökeres erzielte in der 84. Minute den entscheidenden Treffer.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Gäste bereits seit fast einer halben Stunde in Unterzahl. Torhüter Christian Mathenia (55.) sah wegen einer Notbremse gegen Paulis Henk Veerman die Rote Karte. Nach dem fünften Spiel ohne Niederlage - bei drei Siegen - verschafften sich die Hamburger Luft im Kampf gegen den Abstieg.

Bis zur Roten Karte waren die Franken die bessere Mannschaft. Die beste ihrer Chancen vergab Nikola Dovedan (43.) kurz vor dem Wechsel freistehend vor dem St. Pauli-Tor. Schon davor hatte Hamburgs Torwart Robin Himmelmann einige Male eingreifen müssen.

Der FC St. Pauli tat sich lange schwer. Mit ihrem ersten gelungenen Angriff wurden die Hamburger auch gleich gefährlich. Mathenia musste in der 19. Minute erst gegen St. Paulis Waldemar Sobota und anschließend gegen Rico Benatelli retten. Erst der eingewechselte Gyökeres erlöste den FC St. Pauli. dpa/sid

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